Bundesgesundheitsminister fördert Forschungsprojekte am LWL-Klinikum Gütersloh
Demenz-Koordinator hilft dem Hausarzt

Gütersloh (WB). Das LWL-Klinikum Gütersloh prüft in einem landesweiten Pilotprojekt, wie Kindern von psychisch kranken Eltern besser geholfen werden kann. Prof. Dr. Thomas Kronmüller, Ärztlicher Direktor des Klinikums, beziffert die Zahl davon betroffener Kinder allein im Kreis Gütersloh auf 24.000.

Donnerstag, 07.02.2019, 11:15 Uhr aktualisiert: 07.02.2019, 11:20 Uhr
Prof. Dr. Michael Schultz (links) und Prof. Dr. Michael Loehr erproben in der Stabsstelle Klinik und Forschung des LWL-Klinikums neue, wissenschaftlich fundierte Therapieansätze. Foto: Stephan Rechlin

In Therapieansätzen, die vor allem Eltern gelten, sei diese Zielgruppe bisher aus dem Blickwinkel geraten, räumte Prof. Kronmüller gegenüber der Presse ein: »Dabei leiden sie indirekt ebenso unter der psychischen Erkrankung wie ihre Eltern.«

Das Projekt wird aus dem Innovationsfonds des Bundes-Gesundheitsministeriums finanziert, das noch ein weiteres Vorhaben im Gütersloher Klinikum angesiedelt hat. So soll hier untersucht werden, inwiefern die im Zentrum für Altersmedizin entwickelten Strategien im Umgang mit demenzkranken Menschen zur Stabilisierung der ambulanten Pflege in Familien übertragen werden können. Beide Forschungsprojekte werden von zwei neuen Professoren vorangetrieben, die seit Oktober vergangenen Jahres mit jeweils einer Dreiviertelstelle für das LWL-Klinikum in Gütersloh tätig sind. Prof. Dr. Michael Schultz und Prof. Dr. Michael Loehr sehen hier die Chance, ihre an Universitäten und Hochschulen entwickelten Lehrinhalte lebensnahen Praxistests zu unterziehen; die verbleibenden Viertelanteile ihrer Stellen setzen sie in der Ausbildung an vier vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) betriebenen Akademien ein.

Demenz im Akutkrankenhaus

Beispiel Demenz: Prof. Loehr möchte prüfen, inwieweit Hausärzte durch die Kooperation mit einem Demenzkoordinator in der Behandlung ihrer Patienten unterstützt werden können. Am Städtischen Klinikum Gütersloh setzt der LWL bereits seit drei Jahren so einen Koordinator ein. Gemeinsam mit ihm wurde inzwischen ein 13 Kapitel umfassendes Buch fertiggestellt, in dem Musterbeispiele aufgeführt sind, wie Krankenhäuser besser als bisher mit demenzkranken Patienten auf ihren Stationen umgehen können. Loehr: »Derzeit sind die meisten Kliniken in Deutschland allein wegen des Personalschlüssels ihrer Pflegekräfte mit dieser Aufgabe überfordert.« Aus internationalen Vergleichen seien Rezepte gewonnen worden, wie mit der Situation zumindest etwas besser zurechtzukommen sei. Die beiden Projekte und die beiden neuen Professoren dienen Pflegedirektorin Rita Elpers zufolge auch dazu, dem Fachkräftemangel am LWL-Klinikum zu begegnen: »Wir suchen dringend Pflegekräfte. Der Vorteil in der Psychiatrie ist die Möglichkeit, hier länger als in Akutkrankenhäusern mit den Patienten arbeiten, eine Beziehung zu ihnen aufbauen zu können.«

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