Wanderausstellung »Echte Körper« ist vier Tage lang in der Stadthalle zu sehen
Aus Toten werden Exponate

Gütersloh (WB). Für genau vier Tage wird der kleine Saal der Stadthalle zum Todes-Showroom. 200 plastinierte Leichen sind dort zu sehen – teilweise in Scheibchen geschnitten, manchmal auch als ganzer menschlicher Körper.

Freitag, 08.03.2019, 08:00 Uhr
»Echte Körper – Von Toten lernen« lautet der Titel der Ausstellung in der Stadthalle. Grundlage sind Exponate, bestehend aus konservierten menschlichen Körpern, Organen und Moulagen.

Die Ausstellung »Echte Körper – Von Toten lernen« ist eine Wanderausstellung – drei Mal zieht sie im Monat um und wird Neugierigen in anderen Städten präsentiert. Harald Sperlich ist der Veranstalter, der aber in Gütersloh nicht auftauchte. Sein technischer Veranstaltungsleiter, Thomas Müller, sorgte dafür, dass jede Leiche ihren Platz bekam. Einen Abend vor der Eröffnung konnten die Plastik-Leichen einziehen.

Nur staunen, nicht anfassen

Die Glasvitrinen, frisch geputzt, umhüllen die Körper und Körperteile, damit die Besucher nur staunen und nicht anfassen. »Unsere anatomische Ausstellung ist zu Lehrzwecken gedacht«, sagt Müller. Es gehe nicht um Effekthascherei, sondern um das Wunderwerk menschlicher Körper, von dem man viel lernen kann, fasst der 54-Jährige zusammen.

 

Jedes Leichenteil ist mit einem Schild versehen, auf dem der lateinische und auch der deutsche Begriff zu lesen ist. »Dann wissen die Kinder sofort, was eine Patella ist, nämlich eine Kniescheibe«, gibt Müller gerne Beispiele. Gut, beim Aufbau wurde aus dem männlichen Hoden kurzzeitig eine Milz – weil das Schild am falschen Platz stand. Doch vor der Eröffnung hat Müller alles kontrolliert und begrüßte drei Stunden nach Einlass die erste Schulklasse.

Leihgabe aus den USA

Die Plastiken sind eine Leihgabe der Firma Corcoran Laboratories aus den USA. »Das ist ein führender amerikanischer Hersteller medizinischer Präparate«, so der Fachmann. Es war der frühere Partner Gunther von Hagens, dem Aussteller der »Körperwelten«. Er hat sich in Amerika niedergelassen und die Leichen plastiniert. Mit ei­nem Unterschied zu »Körperwelten«: Der Kunstaspekt steht nicht im Fokus. Die Leichen sind naturbelassen. Vom Fuß bis zur Brust, über eine Lunge – gesund und als Rauchermodell – ist alles zu sehen, was der Körper bietet.

Die Stadt hatte keine Schwierigkeiten oder Bedenken, die Ausstellung zu genehmigen. »Wir sind lediglich Vermieter der Halle«, sagt Pressesprecherin Susanne Zimmermann. »Alle notwendigen Nachweise sind erbracht«, versichert sie, dass Ordnungsamt und Gesundheitsamt vor Ort waren.

Pfarrer lobt die Ausstellung

Dennoch gehen die Meinungen zu dieser Ausstellung auseinander. In sozialen Netzwerken wird sie heiß diskutiert. Elmar Quante, verantwortlicher Pfarrer für den pastoralen Raum Gütersloh, sieht die Ausstellung kritisch, berichtet aber auch von eigenen positiven Erfahrungen. »Mir war zwar nicht danach, aber ich haben mich darauf eingelassen, mit Erzieherinnen der Kita St. Hedwig einen Ausflug zu den Körperwelten zu machen«, so Quante. »Dort waren abgetriebene Föten unterschiedlicher Entwicklungsgrade zu sehen – das hat die Frauen sehr nachdenklich gemacht«, berichtet er. Damit hätten sie verstanden, weshalb die Kirche Abtreibung verbiete, meint er. »Von daher ist das positiv zu beurteilen«, schließt der Pfarrer ab. Quante: »Zudem darf ich feststellen, dass Anatomie hilft, Krankheiten zu erforschen.«

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