Gericht: Psychisch Kranke aus Gütersloh darf nicht länger eingesperrt werden Stalkerin nach zehn Jahren frei

Gütersloh (WB). Mehr als zehn Jahre war eine kranke Stalkerin (41) aus Gütersloh in der Gerichtspsychiatrie Eickelborn eingesperrt. Jetzt wurde sie auf Anweisung des Oberlandesgerichts Hamm freigelassen, ohne geheilt zu sein.

Von Christian Althoff
Die Gerichtspsychiatrie in Lippstadt-Eickelborn: Hier war die Gütersloherin zehn Jahre lang eingesperrt.
Die Gerichtspsychiatrie in Lippstadt-Eickelborn: Hier war die Gütersloherin zehn Jahre lang eingesperrt. Foto: imago

Es ist ein tragisches Schicksal: Als Grundschülerin wurde die Frau bei einem Verkehrsunfall so schwer verletzt, dass sie mehr als vier Monate mit einem Schädel-Hirn-Trauma im Koma lag. In der Folge war sie psychisch so auffällig, dass sie nicht mehr durchgängig bei ihren Eltern leben konnte und vor allem in betreuenden Einrichtungen wohnte. Ärzte diagnostizierten damals Wahnvorstellungen und eine Borderline-Störung.

Krankheit der Frau äußerte sich in Liebeswahn

Die Krankheit der Frau äußerte sich unter anderem darin, dass sie sich immer wieder in Frauen »verliebte«, ihnen nachstellte und sie bedrängte. Opfer waren zum Beispiel ihre Gynäkologin, eine Nachtschwester und eine Sprechstundenhilfe. Das führte zur Unterbringung der Frau in einer geschlossenen Wohngruppe.

Dort drückte sie mit 28 Jahren einer Auszubildenden ein Teppichmesser mit dem Griff an den Hals, weil sie zu einer Pflegerin gefahren werden wollte, in die sie »verliebt« war. Gerichtliche Kontaktverbote ignorierte die Gütersloherin, so dass das Landgericht Bielefeld sie 2005 wegen Nötigung in die Gerichtspsychiatrie nach Lippstadt-Eickelborn einwies.

Dort wurde die Frau 2006 aufgenommen. Eine Therapie des Liebeswahns gelang jedoch nicht: Nach Angaben des Krankenhauses erkannte die Stalkerin ihr Fehlverhalten nicht und nahm Medikamente nur unter Aufsicht ein. Zuletzt ordnete das Landgericht Paderborn deshalb im Juli 2017 die Fortdauer der Unterbringung an.

Keine erheblichen Taten befürchtet

Zur Begründung schrieb das Gericht, die Frau sei außerhalb enger Strukturen nicht in der Lage, ein straffreies Leben zu führen. Ihr fehle das Krankheitsverständnis und jede Einsicht in ihr problematisches Verhalten.

Dagegen legte der Anwalt der Frau beim Oberlandesgericht Hamm Beschwerde ein und hatte Erfolg. Die Richter ordneten an, die Stalkerin am 5. Dezember 2017 freizulassen und unter Bewährungsaufsicht zu stellen. Zur Begründung beriefen sich die Richter auf das 2016 in Kraft getretenes Gesetz zur Novellierung des Unterbringungsrechts.

Danach sei eine länger als zehn Jahre dauernde Unterbringung nur noch verhältnismäßig, wenn die Gefahr bestehe, dass der Patient in Freiheit erhebliche Taten begehe, durch die die Opfer »seelisch oder körperlich schwer geschädigt« würden. Die geringfügigen Taten (Bedrohung, Nötigung...), die 2006 zur Unterbringung der Frau geführt hätten, erfüllten diese Voraussetzungen nicht.

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