Raubmord Westerwiehe: Prozess ist endlich auf der Zielgeraden
Plädoyers am Mittwoch?

Gütersloh/Rietberg (WB). Nach 42 Verhandlungstagen sollte die Beweisaufnahme im Raubmordprozess von Wes­terwiehe eigentlich gestern geschlossen werden, um so endlich den Weg für die Plädoyers frei zu machen. Doch daraus wurde nichts. Strafverteidiger Matthias Doehring kündigte einen neuen Beweisantrag an.

Dienstag, 07.05.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 09:00 Uhr
Was zaubert Strafverteidiger Matthias Doehring (rechts) noch aus seinem Koffer? Er hat kurzfristig einen Beweisantrag angekündigt. Links Anwalt Björn Nordmann. Foto: Wolfgang Wotke

Was zaubert der Hannoveraner Anwalt jetzt noch aus seinem Koffer? Aktuell habe er eine ganz wichtige Information erhalten, die entscheidend für den Verlauf des Prozesses sein könne und die er unbedingt prüfen müsse, erklärte Doehring den Richtern, der zusammen mit Björn Nordmann einen der Angeklagten, nämlich Artur T., vertritt. »Diesen Antrag kann ich nicht mit der schnellen Feder formulieren.« Nach kurzer Beratung räumte ihm der Vorsitzende Richter des Schwurgerichts Dr. Marc Brüning dafür eine letzte Frist bis zum Mittwoch ein. Danach, so sein Plan, könne man plädieren.

Die Strafverteidiger spüren den Druck der Kammer

Die Strafverteidiger spürten den Druck der Kammer, jetzt unbedingt zum Ende zu kommen. »Uns wurde in der vergangenen Woche plötzlich mitgeteilt, dass eine Beisitzerin schwanger und erkrankt ist. Jederzeit kann sie ausfallen, und somit würde der Prozess vor der Urteilsverkündung platzen.« Es gebe noch so viele unbeantwortete Fragen. »Warum verweigert sich die Kammer, Aufklärung mit kleinstem Aufwand zu betreiben?« Im ersten Verfahren, das für beide Angeklagten mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe endete, sei man noch von drei Tätern ausgegangen, erklärten Nordmann und Doeh­ring gegenüber dieser Zeitung. Artur T. soll demnach mit seinem Audi den Mitangeklagten Robert D. und Piotr L. (Letzterer sitzt in Polen in Haft) zum Tatort gefahren haben.

Im zweiten Verfahren, das seit Februar 2018 läuft, haben wir herausgefunden, dass es sich um insgesamt fünf Täter gehandelt haben muss.

Björn Nordmann

Bewiesen sei das jedoch nicht. »Im zweiten Verfahren, das seit Februar 2018 läuft, haben wir herausgefunden, dass es sich um insgesamt fünf Täter gehandelt haben muss und dass zwei Zeugen ausgesagt haben, dass Artur T. den Audi am Tattag nicht gefahren hat. Das wäre die Aufgabe der Ermittler gewesen«, sagte Björn Nordmann. Das Gericht sei immer davon ausgegangen, dass die genannten Tatbeteiligten, ein gewisser »Tomek«, der weiterhin gesucht wird, und ein »Sexmister«, der verstorben ist, nicht existierten. Staatsanwaltschaft und Richter stützten sich nur auf GPS-Daten des Senders, der an dem Audi angebracht worden war.

Artur T., der von Anfang an behauptet hat, dass er sein Auto am Tattag verliehen habe, wollte sich im ersten Prozess nicht öffentlich dazu äußern. »Das haben mir die damaligen Anwälte verboten, weil das Teil ihrer Strategie gewesen ist«, betonte T. am Montag. Das bestätigte indirekt sein erster Pflichtverteidiger Jens Schulte, der kurzfristig geladen wurde.

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