Waschmaschinen-Absatzkrise: Muss polnisches Werk die Hälfte fertigen? Miele-Betriebsrat möchte Arbeitsteilung prüfen lassen

Gütersloh (WB). »Durchblick« gegen »Bullauge«. Welches interne Informationsblatt der Miele-Belegschaft bietet die düstere Prognose zum bevorstehenden Arbeitsplatzabbau im Stammwerk Gütersloh ?

Von Stephan Rechlin
Nach dem Rekordumsatz im vergangenen Geschäftsjahr leidet Miele derzeit unter einem Umsatzrückgang bei den Großgeräten. In der Vergangenheit wurden in solchen Situationen stets flexible Lösungen mit dem Betriebsrat ausgehandelt.
Nach dem Rekordumsatz im vergangenen Geschäftsjahr leidet Miele derzeit unter einem Umsatzrückgang bei den Großgeräten. In der Vergangenheit wurden in solchen Situationen stets flexible Lösungen mit dem Betriebsrat ausgehandelt. Foto: Wolfgang Wotke

Der »Durchblick« ist das Blatt der gewerkschaftlichen Vertrauensleute der IG Metall, das »Bullauge« ist das Organ des Betriebsrates. Beide stellen die aktuellen Absatzprobleme auf dem Markt für Haushaltsgroßgeräte in Bezug zum neuen Produktionswerk in Ksawerów bei Lodz in Polen. Dort sollen von 2020 an zunächst 250.000 Waschmaschinen pro Jahr gefertigt werden, allesamt Einsteigergeräte und Frontlader. Bis 2025 soll das Produktionsvolumen dort auf die Hälfte der mit 1,1 Millionen Stück kalkulierten Stückzahl erhöht werden. Die andere Hälfte wird der Kalkulation zufolge weiter in Gütersloh gebaut.

Kollegen, die bis 2025 in Ruhestand gehen

Doch was ist, wenn die Kalkulation nicht aufgeht? Wenn 2025 deutlich weniger als 1,1 Millionen Waschmaschinen pro Jahr gefertigt werden? Der »Durchblick« kommt auf mindestens 700 Arbeitsplätze, die das in Gütersloh kosten würde. Das »Bullauge« würde es lieber erst einmal bei jenen 500 Arbeitsplätzen belassen, die von der Geschäftsführung aus Anlass der Bilanzpressekonferenz im vergangenen August angekündigt wurden. Dabei handelt es sich um jene Kollegen, die bis 2025 ohnehin in den Ruhestand wechseln werden.

Betriebsratschef möchte auf Zahlen verzichten

Am allerliebsten würde der Gütersloher Betriebsratschef Klaus Niebusch jedoch derzeit ganz auf irgendwelche Zahlen verzichten, weil noch kein Szenario wirklich durchgerechnet worden sei: »Die Prüfungen im Stammwerk laufen doch erst noch.« Die Absatzkrise habe Miele tatsächlich kalt erwischt. Noch im Sommer 2017 sei der Tarifvertrag bis hart an die Grenze ausgereizt worden, um auch Samstagsarbeit zu ermöglichen. Niebusch: »Es brummte ohne Ende. Sonst hätten wir die erforderlichen Stückzahlen nie und nimmer geschafft.« Mit einem Mal aber büße Miele sogar dort Umsatz ein, wo der Marktanteil ausgebaut werde: »Das weltweite Marktvolumen schrumpft. Das merken nicht nur wir.«

Deutsche Marken wie Bosch, Siemens, Bauknecht und AEG verzeichneten noch weitaus höhere Einbußen als Miele. In den Schrumpfungsprozess hinein stießen preisaggressive Anbieter wie Samsung (Südkorea) und Haier (China), die mit einem gigantischen Kapital im Rücken durchaus Luft für zermürbende Preisschlachten hätten.

Häufiger Konjunktureinbrüche durchgestanden

Doch solche Konjunktureinbrüche und Krisen haben Miele und Klaus Niebusch schon häufiger durchgestanden. Den 2005 beschlossenen Personalabbau etwa, den er an der Seite des damaligen Vorsitzenden Peter Krüger ausgehandelt hat. 514 von 4900 Mitarbeiter sollten gehen. Die Entlassungs- ging in eine Konjunkturphase über, in der Miele am Ende über jeden froh war, der blieb. Oder die von einer Unternehmensberatung empfohlene Ausgliederung der Vertriebslogistik 2011. Gemeinsam mit der Geschäftsleitung gelang ein Kompromiss auf Basis der 35-Stunden-Woche. Auf diese Flexibilität setzt Niebusch auch jetzt: »Die 50 zu 50-Aufteilung mit dem polnischen Werk ist für uns noch nicht gesetzt.«

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