Raubmord-Prozess Westerwiehe: Angeklagter Artur T. bricht sein Schweigen
»Ich habe nicht mitgemacht«

Gütersloh/Rietberg (WB). Im Prozess um den Raubmord in Westerwiehe hat am Mittwoch nach 35 Verhandlungstagen einer der beiden Angeklagten sein Schweigen gebrochen.

Mittwoch, 27.02.2019, 19:01 Uhr aktualisiert: 27.02.2019, 19:04 Uhr
Auf einem Bauernhof in Rietberg-Westerwiehe hat sich die Bluttat am 3. November 2015 ereignet. Foto: Wolfgang Wotke

Artur T., der beim Überfall auf ein Brüderpaar am 3. November 2015 das Fluchtfahrzeug gesteuert haben soll, versuchte dem Gericht zu erklären, dass er an diesem Tag seinen Audi an einen Landsmann verliehen hatte. »Ich schwöre, ich war nicht dabei«, jammerte er unter Tränen.

Erstmals ließ er nicht nur seine beiden Verteidiger reden, sondern ergriff selbst das Wort. »Manchmal ergibt sich eben auch ein Mehr als ein Weniger«, kommentierte Anwalt Matthias Doehring aus Hannover. Dann schilderte sein Mandant, wo er am Tattag wirklich gewesen sei. »Gegen 18.40 Uhr bin ich mit meinem Auto und einem Freund zu einem Bekannten gefahren. Dort wollte ich mehrere Stangen Zigaretten kaufen. Danach sollte ich mit Piotr L., der mir noch 1700 Euro schuldete, nach Rietberg fahren, um einen Satz Felgen anzuschauen, die er später mit seinen Kumpanen stehlen wollte, um so seine Verbindlichkeit bei mir zu tilgen.«

Weinkrämpfe unterbrechen die Aussage

Es sei jedoch schon zu dunkel gewesen, und man sei dann zurück zu seiner Scheune nach Gütersloh gefahren. Am Abend gegen 22 Uhr sei er dann zuhause bei seiner Partnerin gewesen, die das auch im Verlauf der Verhandlung bestätigt habe. Sein Audi, der damals inzwischen heimlich von der Polizei mit einem GPS-Sender ausgerüstet worden war (anhand dieser ausgewerteten Bewegungsdaten ist die Kripo schließlich auf die Spur der mutmaßlichen Täter gekommen), sei weg gewesen.

Erst am nächsten Morgen habe man ihm den Wagen zurückgebracht. »Was in der Zwischenzeit passiert ist, habe ich erst später erfahren.« Bei dem brutalen Überfall war einer der Geschwister, Heinz S. (64), getötet worden. Immer wieder musste Artur T., der sichtlich angeschlagen war, seine Einlassung unterbrechen. Weinkrämpfe verhinderten eine zusammenhängende Aussagestruktur.

»Ich hörte, dass dort etwas zu holen sei«

Der Angeklagte gab zu, dass er von den Plänen, ein Brüderpaar auf ihrem Bauernhof zu überfallen, schon im Sommer 2015 über Dritte erfahren habe. »Ich hörte, dass dort etwas zu holen sei. Aber ich habe nicht mitgemacht, glauben Sie mir!« Auch einige Zeugenaussagen stellte er in Frage. Manche hätten schlichtweg gelogen.

Artur T. will weiter reden. Doch am Dienstag fühlte er sich dazu nicht mehr imstande. »Ich habe in der vergangenen Nacht keine Minute geschlafen. Ich bin zu aufgeregt. Mir geht es schlecht.« Am nächsten Prozesstag, am Freitag, 8. März, will er sich erneut einlassen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6426137?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Neuer Erlass für Spiele ohne Fans
Arminia Bielefeld musste Mitte Oktober wegen hoher Coronazahlen in der Stadt das Spiel gegen Bayern München ohne Fans austragen – andere Bundesligisten in NRW spielten noch vor 300 Fans. Die Einhaltung der Regelung in der Coronaschutzverordnung soll nun ein Erlass des Gesundheitsministeriums sicherstellen. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker