Das Ehepaar Tönnies und Gütersloher Denkmalschützer wollen Marten erhalten
Symbol aus Ziegelsteinen

Gütersloh (WB). Das neue Inhaberpaar Sarah und Robert Tönnies möchte die hi-storische Substanz der 80 Jahre alten Fleisch- und Wurstwarenfabrik Marten so weit wie möglich erhalten. Das Gütersloher Ortskuratorium der deutschen Stiftung Denkmalschutz rennt darum mit seinem Anliegen offene Türen bei ihnen ein.

Freitag, 01.02.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 01.02.2019, 07:46 Uhr
Für Martin Seidel, Thomas Spooren, Margret Arning und Dietmar Buschmann (von links) vom Ortskuratorium der deutschen Stiftung Denkmalschutz ist die 80 Jahre alte Fleisch- und Wurstwarenfabrik Marten ein Symbol der Industriegeschichte. Foto: Stephan Rechlin

Über ihren Sprecher lässt das Paar ausrichten, dass es von dem lang gezogenen Backsteinriegel entlang der Bismarckstraße begeistert sei. Das Fabrikgebäude gehöre zu Gütersloh und präge den Stadtteil dort in herausragender Weise. Darum würden erhaltenswerte Teile des Komplexes in das dort geplante Wohnquartier so gut wie möglich integriert.

Ihre Begeisterung für die historische Bausubstanz teilen Tönnies mit Margret Arning, Dietmar Buschmann, Martin Seidel und Thomas Spooren. Für die Mitglieder des lokalen Denkmalstiftungs-Kuratoriums genießt Marten denselben industriegeschichtlichen Stellenwert wie die ehemalige Seidenweberei Bartels, wie die Gebäude von Gustav Wolf an der Sundernstraße, die Alte Weberei, der Komplex von Niemöller & Abel an der Verler Straße oder die Bandweberei von Güth & Wolf an der Blessenstätte. Bei einem Rundgang mit der Presse weisen sie auf viele, noch aus dem Baujahr 1939 erhaltene Zeugnisse hin: Originaltüren, Dachfirste, Originalfenster, gusseiserne Kellerabdeckungen. Architekt Thomas Spooren: »Das Gebäude wurde aufwändig, mit extrem werthaltigen Baumaterialien errichtet.« Es diente nicht nur der Produktion, es repräsentierte auch.

Bauteile als Gestaltungselemente

Mit ihrer Initiative möchten die vier Denkmalschützer dazu beitragen, die jetzt geäußerte Begeisterung in ein zwei bis drei Jahre dauerndes Bauplanverfahren einfließen zu lassen. Dietmar Buschmann, ehemaliger Bauordnungsamtsleiter in Gütersloh: »Der teilweise Erhalt der bauhistorischen Substanz muss im Bebauungsplan, in einem Architektenwettbewerb oder einem städtebaulichen Vertrag festgeschrieben werden.« Dabei sei ihnen bewusst, dass nicht alles bewahrt werden könne: »Auf dem Bartels-Gelände wurden ausgesuchte Bauteile der alten Seidenweberei zu Gestaltungselementen des neuen Wohnquartiers aufbereitet. Eine Mauer, der Schornstein, Dachträger, Dachformen. So könnte es hier auch funktionieren.«

Der Metzger und Kolonialwarenhändler Johann Friedrich Marten hatte die Firma 1855 an der Münsterstraße gegründet. Sie siedelte später unter seinen Söhnen Hermann und Fritz an die Bismarckstraße um – damals hieß die Straße noch »Auf’m Venne« . Später ging sie, ebenso wie Vogt & Wolf, in den Besitz der Gebrüder Blankemeyer aus Kaunitz über. In den achtziger Jahren beschäftigten sie rund 750 Mitarbeiter. Deren Zahl war in den vergangenen Jahren auf zuletzt noch 300 Mitarbeiter in beiden Werken geschrumpft.

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