Gütersloh: Stiftung droht Zahlung von 25 Millionen Euro an Unternehmensberater
Schlaganfallhilfe steht vor Gericht

Gütersloh/München (WB). Das Landgericht München entscheidet am Mittwoch, ob die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe 25 Millionen Euro an zwei Unternehmensberater bezahlen muss. Stephan Mahlert und Robert Hobelsberger haben die von Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn repräsentierte Stiftung wegen Vertragsbruch verklagt.

Mittwoch, 08.05.2019, 05:15 Uhr aktualisiert: 08.05.2019, 05:20 Uhr
Die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe – hier der Stiftuungssitz in Gütersloh – ist von zwei Unternehmensberatern aus München wegen Vertragsbruches verklagt worden. Foto: Julian Stolte

In dem Verfahren geht es um die 2012 von ihnen mitgegründete Firma »CC4Y« (Englisch ausgesprochen: »CieCieforYou«). Sie sollte der Stiftung einer damaligen Pressemitteilung zufolge den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb in weiten Teilen abnehmen, damit die sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren kann. Eine wichtige Leistung stellte dabei die Vermarktung von in der Stiftung entwickelten Produkten dar, darunter der Qualitätsorientierte Leitfaden Schlaganfallanalyse (Quis). Stephan Mahlert: »Auch das heute von der Stiftung praktizierte Lotsensystem für Schlaganfallpatienten geht auf unser Konzept zurück. Wir hatten eine weltweite Umsetzung vorgeschlagen.«

Warum die Stiftung diese Zusammenarbeit am 5. März 2013 ohne Angabe näherer Gründe kündigte, sei Mahlert und Hobelsberger noch heute ein Rätsel. Die Existenz eines Vertrages sei mit einem Mal bestritten worden. Daraufhin verklagten sie die Stiftung auf Vertragstreue und erfahren in dem seit vier Jahren laufenden Verfahren, dass die Firma McKinsey in einer Machbarkeitsstudie ein enormes Potential für die Vermarktung der Stiftungsprodukte ermittelt hatte. Sie erfahren ferner, dass die Stiftung die Firma Porsche Consulting mit der Suche nach anderen Vertriebswegen beauftragt hatte.

Firmensitz ist München

Vor dem wegen des Firmensitzes zuständigen Landgericht München lässt sich die Stiftung von der Kanzlei des renommierten Rechtsanwaltes Laurenz Schmitt (unter anderem für Boris Becker tätig gewesen) vertreten. Aus einem Prozessbericht der Süddeutschen Zeitung geht hervor, dass den Unternehmensberatern unter anderem vorgeworfen wurde, sie hätten die Unterschrift von Brigitte Mohn unter dem Vertrag gefälscht. Später hieß es, die CC4Y-Geschäftsführer hätten in den Vertrag Bedingungen hineingeschmuggelt, die die Stiftung in unvorstellbarer Weise ausbeuten und sie wirtschaftlich enteignen sollte.

All’ diese inzwischen widerlegten Vorwürfe spielten im März diesen Jahres keine Rolle mehr, als ein vom Gericht bestellter Gutachter feststellte, dass der mit der Firma CC4Y unterzeichnete Vertrag problematisch für die Gemeinnützigkeit der Stiftung gewesen wäre. Stiftungsvorstand Dr. Brigitte Mohn sei deshalb nicht bevollmächtigt gewesen, ihn zu unterschreiben. Ein anderer, späterer Vertragsentwurf aber hätte eine berechtigte Chance gehabt, von der Finanzverwaltung anerkannt zu werden. Falls das Gericht mit dieser Begründung ihre Klage abweise, strebe Stephan Mahlert ein Berufungsverfahren vor dem BGH an.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6595836?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Schärfere Corona-Regeln geplant - Lockerungen an Weihnachten
Angesichts weiterhin hoher Corona-Infektionszahlen kommen wohl strengere Regeln in Deutschland.
Nachrichten-Ticker