Warum Mikroplastik in Kleidung ein Problem ist – Miele Partner bei »Textile Mission« »Einfach herausfiltern geht nicht«

Gütersloh (WB). Bei gut einem Drittel des Mikroplastiks, das mit dem Abwasser in Flüsse, Seen und Meere gelangt und von dort in den Nahrungskreislauf, handelt es sich um Acryl, Nylon und Polyester aus synthetischen Textilien. Dies zu reduzieren ist seit September 2017 Ziel des Forschungsprojekts »Textile Mission«. Partner sind neben dem Bundesforschungsministerium, der TU Dresden, der Hochschule Niederrhein, der deutschen Sportartikel-Industrie und dem WWF fünf Unternehmen, darunter der Gütersloher Hausgeräte-Hersteller Miele.

Von Bernhard Hertlein
Diese Plastikteilchen sind am Ufer der Warnow in Rostock gefunden wurden.
Diese Plastikteilchen sind am Ufer der Warnow in Rostock gefunden wurden. Foto: dpa

Motiv für Miele war die Überlegung, ob Plastikpartikel in der Waschmaschine herausgefiltert werden könnten. Diese Hoffnung ist nach Aussage der Nachhaltigkeitssprecherin Ursula Wilms allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu erfüllen. Mit einem Durchmesser zwischen kleiner als fünf Millimeter und wenigen Nanometern seien die Fasern viel zu winzig, um auf einfache Art mechanisch herausgelesen zu werden. Eine Alternative könnten, so Wilms, chemisch-technische Verfahren sein.

Verlängerte Waschdauer

Allerdings würden sie die Waschdauer verlängern. Offen sei auch, ob die Verbraucher den höheren Preis akzeptierten, die herausgefilterten Partikel sachgerecht entsorgten und den notwendigen Filtertausch regelmäßig durchführten. Aus diesen Gründen sei so bald nicht mit einer tragfähigen Filterlösung bei Haushalts-Waschmaschinen zu rechnen. »Effektiver wäre es ohnehin, wenn diese Plastikteilchen gar nicht erst ins Wasser gelangten«, erklärte Wilms. Reduziert würde die Verschmutzung nach Expertenansicht auch, wenn die Kleidung, bevor sie in den Handel kommt, schon einmal industriell gewaschen wird.

Das meint im Übrigen auch Lisa Albrecht, Autorin des Internetblogs »Ich lebe grün«. Die einfachste Lösung sei, gar nicht erst Kleidung aus Synthetik zu kaufen und stattdessen auf Baumwolle, Leinen, Wolle, Hanf oder Seide zu setzen. Und wenn doch: Eine geringere Waschtemperatur, niedertouriges Schleudern und eine volle Waschmaschinenladung würden zumindest den Abrieb der Kunststoffpartikel reduzieren.

Nach einer Statistik des Naturschutzbundes BUND stammen 35 Prozent des Mikroplastiks in den Meeren aus synthetischen Textilien. 28 Prozent entfallen auf den Abrieb von Reifen, 24 auf Stadtstaub, sieben auf Straßenmarkierungen, sechs auf Kosmetikprodukte und anderes. Pro Waschgang würden bis zu 3000 Fasern freigesetzt. Da sie in Kläranlagen kaum zu entfernen seien, gelangten sie in das gereinigte Abwasser. Synthetische Fasern neben Acryl und Polyester sind vor allem Elas­tan, Aramid, Polyamid, Polyethylen, Polyimid und Polypropylen.

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