Gütersloh: Menschen mit Behinderung demonstrieren für ihre Gleichstellung Protestzug will Barrieren überwinden

Gütersloh (WB). Tuba, Saxophon, kleine Trommeln und jede Menge Plakate – wenn behinderte Menschen schon für Gleichstellung auf die Straße gehen, dann wollen sie auch ordentlich zu hören und zu sehen sein.

Von Stephan Rechlin
Platz da für die Demonstranten. In Gütersloh marschieren gut 400 Menschen mit Behinderung für ihre Gleichstellung.
Platz da für die Demonstranten. In Gütersloh marschieren gut 400 Menschen mit Behinderung für ihre Gleichstellung. Foto: Stephan Rechlin

Mit »Oh when the saints...« geht es vom Rathausplatz los über die Berliner Straße zum Berliner Platz, von dort aus anschließend zum Kolbeplatz. Der Tross ist mit gut 400 Teilnehmern diesmal doppelt so groß wie der des vergangenen Jahres. Am 4. Mai wird europaweit für die Rechte behinderter Menschen protestiert.

Obwohl allein in Deutschland inzwischen Milliarden von Euro in Werkstätten, Wohnheime und Integrationsbetriebe fließen, stehen individuell betroffene Menschen noch immer vor teils unüberwindbaren Hürden. Darauf weisen die Teilnehmer des Gütersloher Protestzuges auf ihren Plakaten und später auf dem Kolbeplatz in Begegnungen und Geschichten hin, die sie in einem »Story-Sessel« vor einer Kamera erzählen.

Ausgrenzung und Isolation

»Barriere-Abbau« steht zum Beispiel schlicht auf einem Plakat. Dahinter verbergen sich mitunter verzweifelte Geschichten über fehlgeschlagene Versuche, die Toilette in einem Restaurant aufzusuchen, aus einem Stadtbus herauszukommen oder einen Bahnsteig zu erklimmen. Die Frage »Wo bleibt unser Mindestlohn?« auf einem weiteren Plakat zeigt, dass die Entgelt-Debatte vielleicht gerichtlich entschieden sein mag, deshalb aber noch lange nicht ausgestanden ist. »Geeigneter Wohnraum« fordert ein älterer Teilnehmer des Zuges auf seinem Plakat – und berichtet von zutiefst frustrierenden Erlebnissen auf dem Gütersloher Wohnungsmarkt. Die Mahnung »Kein Mobbing wegen Behinderung« ist auf den ersten Blick an »gesunde«, nicht behinderte Menschen adressiert. Erst auf Nachfrage wird deutlich, dass damit auch behinderte Mitarbeiter gemeint sein können, die ihre Arbeitskollegen ausgrenzen und isolieren wollen – so wie es in jedem anderen Betrieb eben auch vorkommt.

Jeder Mensch ist wertvoll

Das Aktionsbündnis Inklusion hat diese Demonstration angemeldet und organisiert. Ihm gehören neben dem Wertkreis auch das Netzwerk Hörgeschädigte in Gütersloh an, ferner die Lebenshilfe Gütersloh, die von Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel, die Diakonische Stiftung Ummeln und der Verein für Körper- und Mehrfachbehinderte. »Jeder Mensch ist wertvoll – auch ich« lautet ein Spruch, der auch das Motto des Zuges hätte sein können.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.