Schauspielerin Andrea Sawatzki liest in der Weberei
Derbe Worte gegen Sexismus

Gütersloh (WB). Im Kampf gegen Sexismus und Rassismus darf’s auch vulgär werden. Dieser Auffassung ist jedenfalls die Schauspielerin Andrea Sawatzki. Bei einer Lesung in der Weberei ging es zum Teil derbe zu.

Dienstag, 05.02.2019, 11:00 Uhr
Die Schauspielerin Andrea Sawatzki war am Samstag in der Weberei zu Gast, um im Rahmen der Veranstaltung „Sie hat das Wort“aus verschiedenen Short Stories vorzulesen. Foto: Gabriele Grund

Es gab Zeiten, in denen waren Männer Männer und Frauen Frauen. Punkt. Doch was ist heute in der Geschlechterrolle noch normal? Müssen alte Normen aufgrund von Uneindeutigkeiten in der Geschlechtszugehörigkeit infrage gestellt und scheinbar Selbstverständliches neu verhandelt werden? Auslöser dafür ist maßgeblich die »MeToo«-Debatte, die die etabliert-antiquierte Ansicht »Männer sind nun mal so« anprangert.

Um eine Auseinandersetzung mit der Gleichberechtigung von Männern und Frauen und gesellschaftliche Umbrüche in der Literatur ging es am Samstagabend bei »Sie hat das Wort«, einer literarischen Lesung mit Musik in der Weberei.

Unterschiedliche Kulturen

Auf Einladung des Literaturbüros OWL präsentierten die Schauspielerin Andrea Sawatzki und Tom Jacobs rund 200 Besuchern interessante Kurzgeschichten der Schriftstellerinnen Helene Hegemann, Alice Munro und Chimamanda Ngozi Adichie, die in ihren Erzählungen Frauen zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen Kulturen zu Wort kommen lassen.

Das Cello kratzt

Umrahmt wurden die Lesungen durch gefühlvolle Improvisationen von Elisabeth Coudoux am Cello. Sie brachte durch ihren musikalischen, keinesfalls auf Schönklang ausgerichteten Expressionismus, der von filigranem bis schnellem Schnarren, Kratzen und Quietschen geprägten Stegreif-Improvisationen erfüllt war, motivischen Dialoge zum Ausdruck. Die 34-Jährige, die Violoncello an der Dresdner Musikhochschule und Jazzcello an der Kölner Hochschule für Musik und Tanz studiert hat, frönt einer vielschichtigen Konzerttätigkeit und ist als Cellistin an Theater-Produktionen aktiv.

Betont vulgäre Sprache

Stehenbleiben, Richtungswechsel, Erfahrungen und jede Menge überraschende Wendungen prägten die teils biografischen Erzählungen aus der Gegenwartsliteratur, wie beispielsweise von der bekannten Autorin Helene Hegemann und ihrer Short-Story »The day I fucked her husband at the lake«. Dabei erzählte Andrea Sawatzki, in bewusst von der Autorin gewählten derben und ungeschönten Vulgärausdrücken von einer jungen Frau, die einen »One Day Stand« mit dem Ehemann ihrer besten Freundin hatte.

Tom Jacobs las nachfolgend aus »Jungen und Mädchen« der kanadischen Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro. Es ist die Erzählung eines jungen Mädchens, das mit ihren Eltern auf einer Silberfuchsfarm in Kanada lebt. Die Veranstaltung gipfelte zum Ende in einer gemeinschaftlichen Lesung von Andrea Sawatzki und Tom Jacobs. Dabei tauchten sie mit den Zuhörern in die Erzählung »Jumping Monkey Hill« der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie ein. Im Mittelpunkt steht die junge nigerianische Schriftstellerin Ujunwa, die von dem Veranstalter eines Schreibworkshops sexuell missbraucht wird. Im weiteren Verlauf werden Selbstwertgefühle, Sexismus und Rassismus thematisiert.

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