Gütersloh: Neue Flüchtlingsheime sind in der Holzheide das geringste Problem
Kein warmes Wasser vor sechs Uhr

Gütersloh (WB). Die Holzheide ist bereits ein sozialer Brennpunkt. Gut 60 Flüchtlinge leben dort in einer Siedlung mit den Bewohnern städtischer Sozialwohnungen. Jetzt will die Stadt dort weitere 60 Flüchtlinge in zwei weiteren Holzrahmenbauten unterbringen . »Aus sozialer Sicht kein Problem«, sagt Rainer Venhaus vom Immobilienmanagement. Die Mitglieder des Immobilienausschusses glauben ihm das aber nicht.

Samstag, 02.03.2019, 11:00 Uhr
Peter Kaszynski (links) und Axel Jachtmann leben schon seit Jahren in den Sozialwohnungen an der Holzheide. Die gegenüber lebenden Flüchtlinge seien hier kein Problem. Schlimmer seien die Zustände an und in den Häusern. Foto: Carsten Borgmeier

Doch Peter Kaszynski und Axel Jachtmann, die beide dort seit Jahren in städtischen Mietwohnungen leben, stimmen Venhaus zu. Sie unterbrechen kurz die Reparaturarbeiten an einem aufgebockten Auto und blicken hinüber zu den Flüchtlingsheimen: »Die Flüchtlinge? Kein Problem. Das sind ganz ruhige, zurückgezogen lebende Menschen. Wir kommen hier gut miteinander aus.«

Dazu trage sicher die Verteilung in den Holzrahmenbauten bei: »In dem einen leben allein stehende Männer aus Afrika. In dem anderen Familien oder Mütter mit Kindern aus Syrien oder anderen Ländern.« Es gebe mal Streit untereinander, aber was Schlimmes sei noch nie passiert. »Die Kinder gehen zur Schule, einige Eltern haben sogar einen Job. Und alle können überraschend gut Deutsch.« Das habe Axel Jachtmann an der Ausgabestelle der Gütersloher Tafel festgestellt, bei der er aushelfe.

Shishas lösen Rauchmelder aus

Gut, ganz zu Anfang habe die Feuerwehr öfters ausrücken müssen. Mehrmals am Tag, in Mannschaftsstärke: »Die rauchten Shishas. Der Rauch löste immer wieder Feuermelder aus.« Aber sonst sei nichts weiter. Das liege aber auch am Hausmeister, dem Willy. Der habe die Lage in den beiden Rahmenbauten gut im Blick.

Problematischer seien die ständige Einbrüche und Diebstähle in der Siedlung. Der Täter sei dabei schon so oft erwischt worden, dass die Leute seinen Vornamen kennen. Doch seine Familie stelle sich schützend vor ihn. Also halte man sich diese Nachbarn vom Hals und rufe die Polizei. Deren Blaulicht wird von einer Putzfassade reflektiert, nicht von einem Holzrahmen.

Keine Thermostate mehr

Das größte Problem in der Holzheide seien nicht die Flüchtlinge sondern die Zustände der städtischen Mietshäuser. Treppen bröckelten ab, Fenster ließen sich nicht mehr schließen, in Kaszynskis Wohnung gebe es vor sechs Uhr Morgens kein warmes Wasser: »Ich trage Zeitungen aus und muss früh raus. Ein Horror. Und das seit Jahren.« In Jachtmanns Wohnung hätten die Heizungen keine Thermostate mehr. Vor dem Haus hinterließen Ratten, die aus dem porösen Regenwasserkanal kröchen, riesige Löcher in den Vorgärten. Die Sozialarbeiterin der Stadt habe eine Mitbewohnerin einmal aufgefordert, alle Mängel aufzulisten. Drei eng beschriebene Seiten seien dabei entstanden. Und die lägen jetzt seit drei, vier Jahren bei der Stadt. Seit die Häuser neu verputzt worden seien, sei hier nichts mehr passiert, schätzt Jachtmann. Damals sei er fünf oder sechs Jahre alt gewesen.

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