Bestattungshaus Kintrup ist vor 100 Jahren gegründet worden
Ein Beruf im ständigen Wandel

Gütersloh(WB). »Mit den Flügeln der Zeit fliegt die Traurigkeit davon.« So beschreibt der französische Fabeldichter und Novellist Jean de La Fontaine (1621 bis 1695) den Umgang mit Tod und Trauer. Dina (44), Sascha (41), Christel (66) und Klaus Kintrup (67) drücken es nicht ganz so poetisch aus.

Montag, 08.04.2019, 11:15 Uhr aktualisiert: 08.04.2019, 11:20 Uhr
Foto: Jens Dünhölter

Sie sehen sich nach Aussage in einem Imagefilm als »ganz normale Familie mit einer ganz besonderen Aufgabe«. Und das seit genau 100 Jahren. Laut Gewerbeanmeldung fertigte Firmengründer Johann Kintrup seit 1919 in seiner Tischlerei an der Wiedenbrücker Straße neben Möbeln auch per Maßband ausgemessene, individuelle Holzsärge an.

1932 hat ein Sarg noch 65 Reichsmark gekostet

1932 hat ein Sarg noch 65 Reichsmark gekostet. Doch das ist in 100 Jahren beileibe nicht der gravierendste Unterschied. Zwischen dem Damals und dem Jetzt hat sich das familiengeführte Traditionsunternehmen von der Sargtischlerei zum modernen, zeitgemäßen Abschiedsbegleiter und Dienstleister für unzählige Formalitäten und sämtliche Detailfragen weiterentwickelt. Auch die Zeiten, in denen Christel und Klaus Kintrup ihre Berufsbezeichnung gegenüber Fremden aus Angst vor unliebsamen Überraschungen (Christel Kintrup: »Teilweise wollte man uns nicht die Hand geben«) mit »Lieferant für unterirdische Möbel« kaschierten, sind längst passé. Mittlerweile hat sich die Ansicht über den Tod, Beerdigungen und somit auch Image und Berufsbild des Bestatters komplett gewandelt. Christel Kintrup: »Die Aufgaben werden immer vielfältiger, Beerdigungen immer individueller. Viele Familien sind in Sachen Farben, Musik oder Blumenauswahl weitaus mutiger geworden.« Sascha Kintrup ergänzt: »Auf einer Trauerfeier An­drea Berg, Helene Fischer oder ›An der Nordseeküste‹ zu spielen, ist längst kein Problem mehr.«

 

Keiner will mehr 20 bis 30 Jahre eine Grabstelle pflegen.

Sascha Kintrup

Auch das ohnehin große Aufgabenspektrum rund um die inzwischen von Lieferanten gefertigte Sargauswahl, die immer weiter zunehmende Anzahl von Urnenbestattungen – inzwischen machen diese rund 70 Prozent aus, Sascha Kintrup: »Keiner will mehr 20 bis 30 Jahre eine Grabstelle pflegen« –, Einkleidung, Trauerdrucksachen, Traueranzeigen und Grabschmuck wächst durch den permanenten Wandel der Bestattungskultur weiter. Mittlerweile müssen Hinterbliebene und die professionellen Abschiedsbewältiger an viel mehr denken. Seit 2016 regelt ein Dienstleister im Sinne der Angehörigen die Löschungen des digitalen Nachlasses bei Kranken-, Rentenversicherungen oder in sozialen Netzwerken. Ein Jahr später kam bei Kintrups ein analoges Abmelde-Portal für GEZ, Verträge mit Telefonunternehmen oder Energieversorger hinzu. Stark im Kommen sind die so genannten Fingerabdrücke, die zur Erinnerung in Schmuckstücke wie (Ehe)-Ringe oder Ketten eingearbeitet werden. Klaus Kintrup: »Wir stehen für eine Rundumbetreuung.«

2006 wurde das »Haus des Abschieds« eröffnet

Als Alleinstellungsmerkmal und Meilenstein für Unternehmen und Trauernde wurde 2006 das »Haus des Abschieds« eröffnet. Seit nunmehr 13 Jahren können Familienangehörige, Freunde und Bekannte mittels ausgehändigter Schlüsselkarten 24 Stunden am Tag in separaten Räumlichkeiten in dem 120 Quadratmeter großen Bau ungestört Abschied nehmen.

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