Siebte Flucht nach Unfall mit einem Kind innerhalb von zwei Wochen
Polizei fassungslos: »Was ist in unserer Gesellschaft los?«

Gütersloh/Herzebrock-Clarholz (WB/mdel). Und wieder ist ein Teenager bei einem Verkehrsunfall verletzt worden. Und wieder hat der beteiligte Autofahrer einen 14-jährigen Jungen verletzt auf der Straße liegen lassen und ist weitergefahren. »Was ist eigentlich in unserer Gesellschaft los?«, fragt Polizeisprecherin Corinna Koptik. Es klingt fast wie ein Hilferuf.

Freitag, 01.02.2019, 17:39 Uhr aktualisiert: 01.02.2019, 17:47 Uhr
Seit dem 15. Januar zählte die Kreispolizeibehörde Güterloh sieben Fälle, in denen sich Autofahrer nach Unfällen mit Kindern einfach aus dem Staub gemacht haben. Foto: dpa

Seit dem 15. Januar zählte die Kreispolizeibehörde Gütersloh sieben Fälle, in denen sich Autofahrer nach Unfällen mit Kindern einfach aus dem Staub gemacht haben. Der jüngste Fall ereignete sich am Donnerstagmorgen gegen 8 Uhr auf der Straße An der dicken Linde in Clarholz, als ein schwarzer Kombi mit Kennzeichen aus dem Hochsauerlandkreis (HSK) rückwärts aus einer Parkbucht fuhr.

Um einen Zusammenstoß mit dem Auto zu vermeiden, leitete ein 14-jähriger Junge eine Vollbremsung ein – er stürzte und rutschte mit seinem Pedelec mit einem lauten Knall in das Auto hinein. Der Schüler verletzte sich leicht, das Pedelec wurde erheblich beschädigt. Der Sachschaden liegt bei 1000 Euro.

»Wir als Polizei Gütersloh werden entschieden dagegen vorgehen«

Der Fahrer des schwarzen Wagens – ein Mann, der laut Polizei den Unfall bemerkt haben muss – setzte seine Fahrt fort, ohne sich um den verletzten und am Boden liegenden Jungen und den entstandenen Schaden zu kümmern. Der 14-jährige Schüler suchte eigenständig mit seiner Mutter einen Arzt auf. Die Polizei wurde später über die Unfallflucht informiert.

Unfallfluchten mit verletzten Kindern und die Häufung der Fälle stellen für die Polizei eine völlig neue Dimension dar. »Ein angefahrenes und möglicherweise schlimm verletztes Kind ist eben nicht einfach eine Schramme in einem anderen Auto«, so die Polizeisprecherin. Wie weit sei es gekommen, dass Kinder nach Unfällen auf der Straße liegen gelassen werden? Sei es tatsächlich so viel wichtiger, die Höhereinstufung bei der Versicherung einzusparen als einem verletzten Kind Erste Hilfe zu leisten?

»Wir als Polizei Gütersloh werden diese Entwicklung so nicht hinnehmen und werden entschieden dagegen vorgehen«, kündigt die Sprecherin an. Hierfür sei man auf die Bevölkerung angewiesen. Zeugen sollten sich Kennzeichen und Fahrzeugtypen merken oder fotografieren, wenn sich der Verursacher vom Unfallort entferne.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6363313?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Vergewaltigungsvorwürfe: Beschuldigter Arzt nimmt sich das Leben
Der Mann saß in der Untersuchungshaft in der JVA Bielefeld-Brackwede. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker