Gütersloher Bündnis fordert Maßnahmen der Politik für benachteiligte Menschen »Armut wird in Kauf genommen«

Gütersloh (WB). Die erste Armutskonferenz im Juli 2017 in Gütersloh hatte vor allem ein Ziel: »Der Armut in dieser Region endlich ein Gesicht zu geben«, sagt ihr Sprecher Volker Brüggenjürgen vom Caritasverband des Kreises. Drei Anträge an die Politik sind jetzt gestellt worden.

Von Wolfgang Wotke
Ruth Prior-Dresemann (Gütersloher Tafel), Volker Brüggenjürgen (Caritas) lassen nicht locker: Nach der ersten Gütersloher Armutskonferenz gibt es jetzt drei Anträge an den Rat.
Ruth Prior-Dresemann (Gütersloher Tafel), Volker Brüggenjürgen (Caritas) lassen nicht locker: Nach der ersten Gütersloher Armutskonferenz gibt es jetzt drei Anträge an den Rat. Foto: Wolfgang Wotke

Nach der Zusammenkunft mit 120 Teilnehmern in der Weberei Gütersloh und nach intensiven Diskussionen als auch Vorträgen zur Situation sei man im Nachhinein entsetzt gewesen, wie viel Armut es in und um Gütersloh gebe. »Wir haben einen speziellen Blick darauf geworfen und letztendlich mit unseren Anträgen die Politik in die Pflicht genommen«, erklärt Brüggenjürgen.

Treffpunkte für Benachteiligte gefordert

Ab Mitte April und Anfang Mai sollen folgende Eingaben in den verschiedenen Ausschüssen im Rat der Stadt Gütersloh behandelt werden: Eine Koordinatorinnenstelle zur Reduzierung von Kinderarmut; Guter Wohnraum und bezahlbare Mieten; Treffpunkte für Benachteiligte schaffen in den einzelnen Stadtteilen. »Damit wird unsere Hauptbotschaft deutlich: Wir lassen nicht locker. Es müssen politische Lösungen her und Maßnahmen ergriffen werden.« Denn: bis heute werde Armut in Kauf genommen.

Die Gütersloher Armutskonferenz ist ein Bündnis von Organisationen, Verbänden, Initiativen und Einzelpersonen, die sich für eine aktive Politik der Armutsbekämpfung in Gütersloh einsetzen. »Wir wollen Hintergründe und Ursachen, Daten und Fakten, Strategien und Maßnahmen zu und gegen Armut und sozialer Ausgrenzung thematisieren. Wir wollen eine Verbesserung der Lebenssituationen Betroffener erreichen«, erklärt auch Bettina Flohr vom Deutschen Kinderschutzbund des Kreisverbandes Gütersloh.

Auch Kinder sind stark betroffen

Armut könne überwunden werden, dazu brauche es Mut, politische Entschlossenheit und Fantasie. Ruth Prior-Dresemann, Geschäftsführerin der Gütersloher Tafel, hat noch einmal verdeutlicht, was Armut bedeutet: »Wir haben 50 Ausgabestellen im Kreis, davon alleine im Stadtbereich 25. Jährlich versorgen wir rund 3800 Menschen mit Lebensmitteln. Mehr als 40 Prozent der Bedürftigen sind Kinder.« Beim Kinderschutzbund, so Bettina Flohr, würden jährlich 80 betroffene Kinder durch Sportpaten in Sportangebote vermittelt, weitere 30 von Familienpaten betreut.

Es fehle weiterhin an bezahlbaren Wohnraum. Arbeitslose hätten kaum ein Chance, eine Unterkunft zu finden. »So greift die Armut in die Lebenssituationen dieser Menschen ein«, meint Judith Wilmsen von der Arbeitsgruppe »Wohnungsnot«.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.