Landrat Sven-Georg Adenauer trauert um die kürzlich verstorbene Elisabeth Werhahn
Krimi-Tipps von der Lieblingstante

Gütersloh (WB). Einmal im Jahr, stets zur Weihnachtszeit, trifft sich die Familie Adenauer (fast) komplett im Rhöndorfer Haus des früheren Bundeskanzlers. »Das mussten wir unserem Großvater auf seinem Sterbebett versprechen«, erinnert sich Sven-Georg Adenauer, Landrat des Kreises Gütersloh.

Montag, 01.04.2019, 08:16 Uhr aktualisiert: 01.04.2019, 08:32 Uhr
Im Oktober feiert Sven-Georg Adenauer seinen 60. Geburtstag und zudem sein 20. Jahr als Landrat. Foto: Uwe Caspar

2018 war die Gütersloher Familie von Konrads Adenauers Enkel Sven-Georg an der Reihe, die traditionelle Zusammenkunft zu organisieren. »Das ist immer eine Heidenarbeit, schließlich feiern wir stets mit 70 bis 80 Personen«, sagt der Wahl-Ostwestfale (59), der viele Onkel und Tanten hat. Besonders nahe stand er seiner Anfang Februar, im gesegneten Alter von 90 Jahren verstorbenen Tante Elisabeth »Libet« Werhahn-Adenauer, die jüngste Tochter des ersten Kanzlers der Nachkriegszeit. »Sie war großzügig und warmherzig. Wenngleich ich nicht ihr Patenkind war, hat sie bei familiären Treffen auch mir etwas zugesteckt«, erzählt der Gütersloher Politiker.

Der Landrat denkt gerne an Tante »Libet«

2018 fand das Familien-Meeting erstmals ohne Tante »Libet« statt. Es ging der betagten Damen schon damals nicht mehr gut, nur sechs Wochen später starb sie. Sven Georg Adenauer konnte zu seinem Bedauern wegen eines wichtigen Termins an der Beerdigung von Elisabeth Werhahn-Adenauer nicht teilnehmen – er wird immer gern an die Begegnungen mit ihr denken. »Wir Kinder flogen geradezu auf unsere geliebte Tante Libet. Sie hat uns wunderbare, erdachte Geschichten aus dem Stegreif erzählt, dafür brauchte sie nur drei, vier Stichworte. Unvergesslich bleibt mir ihre Story von den zwei ausgemusterten Autos, die sich auf dem Schrottplatz unterhalten«. blickt der Landrat schmunzelnd in die 60er-Jahre zurück.

Dann drückt Sven-Georg Adenauer auf den Knopf seines Handys, um dem Reporter einen von seinem Bruder Andreas gesendete Anekdote vorzuspielen. Natürlich geht’s um Tante Libet, die sich von ererbtem Geld einen VW-Käfer zulegen wollte. Ihr knausriger Schwiegervater fand das »ungeheuerlich«, Elisabeths Vater begrüßte dagegen den beabsichtigten Autokauf. »Dat is doch jutt, dann kann die Libet mich alten Mann öfter besuchen«, gab Konrad Adenauer zu bedenken.

Früher Einfluss der Tante

Sein Schwiegersohn gab nach – mit einer Einschränkung: »Soll sie sich den Wagen holen. Aber wenn du stirbst, Konrad, muss sie ihn wieder abgeben.« Diese amüsante Anekdote fand bei auch der Beerdigungsfeier Erwähnung in der Rede des Pastors.

Dass Sven-Georg Adenauer, dessen Mutter eine gebürtige Schwedin ist, gerne Kriminalromane liest – zu seinen Lieblingsautoren zählt Henning Mankell – geht nicht zuletzt auf den früheren Einfluss seiner Tante zurück. Der Landrat: »Sie gab mir eine Liste von Krimis, die sie gut fand.« Auch sein prominenter Großvater schätzte Thriller, die der Ex-Kanzler allerdings mitunter recht kritisch bewertete. Sein Enkel: »Logische Fehler des Autors hat er in dem betreffenden Buch sofort schriftlich angemerkt.«

Auch die letzte Reise seines Opas durfte er begleiten

Sven-Georg Adenauer war auch bei der letzten Reise seines Opas dabei: Der seinerzeit Siebenjährige durfte mit auf das Schiff, das den Sarg mit dem Verstorbenen nach Rhöndorf transportierte: »Tausende standen am Ufer den Rheins, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.« Doch bis dahin konnte der kleine Sven-Georg die Berühmtheit seines Großvaters noch nicht einschätzen. »Dass er ein besonderer Mensch war, wurde mir erst richtig bewusst nach einer Gedenkminute für ihn vor Unterrichtsbeginn in meiner Klasse.«

Politische Karriere, wenngleich in einer niedrigeren Liga, hat auch der Enkel des »Alten« gemacht. Er sei der einzige aus dem großen Familien-Clan, der »keinen anständigen Beruf ergriffen hat«, scherzt Sven-Georg Adenauer, für den 2019 ein besonderes Jahr ist: Im Oktober feiert er seinen 60. Geburtstag und zudem sein 20. Jahr als Landrat. 2020 sind wieder Kommunalwahlen. Für den »Titelverteidiger« steht jetzt schon fest: »Ich trete wieder an!« Darüber hätte sich bestimmt auch seine Lieblingstante Elisabeth gefreut.

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