Gütersloh: Auswirkungen auf Gewerbeflächen unklar – neuer Landschaftsplan Flugplatz wird Nationales Naturerbe

Gütersloh (WB). Der Flugplatz Gütersloh wird Nationales Naturerbe. Er bleibt damit im Besitz des Bundes und wird künftig von der Bundesforstverwaltung gepflegt. Welche Folgen das für ein nebenan geplantes Gewerbegebiet hat, konnte Stadtbaurätin Nina Herrling im Planungsausschuss noch nicht beantworten.

Von Stephan Rechlin
Die Britische Armee hat es gut 70 Jahre lang auf den Flächen rechts und links ihrer Start- und Landesbahn sprießen lassen. Dadurch ist ein ökologisches Juwel gewachsen, das der Bund jetzt zum Nationalen Naturerbe erklärt hat.
Die Britische Armee hat es gut 70 Jahre lang auf den Flächen rechts und links ihrer Start- und Landesbahn sprießen lassen. Dadurch ist ein ökologisches Juwel gewachsen, das der Bund jetzt zum Nationalen Naturerbe erklärt hat. Foto: Wolfgang Wotke

»Mögliche Abstandsflächen werden sicher nicht auf der Naturfläche angesiedelt«, stellte sie fest. Die künftige Naturschutzfläche in der Kaserne umfasst 222 Hektar. Das entspricht rund 43 Prozent der Flächen, die dem neuen Landschaftsplan zufolge in Gütersloh zusätzlich zu den bereits vorhandenen 299 Hektar Naturschutzfläche hinzukommen sollen. Die restlichen 57 Prozent sind also 298 Hektar und damit eine Verdoppelung dieser Schutzgebiete – ohne Kaserne.

Für den immer wieder aufflammenden Streit um die Fällung einzelner Bäume in der Gütersloher Innenstadt dürfte das eine enorme Bedeutung haben. Bei den zahlreichen Feuchtwiesen, Auen, kleinen Wäldern oder Magerrasenflächen handelt es sich um ökologisch wertvolle Funktionsräume – weitaus wichtiger etwa als eine auf dem Rathausplatz geplante »grüne Mitte«. Im Landschaftsplan werden aber auch singuläre Dünen, Einzelbäume und Landwehre verankert, die so genannten Naturdenkmäler, die immerhin vier Hektar der künftigen Naturschutzfläche einnehmen.

Wirtschaftliche Bedrohung

Für so manchen im Stadtteil lebenden Bürger, vor allem aber für Landwirte, stellt der flächendeckende Naturschutz dagegen eine wirtschaftliche Bedrohung dar. Rücken die Grenzen dieser gesetzlich ausgewiesenen Gebiete an ihre Gärten und Äcker heran, darf nicht mal eben so weiter gedüngt, Unkraut bekämpft, angebaut oder gefällt werden. Jeder Handschlag erfordert dann eine Ausnahmegenehmigung.

Im Planungsausschuss rechneten Wilhelm Gröver und Hans-Martin Bröskamp vom Umweltamt des Kreises darum auch mit einigen hundert Eingaben im seit November laufenden Beteiligungsverfahren. Doch die bisherigen Gespräche laufen Gröver zufolge entspannt: »Die Landwirte sind sehr aufgeschlossen für das Thema. Sie brauchen nur etwas Zeit, um die vielen Vorschläge prüfen zu können.« Bisher gilt eine Eingabefrist bis Ende März kommenden Jahres. Die Kreisstelle Gütersloh der Landwirtschaftskammer teilt auf Nachfrage mit, bis Ende Januar Stellung nehmen zu können.

Das letzte Wort wird der Kreistag haben. Nach Abwägung der verschiedenen Einwände wird er eine Satzung verabschieden und den Landschaftsplan bei der Bezirksregierung anzeigen. Bis der Plan Rechtskraft erlangt, kann es weitere zwei bis drei Jahre dauern. Doch wenn die Gebiete erst einmal vereinbart sind, wird die Natur darauf in Ruhe weiter sprießen können.

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