Warum die Polizei Auto- und Radfahrern besonders auf die Finger schaut
Handy weg, Kopfhörer raus

Gütersloh(WB). Ein Blindflug kostet 55 Euro. Soviel muss jeder zahlen, der mit dem Handy auf dem Rad erwischt wird. Damit die Verkehrssünder geschnappt werden, hilft die Hundertschaft aus Bielefeld in Gütersloh aus. Ein Vergehen überrascht sogar den Landrat.

Donnerstag, 09.05.2019, 05:16 Uhr aktualisiert: 09.05.2019, 05:20 Uhr
Hier ist meine Karte: Dieser Radfahrer zahlt sein Verwarngeld von zehn Euro nicht bar. Er hat mit Kopfhörern Musik gehört. Foto: Hendrik Fahrenwald
Das unterschätzte Problem

588 verletzte Radfahrer hat es laut Landrat Sven-Georg Adenauer im vergangenen Jahr gegeben. Bei 30 Prozent aller Unfälle waren Radfahrer beteiligt. Eine Ursache sei die Nutzung von Handys im Straßenverkehr. »Es ist ein unterschätztes Problem«, sagt Adenauer. Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, hat die Polizei Gütersloh bei dem landesweiten Aktionstag gegen Handys am Steuer teilgenommen. »Es ging nicht darum, nur Geld einzukassieren, sondern vor allem um die Aufklärung«, sagt Adenauer. Von 6 Uhr bis 22 Uhr gab es deshalb zahlreiche Kontrollen im gesamten Kreisgebiet.

Bereits am Montag führte die Polizei Kontrollen an der Verler Straße durch. Insgesamt zwölf Handyverstöße stellte die Polizei fest. Zwei Autofahrer standen unter Drogeneinfluss. Außerdem wurde ein Verfahren gegen einen Fahrzeugführer wegen des Verdachts des Fahrens ohne einer gültigen Fahrerlaubnis eingeleitet. Zudem verstießen zwei Lkw-Fahrer gegen das Fahrpersonalgesetz. Fünf Autofahrer zahlten Verwarnungsgelder wegen sonstiger Verstöße.

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Auf dem Weg von der Arbeit ein bisschen Musik hören, das hat einen Altenpfleger zehn Euro gekostet. »Es war mir nicht klar, dass das verboten ist«, sagt der 25-Jährige, nachdem er per Karte sein Verwarngeld vor Ort bezahlte. Auch Landrat Sven-Georg Adenauer war das Verbot neu: »Ich wusste es nicht.«

Nicht zu laut Musik hören

Zwar sei es nicht verboten, die Kopfhörer im Ohr zu haben, doch laut Musik zu hören, sei nicht erlaubt, sagt Polizeihauptkommissar Heiko Patzelt.

Dies tat auch ein Schüler, der ebenfalls die Herzebrocker Straße entlang fuhr. Auch er bezahlte zehn Euro. »Das kann ich verstehen«, sagt er. Sein Handy würde er nie während der Fahrt nutzen. Das wäre noch gefährlicher und teurer. Denn wer sein Handy beim Radfahren bedient, muss 55 Euro zahlen, vor Oktober 2017 waren es nur 25 Euro. Aus Sicht von Patzelt ist die Strafe »sehr hoch«. Im Vergleich: Wer sein Handy während der Autofahrt bedient zahlt 100 Euro und bekommt einen Punkt in Flensburg. Zum Vergleich: Wer in den Niederlanden beim Fahrradfahren sein Handy nutzt, muss ab 1. Juli sogar mit einer Strafe von 95 Euro rechnen.

Elternbriefe statt Strafe

Insgesamt 3500 Handyverstöße im Straßenverkehr stellte die Polizei in den beiden vergangenen Jahren fest. Auf der Herzebrocker Straße hielt die Polizei am Nachmittag vor allem viele Schüler auf ihren Rädern an und informierte sie über die Gefahr bei der Handynutzung während der Fahrt. »Hier wird kein Kind zur Kasse gebeten«, sagt Polizeioberrätin Jennifer Kockel. Stattdessen gibt’s hier und da einen Elternbrief in die Hand. Darauf ist das Vergehen des Kindes vermerkt.

Bei den Kontrollen fallen den Polizisten auch gestohlene Räder auf. Insgesamt 2107 Fahrraddiebstähle gab es 2018, sagt Adenauer. Um die Diebstähle und die Unfälle mit Fahrradfahrern zu bekämpfen, plant die Polizei in den nächsten Wochen weitere Verkehrskontrollen im Kreis Gütersloh.

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