Gütersloh: Apotheken wollen mit »Secupharm« gefälschte Arzneien besser erkennen
Pille muss durch den Schutzfilter

Gütersloh (WB). Der Handel mit gefälschten Medikamenten verschafft höhere Margen als der mit harten Drogen. Mit dem digitalen Fälschungsschutz-System »Secupharm« versuchen Apotheken, sich dagegen zu wappnen. Patienten sollten schon einmal Wartezeit einplanen.

Samstag, 02.02.2019, 07:00 Uhr
Bevor Christine Dirksen in der Adler-Apotheke am Klinikum die Arznei an einen Patienten herausgibt, muss sie künftig erst den QR-Code auf der Schachtel einscannen. Damit wird die Echtheit des Medikamentes in einer Datenbank abgeglichen. Foto: Stephan Rechlin

Sobald Christine Dirksen in der Adler-Apotheke am Klinikum vom kommenden Samstag an ein verschreibungspflichtiges Medikament herausgeben möchte, prüft sie erst einmal, ob es noch verschlossen und verklebt ist. Anschließend hält sie es unter einen Scanner an der Kasse und wartet auf einen grünen Haken.

Auf jeder verschreibungspflichtigen Arzneimittelpackung muss vom 9. Februar an ein QR-Code (2D-Data-Matrix-Code) gedruckt sein, in dem eine weltweit eindeutige Pharmacy Product Number (PPN), die Chargenbezeichnung, das Verfallsdatum und eine Seriennummer verschlüsselt sind, die für jede einzelne Packung generiert wird. Der Hersteller dieses Arzneimittels muss diese Angaben in einer Datenbank hinterlegen. Mit ihrem Scanner steuert Christine Dirksen diese deutschlandweit, für alle Hersteller verpflichtende Datenbank über das Internet an und gleicht die Daten ihrer Packung mit jenen in der Datenbank ab. Sind die Daten dort hinterlegt, taucht auf dem Bildschirm in der Adler-Apotheke das grüne Häkchen auf. Hat der Hersteller diese Daten jedoch nicht hochgeladen oder wurden sie bereits einmal abgerufen, könnte es sich bei dem Arzneimittel um eine Fälschung handeln. Dirksen muss die Packung »in Quarantäne« geben, eine neue anfordern und den Patienten um Geduld bitten.

Holpriger Start

Das könnte gerade in der Startphase häufiger passieren. Peter Isenbort ist Inhaber der Adler-Apotheke am Klinikum: »Die Hersteller haben längst noch nicht alle die Daten ihrer Medikamente hinterlegt. Außerdem werden viele Packungen diesen Code noch gar nicht aufgedruckt haben.«

Zum zweiten Einwand gewährt der Gesetzgeber den Apotheken jedoch eine Ausnahmeregelung: Arzneien in alten Verpackungen dürfen noch bis zum Ende ihres Verfallsdatums verkauft werden und müssen bis dahin nicht das »Securpharm«-Verfahren durchlaufen. Doch Isenbort sieht darüber hinaus weitere Fallstricke.

Importe werden zum Problem

Als »Hersteller« gelten auch Importeure günstig produzierter Medikamente aus dem Ausland. Sie werden hier in die neuen , codierten Schachteln umverpackt, verklebt und in den Großhandel gebracht. Die Apotheken wiederum sind von Krankenkassen angehalten, mindestens fünf Prozent ihrer Umsätze mit Importwaren zu gestalten – sonst droht ihnen einen Malus. Aus Ermittlungsstatistiken aber sei bekannt, dass gerade in diesen Importgeschäften das größte Fälschungsrisiko schlummere. Beispiel Lumapharm: Der brandenburgische Arzneimittelhersteller schleuste Krebsmittel in den deutschen Markt, die aus griechischen Krankenhäusern gestohlen worden waren.

In Ländern wie Griechenland, Italien und Belgien aber muss die europäische Fälschungsschutzrichtlinie erst in fünf (!) Jahren umgesetzt werden. Isenbort: »In deutschen Apotheken liegt der Handel mit gefälschten Medikamenten im Promillebereich. Hier aber wird fortan der höchste Kontrollaufwand betrieben.«

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