Schüler, die Pornos schauen, stellen andere Fragen – Einblick in die Arbeit von Pro Familia
»Das hätte es früher nicht gegeben«

Gütersloh (WB). Erst Schule, dann Pornos schauen: Was macht das mit der Sexualität von Schülern und wer wird noch ungewollt schwanger? Ein Einblick in die Arbeit von Pro Familia Gütersloh.

Mittwoch, 08.05.2019, 08:15 Uhr aktualisiert: 08.05.2019, 08:30 Uhr
Ein Schätzchen, das nicht mehr genutzt wird: Almuth Duensing von Pro Familia zeigt Kollegin Margarete Köllner-Ramforth den alten Schaukasten zum Thema Verhütung. Heute bieten sie Jungen und Mädchen Beratung per WhatsApp an. Foto: Hendrik Fahrenwald

Wie wirkt sich das Schauen von Pornos im Internet auf die Sexualität von Jugendlichen aus?

Seitdem Jugendliche über das Internet einen einfachen Zugang zu Pornos haben, wird Sexualpädagogin und Leiterin Almuth Duensing gefragt, ob Oral- oder Analsex beim ersten Mal dazugehören. »Die Frage hätte es vor 20 Jahren nicht gegeben«, sagt Duensing. Allerdings findet sie, dass Schüler zwischen Pornografie und Realität unterscheiden können. »Die meisten wissen, dass es nicht die Realität ist«, sagt Duensing. Die 56-Jährige redet seit 20 Jahren regelmäßig professionell mit Jugendlichen über Sex. Seit 27 Jahren arbeitet die Sexualpädagogin für die Beratung Pro Familia in Gütersloh. Dennoch seien die Themen über die Jahre gleich geblieben. »Alles was man in der Bravo lesen kann, fragen sie auch uns«, sagt Duensing. Wie komme ich an eine Freundin? Was mache ich bei Liebeskummer? Wie geht Sex?

Wie hat sich die Beratung von Jugendlichen geändert?

Während vor 20 Jahren die Jugendsprechstunde erfolgreich war, kommt Pro Familia mit Jugendlichen meist nur noch über Projekte mit Schulklassen in Kontakt. Seit einem halben Jahr versucht Pro Familia über WhatsApp Erste-Hilfe bei Problemen zu bieten.

Wenn Schüler Pornos schauen und sich die Aufklärung per Youtube-Video holen, sind dann nicht Sexualpädagogen überflüssig?

»Wir werden noch gebraucht«, sagt Duensing. Schließlich gehe es auch darum Schülern, die sich nicht anders informieren, einen Zugang zur Sexualität zu bieten.

Werden denn nur junge Mädchen ungewollt schwanger?

Keinesfalls. Junge Leute würden sogar häufig besser verhüten als beispielsweise Anfang 30-Jährige, sagt Duensing. Die Jüngeren hätten zudem nicht so viel Sex. Die meisten ungewollten Schwangerschaften gebe es in der Altersgruppe der 29- bis 35-Jährigen.

Wer ungewollt schwanger wird, kann mit Pro Familia über eine Abtreibung reden. Welche Rolle spielt beispielsweise der Job beim Gedanken abzutreiben?

Dass Frauen in prekären Arbeitsverhältnissen einen Schwangerschaftsabbruch wünschen, habe zugenommen, sagt Duensing. Der Grund: Wer einen befristeten Vertrag hat und schwanger wird, droht seinen Job zu verlieren. Der Beruf spiele deshalb eine große Rolle, er ist allerdings nicht alleiniger Abtreibungsgrund, sagt Duensing. Ein weiterer Faktor sei eine abgeschlossene Familienplanung.

Welche Auswirkungen hat die Diskussion über den Paragrafen 219a auf die Arbeit?

»Die Diskussion hat uns sehr beschäftigt«, so Duensing. Den Kompromiss, dass Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, zwar darauf hinweisen dürfen, für weitere Infos sie dann aber auf staatliche Stellen verweisen müssen, hält sie für »nicht glücklich«. Duensing: »Immer weniger Ärzte sind bereit, Abtreibungen anzubieten, weil dies in einem schlechten Licht steht.« Vor allem Ärzte vor dem Ruhestand, die Abtreibungen anbieten, hätten Probleme einen Nachfolger zu finden, der ebenfalls Abtreibungen anbietet.

Gibt es in Gütersloh genug Ärzte, die eine Abtreibung anbieten?

Ja. In Gütersloh bieten Gynäkologen und das Städtische Klinikum Abtreibungen an. In den Kreisen Paderborn, Soest, Warendorf oder im Sauerland hingegen gebe es laut Duensing kaum Angebote für Abtreibungen. Deshalb würden Frauen zum Abtreiben extra auch aus dem Umland nach Gütersloh kommen.

Kommentare

Mathias Anderer  wrote: 09.05.2019 06:32
So ein Quatsch!
Natürlich "hätte" es das gegeben. Nur "war" damals das Internet nicht auf Schritt und Tritt und ohne Zusatzkosten verfügbar. Als ob die Menschen früher "besser" gewesen wären.
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