Karin Schlautmann zeigt in neuem Buch, was »Digitalisierung« bei Bertelsmann heißt Innovation ist spannend

Gütersloh (WB). Fahrradtausch in China. Aus- und Weiterbildung von Medizinern in Indien. Medikamentenkontrolle in Europa. Das sind Aufgaben und Herausforderungen, bei denen man nicht zuerst an den Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann denkt.

Von Stephan Rechlin
Die Digitalisierung eröffnet dem Bertelsmann-Konzern neue, innovative Geschäftsfelder. Konzernsprecherin Karin Schlautmann spürt ihnen in einem neuen Buch hinterher.
Die Digitalisierung eröffnet dem Bertelsmann-Konzern neue, innovative Geschäftsfelder. Konzernsprecherin Karin Schlautmann spürt ihnen in einem neuen Buch hinterher. Foto: Bertelsmann SE

Sie stammen aus einem Buch, in dem Karin Schlautmann, die Leiterin der Unternehmenskommunikation, ihre Eindrücke und Erfahrungen aus ihren berufsbedingten Reisen in den vergangenen sieben Jahren zusammenfasst. »Innovation@Bertelsmann« aber ist kein Marketingpamphlet geworden, keine fröhliche Werbebotschaft, sondern eine Sammlung von 24 spannenden Kurzreportagen. Aus ihnen wird lebens- und praxisnah deutlich, was Vorstandschef Thomas Rabe eigentlich meint, wenn er in Bilanzkonferenzen von »Transformation« und »Digitalisierung« spricht.

Schlautmann berichtet aus Italien, Frankreich, Belgien, aus den USA, Spanien und Indien. Sie besucht die Fernsehsender des Konzerns, den Buchverlag Penguin Random House, die Bertelsmann Music Group, die Internet-Universität »Udacity«. Den Fahrradtausch in China organisiert der dort ansässige Bertelsmann-Ableger »Mobike«, ein Internet-Startup, das vom Wagniskapitalfonds des Konzerns unterstützt wird.

Konzern kann Kreativität nicht verordnen

Überall fragt Schlautmann gezielt nach Innovationen, nach Neuheiten in der jeweiligen Tochterfirma. Das können neue Produkte sein, aber auch neu organisierte, interne Abläufe, veränderte Geschäftsmodelle oder, ja, sogar juristische Siege vor Gericht. So unterschiedlich die verschiedenen Geschäftsfelder, Probleme und daran arbeitenden Menschen auch sind, sie teilen eine Gemeinsamkeit. Der Bertelsmann-Konzern mag den wirtschaftlichen Rahmen zentral vorgeben können, Innovation verordnen kann er nicht. Sie ist nur dezentral, im engen Kontakt mit Kunden, Mitarbeitern und der eingesetzten Technik möglich. Reinhard Mohn hatte recht.

Das wird unter anderem an der »UHD BD66« deutlich. Das ist eine neue, von Sonopress in Gütersloh entwickelte Maschine, die als erste in der Welt ultra-hochauflösende Blu-ray-Discs produzieren kann. Um diese Innovationsgeschichte zu erzählen, gräbt sich Schlautmann tief in die »Pits« und »Lands« einer CD- oder DVD-Oberfläche ein und in die Herausforderung, aus ihnen eine Triple-Layer-Version zu entwickeln. Bevor die Superman-Filme »Man of Steel« und »Superman vs. Batman« eingelasert werden können, muss die Produktion mit »Warner Bros.« abgesprochen, muss der Matrizenlieferant über Nacht ersetzt, muss auf das Zertifikat des Branchenverbandes gewartet werden – und das alles bei laufendem Betrieb.

Viagra-Fälschung ist teurer als Kokain

Ebenso spannend wird die Entwicklung einer Medikamentenechtheits-Kontrolle bei Arvato Systems geschildert. Ein Kilogramm gefälschtes Viagra ist heutzutage wertvoller als ein Kilo Kokain. Bei zwölf Milliarden verschreibungspflichtigen Arzneien pro Jahr allein in Europa – darunter schwere und teure Schmerz-, HIV- und Krebsmedikamente – wird die gesellschaftspolitische Dimension dieser Arbeit deutlich. Im Gütersloher »Innovation Lab« an der Autobahn entwickelt Arvato SCM Solutions eine digitale Datenbrille für Kommissionierungsarbeiten. Ein Tipp auf den rechten Brillenbügel teilt dem Brillenträger mit, dass der Sennheiser-Kopfhörer in Gang 2, Regal 4, Fach 11 liegt.

Krimiqualität hat der Kampf um Urheberrechte der Bertelsmann Music Group (BMG) in den USA. Sie legt sich vor Gericht in Virginia mit dem milliardenschweren Internetkonzern Cox Communication an. Der Prozess allein kostet 8,5 Millionen Dollar – ein Betrag, mit dem die BMG ihre Schmerzgrenze erkundet. BMG gewinnt – weil vor Gericht interne Emails aus dem Cox-Konzern auftauchen, die belegen, dass Urheberrechtsverletzungen bekannt waren, aber ignoriert wurden, um keine Kunden zu verprellen.

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