Ex-Schwager erstochen: Gütersloher vom Landgericht Hagen verurteilt Lebenslang wegen Mordes

Hagen/Gütersloh (WB). Der Gütersloher, der Mitte Mai in Hagen-Haspe seinen 53 Jahre alten Ex-Schwager auf offener Straße erstochen hatte, ist jetzt überraschend zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Von Carsten Borgmeier
Der Tatort am Montag, 15. Mai: An der Dickenbruchstraße in Hagens Stadtteil Haspe metzelt der Gütersloher den Bruder (53) seiner Ex-Frau mit 24 Messerstichen nieder. Das Opfer, ein Familienvater, stirbt noch auf dem Asphalt.
Der Tatort am Montag, 15. Mai: An der Dickenbruchstraße in Hagens Stadtteil Haspe metzelt der Gütersloher den Bruder (53) seiner Ex-Frau mit 24 Messerstichen nieder. Das Opfer, ein Familienvater, stirbt noch auf dem Asphalt. Foto: Michael Kleinrensing/Westfalenpost

Damit bestrafte das Hagener Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Marcus Teich das brutale Geschehen härter als zunächst erwartet. Denn ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft zum Prozess-Auftakt im vergangenen November den Gütersloher »nur« wegen Totschlags angeklagt.

Im Rahmen der Hauptverhandlung lösten sich dann nicht nur zahlreiche Schutzbehauptungen des Angeklagten in Luft auf – die Schwurgerichtskammer des Hangener Landgerichts erkannte abschließend »niedere Beweggründe« als eindeutige Merkmale eines Mordes, folgte damit zum Ende der Beweisaufnahme auch einem entsprechenden Antrag der Anklagebehörde.

Was war geschehen? So hatte der zum Tatzeitpunkt 59 Jahre alte Gütersloher seinen in Hagen lebenden Ex-Schwager ursprünglich dazu bewegen wollen, auf dessen Schwester einzuwirken. Die hatte sich nach 28 Jahren Ehe schon 2012 von dem offenbar aggressiven Gütersloher mit osteuropäischen Wurzeln getrennt. Seither aber soll der Mann mehrfach versucht haben, seine Ex-Frau für sich zurückzugewinnen, auch soll er sie mehrfach bedroht haben.

Am Montagnachmittag, 15. Mai, versuchte der Gütersloher schließlich, seinen Ex-Schwager in Hagen-Haspe dazu zu überreden, die Frau umzustimmen. Als der 53-Jährige da offenbar nicht mitspielen wollte, griff der Gütersloher zu anderen Mitteln: Auf offener Straße metzelte er den Ex-Schwager mit 24 Messerstichen nieder. Die Tat ereignete sich gegen 16.30 Uhr vor den Augen mehrerer Zeugen und sorgte für großes Aufsehen in Hagen. »Es war wie in einem Horrorfilm«, sagte damals ein Betroffener schockiert. Das Opfer sank blutüberströmt auf der Dickenbruchstraße zusammen, Passanten leisteten Erste Hilfe, doch auch ein Notarzt konnte den Familienvater nicht mehr retten.

Der Täter floh, stellte sich aber etwa eineinhalb Stunden später auf der Wache der Kreispolizeibehörde Gütersloh und gestand den Mord. Anschließend kam der Mann in ein psychiatrisches Fachkrankenhaus, doch ein Gutachter attestierte ihm volle Schuldfähigkeit. Folglich wurde der Angeklagte in Untersuchungshaft genommen.

Im Prozess versuchte der Angeklagte dann mit diversen Schutzbehauptungen, die Tat irgendwie zu rechtfertigen: So sagte der Gütersloher aus, total betrunken gewesen zu sein und einen »Blackout« gehabt zu haben. Später sprach er auch von Notwehr – der Ex-Schwager habe ihn anfangs attackiert.

Doch sowohl ein auf der Gütersloher Polizeiwache am Tattag durchgeführter Alkoholtest als auch zahlreiche Zeugen-Aussagen von der Dickenbruchstraße enttarnten diese Lügen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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