Gütersloh: Staatsanwalt stellt keine Schuld am Tod eines Zahnarzt-Patienten fest
Narkoseärztin zahlt Geldauflage

Gütersloh (WB). Gut fünf Jahre lang hat die Staatsanwaltschaft Bielefeld den Tod eines 49 Jahre alten Patienten während der Behandlung bei einem Zahnarzt in Isselhorst untersucht. Gegen Zahlung einer Geldauflage sind die Ermittlungen gegen eine Bielefelder Narkoseärztin jetzt eingestellt worden.

Freitag, 08.02.2019, 07:00 Uhr
Im April 2014 ist ein 49 Jahre alter Patient in einer Isselhorster Zahnarztpraxis ums Leben gekommen. Die Ermittlungen gegen die damals eingesetzte Narkoseärztin aus Bielefeld dauerten fünf Jahre. Sie sind jetzt gegen eine Geldauflage eingestellt worden. Foto: dpa

In insgesamt drei Gutachten wurde dem Verdacht nachgespürt, ob Fehler bei der Narkose die plötzlichen Komplikationen während der Behandlung im April 2014 ausgelöst haben könnten. Diese Vermutung hatte unter anderem Prof. Jürgen Stoffregen geäußert, langjähriger Chefarzt des Zentralinstituts für Anästhesie und Intensivbehandlung in Hagen sowie Gutachter in zahlreichen Gerichtsprozessen. Das statistische Risiko einer Narkose in ambulanten Operationen tendiere gegen Null falls nicht gravierende Fehler passierten. Zu solchen Fehlern zählt Stoffregen unter anderem Schludrigkeit, den Einsatz unqualifizierten Personals und antiquierter Technik, alles meist aus ökonomischen Gründen.

Fehlverhalten nicht erkennbar

Auf Anfrage stellt die Staatsanwaltschaft fest: »Im Rahmen der Begutachtung konnte letztlich nicht eindeutig festgestellt werden, dass ein Fehlverhalten der Narkoseärztin den Tod des Patienten verursacht hat, so dass das Verfahren mit Zustimmung des Amtsgerichts gegen eine Geldauflage eingestellt wurde.« Über dieses Ergebnis sei auch ein von der betroffenen Familie eingeschalteter Rechtsanwalt informiert worden. Rechtsmittel könne er dagegen jedoch nicht einlegen.

Ein Maßstab des Gutachtens dürfte die »Vereinbarung zur Qualitätssicherung ambulante Anästhesie« des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten, der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin und des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen gewesen sein. Zu dieser seit 2006 gültigen Vereinbarung sahen sich die Verbände gezwungen, da die Zahl ambulanter operativer Eingriffe seit Einführung von Fallpauschalen in deutschen Krankenhäusern erheblich zugenommen hatte. Dabei stellen Vollnarkosen in Zahnarztpraxen eher eine Ausnahme dar – sie müssen in der Regel privat bezahlt werden, falls kein medizinischer Grund festgestellt wird, der so eine Narkose zwingend erfordert.

Speziell eingearbeitetes Assistenzpersonal

In der Vereinbarung werden all’ jene Sicherheitsmaßnahmen, die OP-Patienten bereits aus Krankenhäusern kennen, auf ambulante Eingriffe übertragen und verschärft. Der Patient muss zu möglichen Vorerkrankungen und Allergien befragt werden, er ist über die Risiken und über sein Ess- und Trinkverhalten nach dem Eingriff zu informieren. Einer der wichtigsten Punkte lautet: »Es ist speziell eingearbeitetes Assistenzpersonal mit ausreichender Qualifikation in ausreichender Zahl erforderlich.« Das gilt vor allem für eine Präsenz im Aufwachraum. Die Sicherstellung der Notfallversorgung erfordert der Vereinbarung zufolge unter anderem einen Organisationsplan für Notfälle/Anästhesiezwischenfälle und regelmäßige, hausinterne Fortbildungen im Notfallmanagement.

Für die Gütersloher Zahnärztin Dr. Georga Weiß, Vorsitzende der Bezirksstelle Gütersloh der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe, zeigte der Fall, dass es stets ein Restrisiko bei solchen Behandlungen gebe: »Komplikationen sind selten, aber sie sind da.«

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