Pflegeheime: Wohlfahrtsverbände fordern verbindlichen Bedarfsplan
»Nur die Rendite im Blick«

Gütersloh (WB). Private Investoren bauen derzeit – völlig am Bedarf und Bürgerwillen vorbei – im Kreisgebiet drei Altenpflegeheime: Diesen Vorwurf hat jetzt die Arbeitsgemeinschaft (AG) der freien Wohlfahrtsverbände formuliert.

Dienstag, 07.05.2019, 12:15 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 12:20 Uhr
Julia Stegt (Der Paritätische), Ulrike Boden (AWO), Matthias Timmermann (Caritas), Björn Neßler (Diakonie Gütersloh) und Dennis Schwoch (DRK-Kreisverband, von links) kritisieren den Bau von aktuell drei Altenpflegeheimen im südlichen Kreisgebiet. Foto: Carsten Borgmeier

Von Seiten der AG heißt es weiter, diese Projekte – konkret in Verl, Rietberg und Herzebrock-Clarholz – würden nur deshalb realisiert, um entweder hohe Renditen zu generieren oder Verluste steuerlich geltend zu machen.

Bürgerwille werde in einigen Kommunen ignoriert

Ulrike Boden als Geschäftsführerin des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Matthias Timmermann (Caritas), Björn Neßler (Diakonie Gütersloh), Dennis Schwoch (Deutsches Rotes Kreuz) und Julia Stegt (Der Paritätische) haben sich am Montag zu dem Thema ausführlich geäußert.

Sie kritisieren dabei vor allem die Kommunen: Erst gebe es Bürgerversammlungen, wo Einwohner ihre Meinung zu ambulanter oder stationärer Altenpflege äußern könnten. »Die Menschen favorisieren mit überwältigender Mehrheit von fast 90 Prozent, in den eigenen vier Wänden gepflegt zu werden, doch dann werden plötzlich stationäre Pflegeheime gebaut«, kritisiert Julia Stegt und nennt dabei Verl als Negativbeispiel. Die Sprecher der AG der sechs Wohlfahrtsverbände sehen diese Entwicklung unter sozialpolitischen Aspekten als »höchst beängstigend« an, wie Björn Neßler es formulierte.

Private Investoren kaufen Grundstücke auf

Ulrike Boden ergänzte, im Kreis Gütersloh könne man seit 30 Jahren stolz sein auf das Konzept »Ambulant vor stationär« mit seinen vielen kleinen Wohngemeinschaften und dem Angebot, ältere Menschen daheim pflegerisch zu betreuen. Unverständlich seien die drei Altenheim-Projekte in den genannten Kommunen vor allem auch deshalb, weil die zuständigen Stellen beim Kreis einen Bedarf dafür nicht sahen, so Ulrike Boden. »Dadurch wird der Wunsch von Pflegebedürftigen ignoriert«, so die AWO-Geschäftsführerin. Die gemeinnützigen Träger der AG fordern deshalb, dass der bis 2002 bestehende Pflegebedarfsplan, der aktuell nur als Empfehlung gesehen wird, im Kreis wieder verbindlich eingeführt wird.

»Wir wollen Pflegeheime keinesfalls verteufeln«, betonte Björn Neßler als Vorsitzender der AG. »Die Mitglieder der AG betreiben selber welche, und diese Einrichtungen stellen einen wichtigen Baustein in der Pflege dar. Gleichwohl gehen die jetzt entstehenden Einrichtungen am vorhandenen Bedarf vorbei. Und vor allem finden wir es problematisch, dass private Investoren verstärkt in die Region drängen.«

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