Gütersloh: SPD fordert einen Runden Tisch wie in Rheda-Wiedenbrück Leid der Leiharbeiter beenden

Gütersloh (WB). Seit November wird zur Situation der Werkvertragsarbeiter in der Fleischindustrie nur betroffen geschwiegen. Mit dem Antrag, in Gütersloh einen Runden Tisch wie jenen in Rheda-Wiedenbrück einzuberufen, durchbricht die SPD-Ratsfraktion dieses Schweigen.

Von Stephan Rechlin
Die SPD-Ratsmitglieder Christa Kockentiedt und Volker Richter haben sich intensiv mit den Wohnverhältnissen und der sozialen Situationen von Werksvertragsarbeitern in Gütersloh beschäftigt. Ein Runder Tisch soll den Menschen helfen.
Die SPD-Ratsmitglieder Christa Kockentiedt und Volker Richter haben sich intensiv mit den Wohnverhältnissen und der sozialen Situationen von Werksvertragsarbeitern in Gütersloh beschäftigt. Ein Runder Tisch soll den Menschen helfen. Foto: Stephan Rechlin

Im November hatte sich der Gütersloher Sozialausschuss das ganze Ausmaß des Elends in den Wohnunterkünften von drei Referenten schildern lassen. Während Volker Brüggenjürgen (Kreis-Caritasverband), Ombudsfrau Gudrun Bauer und Szabolcs Sepsi (»Faire Mobilität«) der Ansicht waren, das eine Kommune sehr wohl etwas gegen Kakerlaken, Betten ohne Matratzen und Bettzeug oder nur ein Waschbecken für elf Personen unternehmen könne, sah Sozialdezernent Joachim Martensmeier nur geringe rechtliche Handlungsmöglichkeiten. Mit Beispielen aus der Gemeinde Sögel in Niedersachsen zeigt die SPD in ihrem Antrag jedoch auf, zu welchen Zugeständnissen ein zum Tönnies-Konzern zählendes Unternehmen bereit ist.

Verhaltenskodex und Richtlinien

Dort stimmte die Firma Weidemark Fleischwaren GmbH & Co. KG einem mit der Gemeinde ausgehandelten Verhaltenskodex samt Zertifizierungsrichtlinien für Wohnunterkünfte ausländischer Beschäftigter zu. In den Richtlinien kamen Unternehmen und Gemeinde etwa überein, dass ein Schlafraum mindestens sechs Quadratmeter pro Bewohner haben müsse; mit Familie zehn Quadratmeter. Grundsätzlich solle für sechs Personen eine Dusche oder Badewanne, ein Waschbecken oder WC vorhanden sein, wenn es einen separaten Raum dafür gibt. Falls nicht, dann eben für fünf Personen. Die Richtlinien schließen ferner aus, über die Miete Druck auf krank gemeldete Werkvertragsarbeiter auszuüben. Auf ihrer Homepage wirbt Weidemark mit diesem »Sögeler Weg«.

Das Problem hat Gütersloh voll erfasst. Inzwischen leben hier mehr Polen (1894) und Rumänen (1823) als Türken (1515), der über Jahrzehnte stärksten nationalen Einzelgruppe unter den in der Stadt lebenden Ausländern. Dass diese beiden Volksgruppen überwiegend in der Fleischindustrie arbeiten, geht aus den Beratungsstatistiken der Caritas hervor: Von 1800 Beratungen polnischer Leiharbeiter kommen 1022 (56,8 Prozent) aus Gütersloh. Ähnlich fällt die Quote bei Rumänen aus.

Tönnies als Partner gewinnen

Im SPD-Antrag taucht der Name Tönnies nicht auf. Antragstellerin Christa Kockentiedt zieht damit die Konsequenz aus der Absage des Unternehmens beim Anhörungstermin im November: »Die Firma monierte, dass nur sie geladen wurde, es aber viele fleischverarbeitende Betriebe gebe, die Leiharbeiter einsetzten. Damit hatte sie recht.« Die SPD legt höchsten Wert darauf, Tönnies mit an den Runden Tisch zu bekommen – nicht als Angeklagte, sondern als Partner. Diese Bereitschaft hatte Konzernsprecher Dr. André Vielstädte bereits im November signalisiert. Gegenüber Sozialdezernent Martensmeier wurde erklärt, dass das Unternehmen an einem Dialog interessiert sei und Unterstützung anbiete.

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