Gütersloh: Trotz anderslautender Versprechungen liegen Bäume jetzt am Boden
Eichen fallen am frühen Morgen

Gütersloh (WB). Den hundertjährigen Eichen am Kuckucksweg passiert nichts. So lautete die Auskunft von Stadt und Bauherren, als Gisela und Eckhard Sadowski im Sommer 2018 auf die Gefährdung der auf einem Baugrund stehenden Bäume hinwiesen. Jetzt liegen fünf dieser Eichen am Boden.

Freitag, 01.03.2019, 08:15 Uhr aktualisiert: 01.03.2019, 09:44 Uhr
Gisela Sadowski blickt auf Stämme und Stümpfe von fünf hundertjährigen Eichen, die bis vor kurzem noch an der Ecke Kuckucks- und Rotkehlchenweg in Friedrichsdorf standen. Die Anwohner hätten sie als Naturdenkmäler empfunden. Foto: Stephan Rechlin

Sie sind am vergangenen frühen Montag-Morgen gefällt worden. Gisela Sadowski: »Unsere Schränke zitterten und das Geschirr darin klapperte, als die Stämme zu Boden fielen.«

Genau das war im Sommer 2018 ausdrücklich ausgeschlossen worden. Die Eichen mit einem Stammumfang von 100 Zentimetern waren durch die Gütersloher Baumschutzsatzung geschützt. Danach ist es untersagt, solche Bäume zu fällen, zu entfernen oder zu schädigen, sie wesentlich zu verändern oder ihr weiteres Wachstum zu beeinträchtigen. Als Bagger den Bäumen immer näher rückten, alarmierten die Sadowskis und weitere Anwohner das Grünflächenamt der Stadt. Das bestätigte zum einen den Bestandsschutz und teilte zum anderen mit, dass im Zusammenhang mit dem aktuellen Baugeschehen keine Schäden erkennbar seien. Schäden an drei Bäumen könnten auf die Trockenheit zurückzuführen sein oder an deren Standort direkt im Pflaster.

Enge Abstimmung mit Grünflächenamt

Architekt Kai Beckman, der Bauherr am Kuckucksweg, bestätigte den Neubau weiterer Häuser, aber nicht im Bereich der Bäume. Das weitere Vorgehen halte sich an die Parzellierungen im Bebauungsplan und sei mit dem Grünflächenamt abgestimmt.

Nach der Fällaktion vom Montag fallen die Stellungnahmen plötzlich anders aus. Dem Architekturbüro Beckmann zufolge seien vier der fünf Eichen »kaputt« gewesen. Ein Gutachter habe bestätigt, dass diese Bäume nicht mehr tragfähig gewesen seien. Im Bebauungsplan aus den achtziger Jahren gelte die Fläche als Bauland. Die Eichen hätten für die Versorgungsleitungen der Häuser im Weg gestanden. In diesem Fall sei nichts zu machen gewesen.

Und das Grünflächenamt? Das bestätigt das juristisch einwandfreie Vorgehen des Bauherren. Das auf dem Gelände geltende Baurecht sei höher einzustufen als die Baumschutzsatzung.

Überraschende Wende

Mit dieser überraschenden Wende finden sich die Sadowskis nicht einfach so ab: »Juristisch korrekt ist in einer Stunde gefallen, was in 100 Jahren gewachsen ist.« Wochenlang sei in der Baustelle das Wasser abgepumpt worden, jetzt stelle der Architekt auf einmal fest, dass die Eichen »kaputt« seien und den Versorgungsleitungen im Wege stünden: »Hatte er im letzten Jahr noch keinen Plan, wo dieser Neubau stehen und wie er an die Leitungen angeschlossen werden sollte?« Und habe die Stadt nicht absehen können, dass bei dieser Grundstücksaufteilung und Baureihenfolge solche Probleme zwingend entstehen würden? In einem Brief fordern die Sadowskis die Ratsfraktionen auf, sich wenigstens für den Erhalt der verbliebenen Bäume einzusetzen.

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