Zweieinhalb Stunden: Westfalia Big Band begeistert im Theater
Wie die Zeit vergeht

Gütersloh (WB). Zweieinhalb Stunden Show vom Feinsten gefällig? Ein Garant dafür ist seit vielen Jahren die Westfalia Big Band aus Verl, und die Truppe um ihren exaltierten Chef Hans-Josef Piepenbrock erfüllt auch bei ihren zwei Gastspielen im Gütersloher Theater alle hochgesteckten Erwartungen. Zweimal gibt es im ausverkauften Saal eine musikalische Revue rund um Berlin.

Montag, 01.04.2019, 11:00 Uhr
Ein Berlin-Medley darf nicht fehlen: (von links) Susan Bremer, Frank Behrens, Hans-Josef Piepenbrock und Philipp Lang. Foto: Stefan Lind

Natürlich dreht sich nicht jedes Stück des Repertoires inhaltlich um die deutsche Hauptstadt, aber der Name taucht immer wieder auf. Es gibt Klassiker wie »Ich hab so Heimweh nach dem Kurfürstendamm« oder »Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen«, untergebracht in einem ausführlichen Medley, aber Piepenbrock scheut sich auch nicht, abseits des Mainstreams nach guter Musik Ausschau zu halten. So präsentiert er mit seiner Band »Berlin bei Nacht«, den vierten Satz aus Oliver Nelsons 1971 entstandener »Berlin Suite«. Und weil die Stadt bekanntlich früher geteilt war, gibt’s eine Erinnerung an Pop und Jazz aus der früheren DDR in Form von Uschi Brünings »Komm in die Stadt« aus dem Jahr 1977, an diesem Abend vortrefflich gesungen von Susan Bremer.

Die Tina-Turner-Perücke erinnert eher an Karneval

Sie tut sich mit dieser gefühlvollen Interpretation einen größeren Gefallen als bei ihrem Auftritt mit Tina-Turner-Hits, bei dem sie zwar stimmlich überzeugt, mit ihrer Perücke sieht sie allerdings eher wie eine Karikatur der Soul-Sängerin aus. Apropos Verkleidung: Die unvermeidlichen Blues Brothers dürfen nicht fehlen, die bringen richtig Stimmung in den Saal. Aber am besten sind die anderen beiden Sänger, wenn sie einfach nur mit großer Begeisterung loslegen. Philipp Lang hat unter anderem den Kracher »Mack The Knife« in der Version von Bobby Darin im Gepäck (Robbie Williams hat das Arrangement später deckungsgleich übernommen), und Frank Behrens ist so lässig-souverän bei seinen Sinatra-Interpretationen »My Way« oder »New York, New York«, dass man ihm stundenlang zuhören möchte. Einen Überraschungsauftritt hat Miriam Köpke, seit Februar neue Leiterin der Kreismusikschule. Die erfahrene Musicaldarstellerin wird von Hans-Josef Piepenbrock auf die Bühne geholt und singt »Somewhere« sowie »Cabaret«.

Den Applaus hat sich die Big Band redlich verdient

Noch ein Wort zur Band: Die Musiker, die während des Konzertes allesamt auch solistisch in Erscheinung treten, arbeiten sich sicher und mit großer Spielfreude durch alle möglichen Genres, sie sind bei Reinhard Meys »Über den Wolken« ebenso überzeugend wie bei Phil Collins’ »Against All Odds«. Und natürlich haben sie die Big-Band-Klassiker drauf: »Trumpet Blues & Cantabile«, »Chattanooga Choo Choo« (leider, leider ohne die Gesangseinlagen des Originals) oder der »St. Louis Blues«. Dass das Publikum am Ende stehend applaudiert, hat sich die Westfalia Big Band redlich verdient, und ihr Chef verspricht: »Gütersloh, wir kommen wieder.«

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