240 Zuschauer kommen zum politischen Jahresrückblick mit Florian Schroeder und Volkmar Staub in die Stadthalle Gütersloh Kabarettisten geben Verbal-Vollgas

Gütersloh (WB). »Rien ne va plus« – »Nichts geht mehr« war am Donnerstag in der Stadthalle angesagt. Nicht nur in der »Zugabe«, dem kabarettistischen Jahresrückblick von Florian Schroeder und Volkmar Staub. Auch so mancher der rund 240 Besucher fühlte sich noch vor Beginn der Pause bereits schwer überlastet.

Von Gabriele Grund
Volkmar Staub (links) begleitet sich selbst auf der Gitarre und singt sich dabei seinen Frust von der Seele. Florian Schroeder ist nur nicht ein begnadeter Stimmen-Imitator, sondern auch selbst ernannter »Gefühlsvegetarier«.
Volkmar Staub (links) begleitet sich selbst auf der Gitarre und singt sich dabei seinen Frust von der Seele. Florian Schroeder ist nur nicht ein begnadeter Stimmen-Imitator, sondern auch selbst ernannter »Gefühlsvegetarier«. Foto: Gabriele Grund

»Das ist richtig gut und tiefgründig, was die Beiden da so abliefern. Aber es geht einfach alles zu schnell. Man kann die Pointen kaum verarbeiten und genießen, da kommt schon der nächste Kalauer« bedauerte Heinz Breitenbach (61) aus Gütersloh. In der Tat befeuerten die beiden Kabarettisten ihr an den mit weißem Tuch eingedeckten Tischen sitzendes Auditorium gnadenlos mit teils hintergründigen, bitterbösen Politparodien und kabarettistischem Verbal-Vollgas.

Angriffslustig, ironisch, frech und scharfzüngig, aber in keiner Sekunde niveaulos filetierte das Duo – wie Heckenschützen im Dauerfeuer-Modus –  furios politische Irrungen, Wirrungen, Wendehalshaftigkeiten sowie Spießer- und Kleinbürgertum. Vorzugsweise auf die politischen Vertreter unseres Landes.

»Lindner ist der Lafontaine der FDP«

Glyphosat, Jamaika-Koalition, Cannabis-Legalisierung, zähe Regierungsbildung, Netzwerkdurchsetzungsgesetz, FDP-Comeback, Digitalisierung, Videoüberwachung: In ihrer politischen Häme schöpfen Florian Schroeder – im eleganten Anzug mit Krawatte – und sein etwas lässiger gekleideter Partner Volkmar Staub aus dem Vollen. Ob über Martin Schulz («Ein Merkel mit Bart«), die alternativlose, entscheidungs- und führungsschwache Kanzlerin oder Schroeders persönlicher Liebling Christian Lindner.

Obwohl letzterer die übelste Androhung der Geschichte kundgetan hat, weil er sagte, dass er noch 30 Jahre Politik machen will, gab Volkmar Staub zu bedenken. Wenn Christian Lindner etwas könne, dann ist es alles im passenden Moment hinzuschmeißen. »Für mich ist Christian Lindner der Oskar Lafontaine der FDP«, ätzte Schroeder, der nicht nur ein hervorragender Stimmenimitator ist, sondern auch bekennender Gefühlsvegetarier. »Ich esse nur Tiere, die ich hässlich finde.«

Zwischendurch singt sich der selbst an der Gitarre begleitende Volkmar Staub  seinen Frust über Videoüberwachung, Datenspeicherung und Gesichtserkennung  mit dem Lied »Videocheck« von der Seele. Auch dafür gibt es am Ende viel Beifall.

Statt Aperol gab es »Gratis-Spritz«

Herrlich bissig auch die Satire über Luis Trenker beim G20-Gipfel in Hamburg, wo Trump auch seinen Wahlkampfhelfer Putin persönlich kennenlernte. Als Alternative zum überteuerten Aperol Spritz in der Elbphilharmonie habe es vor den Türen »Gratis-Spritz« aus den Wasserwerfern der Polizei gegeben. Lehrreich die Erkenntnis, »dass Autos anzünden im Jahr 2017 sowas von 1985 ist«. Wenn man heute beeindruckend schocken und provozieren wolle, müsse man die »Landlust« aus den Briefkästen reißen und abfackeln, meinte Florian Schroeder.

Um aber die auf dem Vormarsch befindliche Dummheit zurück in die Grenzen zu weisen und eine »Demokratie der Schlauen« zu erreichen, wäre die Einführung eines Politik-Führerscheins ideal.  »Lieber Verdummungsverbot als Vermummungsverbot« ist die Devise.

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