Gütersloh: Knochenmarkspender gefunden – Stammzellentransplantation möglich
Leon darf wieder hoffen

Gütersloh (WB). Für den an Leukämie erkrankten Leon (10) ist ein Knochenmarkspender gefunden worden. Stefanie Bräutigam von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS), Projektbetreuerin der Gütersloher Typisierungsaktion, bestätigt diese von der Familie auf Facebook verkündete Nachricht.

Mittwoch, 19.09.2018, 08:15 Uhr aktualisiert: 19.09.2018, 09:48 Uhr
Der an Leukämie erkrankte Leon freut sich. Ein Knochenmarkspender weckt Hoffnung, die Krankheit zu überleben. Foto: DKMS

Name und Wohnort des Spenders bleiben geheim. Er kann seine Anschrift offen legen, falls der Leon das später gerne einmal möchte. Ob der Spender unter den 1712 Teilnehmern der Aktion in der syrisch-orthodoxen St. Maria-Gemeinde gefunden wurde, ist eher unwahrscheinlich – die dabei gesammelten Proben werden noch ausgewertet. Neben der hohen Zahl neu registrierter Spender brachte die Aktion der DKMS mehr als 11.000 Euro hohe Zuwendungen ein.

Mit dem Auffinden eines Spenders – Ärzte vergleichen die Wahrscheinlichkeit mit einem Lottogewinn – schöpfen Leon und seine Familie neue Hoffnung; gerettet ist der Junge deswegen aber noch nicht. Dem Spender wird nach weiteren Voruntersuchungen unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel aus dem Beckenkamm Knochenmark entnommen – nicht zu verwechseln mit Rückenmark. Hierbei genügen in der Regel zwei kleine Einschnitte am hinteren Beckenknochen. Die dabei entstehenden Wunden sind so klein, dass sie mit wenigen Stichen oder oft überhaupt nicht genäht werden müssen. Das Risiko des gut einstündigen Eingriffs liegt vor allem in der Narkose. In der Regel regeneriert sich das Knochenmark beim Spender innerhalb von zwei bis vier Wochen vollständig. Es kann DKMS-Angaben zufolge ein lokaler Wundschmerz auftreten, ähnlich dem einer Prellung. Nur in seltenen Fällen kann es zu länger anhaltenden Schmerzen kommen. Der Aufenthalt im Krankenhaus dauert insgesamt drei Tage. In den mei-sten Fällen wird der Spender für einige Tage krank geschrieben.

Hoch dosierte Chemotherapie

Der kleine Leon wiederum wird mit einer hoch dosierten Chemotherapie und Bestrahlung auf die Transplantation vorbereitet. In dieser so genannten Konditionierungsphase werden Immunsystem und Blutbildung des Patienten weitgehend ausgeschaltet. Auf diese Weise lässt sich eine Transplantat-Abstoßung verhindern; im Idealfall werden die bösartigen Zellen restlos aus dem Körper beseitigt. Sowohl das Immunsystem als auch das blutbildende System erneuern sich dann aus den anschließend zugeführten Stammzellen. Weder Chemotherapie noch Bestrahlung ist schmerzhaft, beide Therapieformen können jedoch mit Übelkeit und Erbrechen verbunden sein. Diese Nebenwirkungen lassen sich durch Medikamente gut beeinflussen.

Ein bis zwei Tage nach der Konditionierungsbehandlung erfolgt die eigentliche Transplantation, also die Übertragung der Stammzellen. Unmittelbar vor der Transplantation erhält der Patient spezielle Infusionen und Medikamente, die eine mögliche allergische Reaktion unterdrücken sollen. Dann werden die Stammzellen oder das Knochenmark direkt über den zentralen Venenkatheter dem Körper zugeführt, ähnlich einer Bluttransfusion. Über den Blutkreislauf finden die Zellen ihren Weg in die Knochenmarkräume und siedeln sich dort an.

Stammzellen brauchen Zeit

Da die frisch transplantierten Stammzellen einige Zeit brauchen, um die Blutbildung neu zu entwickeln, sinkt die Zahl der im Blut vorhandenen Zellen stark ab. Das gilt besonders für die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die für einige Tage überhaupt nicht mehr nachweisbar sind. Da weiße Blutkörperchen, deren Aufgabe die Infektabwehr ist, nicht gut per Transfusion übertragen werden können, muss abgewartet werden, bis das neue Knochenmark selbst ausreichend Zellen produziert. In der Regel dauert es etwa zehn bis 20 Tage. Die Zeit, in der das Knochenmark keine Blutzellen bilden kann, nennt man Aplasiephase. In dieser Phase wird Leon sehr anfällig für Infektionen sein. Er wird in ein isoliertes Zimmer verlegt und darf nur in Schutzkleidung besucht werden; alle Geschenke müssen desinfiziert werden oder steril sein. Diese Phase dauert ungefähr drei Wochen.

Der Tag der Transplantation wird als Tag Null bezeichnet, da das Leben an diesem Tag mit einem neuen, gesunden Immunsystem beginnt. Die Tage, die auf die Transplantation folgen, nennt man entsprechend Tag+1, Tag+2, Tag+3…

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6062122?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Falsche Polizisten sollen fast 700.000 Euro erbeutet haben
Ein Justizbeamter führt den 22-jährigen Angeklagten in den Gerichtssaal. Links sein Verteidiger Tobias Diedrich. Im Vordergrund Rechtsanwalt Peter Rostek im Gespräch mit der 23-jährigen Angeklagten. Die Frau brach zu Prozessauftakt in Tränen aus. Foto: Bernhard Pierel
Nachrichten-Ticker