Fraktion der Grünen will Carl-Diem-Weg umbenennen lassen »Es gibt Wichtigeres«

Gütersloh-Friedrichsdorf (WB). Die Fraktion der Grünen im Gütersloher Stadtrat will erreichen, dass der Carl-Diem-Weg in Friedrichsdorf umbenannt wird. Doch was sagen Anwohner dazu?

Von Carsten Borgmeier
Der Carl-Diem-Weg, ehemals Ludwig-Jahn-Straße, befindet sich im Stadtteil Friedrichsdorf direkt am Sportplatz. Im Januar 1971 war der Weg im Zuge der Gebietsreform umbenannt worden – denn auch am Mohnspark gibt es eine Jahnstraße.
Der Carl-Diem-Weg, ehemals Ludwig-Jahn-Straße, befindet sich im Stadtteil Friedrichsdorf direkt am Sportplatz. Im Januar 1971 war der Weg im Zuge der Gebietsreform umbenannt worden – denn auch am Mohnspark gibt es eine Jahnstraße. Foto: Carsten Borgmeier

Der Namensträger, ein ehemals hoher, 1962 gestorbener Sportfunktionär zu Zeiten des Dritten Reiches (1933 bis 1945) und späterer Rektor der Kölner Sporthochschule, soll sich demnach nie eindeutig vom Hitler-Regime distanziert haben. »Wenngleich Carl Diem nicht Mitglied der NSDAP war, hat er sich aktiv im Sinne des Nationalsozialismus betätigt«, schreiben die Grünen in ihrem Antrag. Im nächsten Kulturausschuss am Donnerstag, 12. April, kommt das Thema auf den Tisch. In der Ausschussvorlage regt Kulturdezernent Andreas Kimpel an, im Rahmen des für 2019 vorgesehenen Konzeptes zur Erinnerungskultur eine Richtlinie für die Straßenbenennung bzw. Umbenennung zu erarbeiten.

Die beiden Kommunalpolitiker gehen noch weiter: Sie fordern, dass Stadtarchiv und Stadtmuseum nach weiteren, »belasteten Namen im Stadtgebiet« forschen sollen. In diesem Zusammenhang solle allgemein das Gütersloher Register im Lichte neuerer, historischer Kenntnisse und Wertungen der Straßen- und Platzbezeichnungen durchforstet werden, so die Grünen. Zahlreiche Städte wie beispielsweise Mülheim, Aachen oder Münster, kürzlich auch Osnabrück und sogar Diems Geburtsort Würzburg, hätten seinen Namen bereits aus dem Stadtbild entfernt.

Am Carl-Diem-Weg in Friedrichsdorf stößt die Forderung auf Unverständnis: »Gibt es denn nichts Wichtigeres?«, meint Anwohner Hartwig Brenker. Heute wisse doch niemand mehr, wer Carl Diem gewesen sei. »Das Ansinnen der Grünen ist doch reiner Populismus«, meint der Pensionär, der seit 18 Jahren am Carl-Diem-Weg lebt. Die Diskussion findet Brenker ärgerlich, sollten sich die Politiker doch mehr für Kindergartenplätze oder modernere Schulgebäude einsetzen.

Auch Nachbar Reinhard Wulle, der seit 1965 direkt am Sportplatz lebt, sieht das ähnlich: »Ich spreche mich klar dagegen aus, den Weg umzubenennen.« Aus Hauptgrund führt er an, dass die Anwohner all ihre Ausweise und Dokumente ändern lassen müssten. Der 77-Jährige erinnert sich daran, dass der Carl-Diem-Weg früher schon mal umbenannt worden sei.

Nach Angaben von Stephan Grimm aus dem Stadtarchiv war im Januar 1971 aus der Ludwig-Jahn-Straße (»Turnvater Jahn«) der Carl-Diem-Weg geworden.

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