Gütersloh: Normale Verdiener können sich in drei Kommunen Immobilien leisten
Eigenheime für Lottokönige

Gütersloh (WB). Der Traum vom eigenen Einfamilienhaus ist im Kreis Gütersloh eigentlich nur noch in drei Kommunen realisierbar. Wer weder im Lotto gewonnen noch geerbt hat, baut besser nur noch in Langenberg, Versmold oder Borgholzhausen. Woanders wird es zu teuer.

Freitag, 08.02.2019, 11:15 Uhr aktualisiert: 08.02.2019, 11:20 Uhr
Peter Oesterhelweg (links) und Ludger Kaup vom Maklerverein im Kreis Gütersloh halten den Traum vom eigenen, frei stehenden Einfamilienhaus nur noch in drei Kommunen des Kreises für normale Verdiener für realisierbar. Foto: Stephan Rechlin

Vor allem in Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück und Verl gibt es mangels Bauplätzen so gut wie keine bezahlbaren Neubauten mehr. Die hohen Preise schlagen dort auch auf gebrauchte Wohnhäuser durch. Das frei stehende, gebrauchte Einfamilienhaus kostet in den guten Wohnlagen dieser Städte zwischen 260.000 und 435.000 Euro. In weniger guten Wohnlagen sind es immer noch zwischen 200.000 und 260.000 Euro. Der auf 40 Mitglieder angewachsene Maklerverein für den Kreis Gütersloh listet in seinem 28. Immobilienpreisspiegel auch die Preise für Mehrfamilienhäuser auf. Doch das seien eher Phantomdaten. Vorstand Ludger Kaup: »Der Markt existiert praktisch nicht. Wer so ein Mehrfamilienhaus besitzt, verkauft es nicht, weil mit den Mieten immer noch mehr zu verdienen ist als mit den Zinsen auf einem Bankkonto.«

Gebrauchte Eigentumswohnungen

Die hohen Neubaukosten schlagen dem Maklerverein zufolge auch auf den Markt für gebrauchte Eigentumswohnungen durch. Je nach Lage und Größe des Objektes und der jeweiligen Kommune seien zwischen 560 (Langenberg) und 2250 (Gütersloh) Euro je Quadratmeter zu zahlen. Immerhin: Durch die niedrigen Zinsen seien die Raten für aufgenommene Kredite inzwischen günstiger als die Mieten, die sonst für solche Wohnungen zu zahlen seien.

Der Mietwohnungsmarkt im Kreis Gütersloh sei überwiegend ausgeglichen, vor allem in Gütersloh fehlten nach wie vor kleine, preiswerte Wohnungen in der Innenstadt. Die Forderungen danach stehen Kaup zufolge in einem Kontrast zu immer höheren Standards bei der Entwicklung von Bauland, den Baugenehmigungen und der Bauausführung. Die von der Landesregierung bis Ende 2019 ermöglichte, leichtere Ausweisung von Bauplätzen in Außenbezirken, in denen es bisher nicht erlaubt worden sei, werde in Gütersloh nur unzureichend genutzt. Kaup: »Die in der Flüchtlingskrise von allen Zwängen enthemmte Baugenehmigungspraxis ist inzwischen einer Angst vor Protesten aus der Nachbarschaft gewichen. Jetzt wird alles mögliche mit Bebauungsplänen überzogen und damit erst einmal blockiert.«

Sonderabschreibungen

Im vergangenen Dezember sollte der Bundestag über Sonderabschreibungsmöglichkeiten für Bauherren beraten, die sozialen Wohnraum schaffen. Vereinsvorstand Peter Oesterhelweg: »Der Punkt verschwand von der Tagesordnung und wurde seitdem nicht mehr gesehen.« Statt dessen schreckten höhere Grunderwerbssteuern, Bauauflagen zu Energiestandards, Barrierefreiheit und Gestaltung sowie die Mietpreisbremse und politische Preise in den Mietspiegeln mögliche Investoren ab: »Die Beschlüsse weisen in die falsche Richtung.«

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