Gütersloh: Betreiber der Marienapotheke soll Arzneien unterschlagen haben Pachtvertrag mit Nebenwirkung

Gütersloh (WB). Die Marienapotheke an der Carl-Bertelsmann-Straße gibt es nicht mehr. Sie heißt jetzt Sundernapotheke und gehört seit Sommer 2016 dem Gütersloher Apotheker Dr. Olaf Elsner. Doch aus der Zeit davor schwelt noch ein Streit, der am 23. Januar vor dem Amtsgericht Gütersloh verhandelt wird.

Von Stephan Rechlin
Zwischen dem Pächter der ehemaligen Marienapotheke und der Inhaberfamilie ist ein Streit um den Verbleib von Medikamenten aus dem Warenbestand ausgebrochen. Die Familie wirft ihrem ehemaligen Pächter Unterschlagung vor.
Zwischen dem Pächter der ehemaligen Marienapotheke und der Inhaberfamilie ist ein Streit um den Verbleib von Medikamenten aus dem Warenbestand ausgebrochen. Die Familie wirft ihrem ehemaligen Pächter Unterschlagung vor. Foto: dpa

Die Wurzeln dieses Streites reichen bis ins Jahr 2013 zurück. Damals starb Ulrich Müther, Inhaber der Marienapotheke, plötzlich und unerwartet im Alter von 54 Jahren. Um die Versorgung der Patienten an der Carl-Bertelsmann-Straße zumindest für ein weiteres Jahr zu gewährleisten, organisierte der in Bielefeld ansässige Amtsapotheker eine Übergangsverwaltung – das ist ein Notfallmechanismus, der für alle Apotheken in Nordrhein-Westfalen in Kraft tritt, die plötzlich ihren Inhaber verlieren. Die Familie des verstorbenen Apothekers nutzte das Jahr, um einen Nachfolger zu finden, der die Marienapotheke anschließend im Pachtverhältnis weiterführte.

Das Pachtverhältnis hielt zwei Jahre. Als es im Januar 2016 endete, gab der aus Coesfeld stammende Nachfolgeapotheker den Warenbestand zurück an die Familie. In der Woche zwischen dem 31. Januar und 8. Februar verschwanden dabei offenbar Arzneien im Gesamtwert von rund 26.000 Euro aus diesem Bestand. Die Familie warf dem Coesfelder Apotheker vor, diese Medikamente entwendet und privat weiter veräußert zu haben. Das Gütersloher Amtsgericht muss jetzt klären, ob der Vorwurf der Unterschlagung tatsächlich zutrifft.

Apotheken werden scharf überwacht

Es wird eine schwierige Prüfung. Zum einen gehören Apotheken zu den am schärfsten überwachten Handelsunternehmen in Deutschland. Der Verbleib schwerer, mitunter als Drogen gehandelter Medikamente ist gegenüber den Gesundheitsbehörden akribisch nachzuweisen. Nicht weniger streng fallen die Kontrollen der Finanzämter aus. In so gut wie allen Apotheken stehen seit Beginn des 21. Jahrhunderts elektronische POS-Kassen (POS von Point of Sale, dem Verkaufsort), die jede angelieferte mit jeder verkauften Tablette abgleichen und damit eine permanente Inventur ermöglichen. Zum anderen müssen Apotheker, sobald sie einen Arzneihandel übernehmen, auch den Warenbestand verantworten – ohne diese Erklärung würde ihnen der Amtsapotheker keine Zulassung erteilen. Diesen gesetzlichen Vorgaben zufolge dürfte es also gar keinen »Warenbestand« gegeben haben, der nach Ablauf einer Pachtfrist »zurückzugeben« war.

Mit all diesem Ärger hat der heutige Inhaber Dr. Olaf Elsner nichts zu tun. Er hat 2016 das Ladenlokal im Ärztehaus an der Carl-Bertelsmann-Straße 69 erworben und führt die Apotheke heute unter neuem Namen als Filiale seiner Storchen-Apotheke. Leiterin der Filiale ist Sonja Holtermann, Tochter des Apothekers Günter Ostmeier aus Blankenhagen.

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