Kritische Zwischenbilanz zum Gütersloher Weihnachtsmarkt Endstation am Wasserband-Sperrgitter

Gütersloh (WB). Auf das Wetter hat niemand Einfluss, aber das gesperrte Wasserband ist vielen Gästen und Standbetreibern des Gütersloher Weihnachtsmarkt ein Dorn im Auge. Das WESTFALEN-BLATT hörte sich am Donnerstag im Hüttendorf um.

Von Carsten Borgmeier
Prost! Claudine Clarke-Johnson (44) bietet im siebten Jahr ihren Punsch auf dem Weihnachtsmarkt in Gütersloh an. Ihr Büdchen steht direkt am abgesperrten Wasserband.
Prost! Claudine Clarke-Johnson (44) bietet im siebten Jahr ihren Punsch auf dem Weihnachtsmarkt in Gütersloh an. Ihr Büdchen steht direkt am abgesperrten Wasserband. Foto: Carsten Borgmeier

»Es hat doch fast jeden Tag bislang geregnet«, sagt David Schneider (27), der an seinem Stand im Eckbereich von Berliner- und Königstraße köstlich duftende Champignons, Hot Dogs und Hamburger anbietet. »Bei so einem Wetter hat doch niemand Lust, durch die Stadt zu bummeln«, erklärt er sich die augenblickliche Abwesenheit von Kunden. Doch noch mehr stört es ihn, dass das Wasserband durch Gitter abgesperrt ist und Weihnachtsmarkt-Besucher somit bei ihm in eine Sachgasse laufen.

Gegenüber auf der anderen Seite des Wasserbandes hat Claudine Clarke-Johnson (44) ihren unter anderem mit einem Mistelzweig ganz romantisch-weihnachtlich geschmückten Stand. Im siebten Jahr bietet die stets gutgelaunte Gütersloherin ihre Punsch-Kreationen nach eigenem Rezept auf dem Berliner Platz an. »Diese Absperrung hier gleich nebenan ist eine Katastrophe«, meint sie, »wenn die denn unbedingt erforderlich ist, okay. Aber man hätte den Bereich wenigstens etwas dekorieren können«, klagt sie, »so ist es ein toter, leerer Raum mitten auf dem Weihnachtsmarkt.«

Während Liam (3) hauptsächlich Augen für all die feilgebotenen Süßigkeiten und sonstigen Leckereien hat, äußert sich seine Großmutter Barbara Hall (57) als Besucherin kritisch zu der vierwöchigen Veranstaltung der Gütersloh Marketing GmbH (gtm): »Ich bin in diesem Jahr zum dritten Mal hier, weil es ein Treffpunkt ist und mein Enkel so gerne Karussell fährt«, berichtet die Gütersloherin. »Wie aber so eine Fehlplanung und Stolperfalle wie das Wasserband entstehen konnte, ist mir ein Rätsel«, meint Hall, »jedenfalls stören diese Sperrgitter enorm.« Die Frau kritisiert auch den Buden-Mix: »In Wiedenbrück zum Beispiel gibt es noch Stände, die Handwerkliches anbieten. In Gütersloh dominieren Essstände und Glühwein-Hütten.«

Standbetreiber Johann Lemoine (55), der im Hüttendorf mit das größte Angebot an Glühwein-Kreationen hat, ist ebenfalls nicht sehr zufrieden: »Wir haben etwa 50 Prozent weniger Einnahmen als im vergangenen Jahr. Schuld ist hauptsächlich das regnerische Wetter.«

Ganz schlecht getroffen haben es eigenen Angaben zufolge Budenbetreiber, die aufgrund ihres Standortes hinter der großen Weihnachtspyramide und direkt an den Sperrgittern des Wasserbandes kaum frequentiert werden: »Wir werden an dieser Stelle gar nicht wahrgenommen vom Publikum«, meint ein Beschicker, der seinen Namen nicht nennen will. Eine Frau, die in einer anderen Hütte in der Nähe wirklich prächtige, schöne Sterne anbietet, will sogar verhindern, dass ihr Stand fotografiert wird. Das müsse erst mit der Hauptstelle der Firma in Süddeutschland geklärt werden, belehrt sie einen verdutzten Hobbyknipser. Dem scheint die Laune vergangen zu sein, überhaupt noch etwas vom Gütersloher Weihnachtsmarkt sehen zu wollen.

Der Gütersloher Weihnachtsmarkt ist – mit Ausnahme 24., 25. und 26. Dezember – bis zum Samstag, 30. Dezember geöffnet.

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