Kabarettisten-Trio »Storno« rechnet in der Stadthalle Gütersloh mit allen ab Vom inkontinenten Kontinent

Gütersloh(WB). Es ist eigentlich irrelevant, was in der Welt gerade so los ist: Thomas Philipzen, Harald Funke und Jochen Rüther machen aus allen Beobachtungen herrlichstes Kabarett. Dass im derzeitigen Polit-Zirkus allerlei Kurioses vonstatten geht, spielt dem Trio zusätzlich in die Karten.

Von Hendrik Christ
Mal derb, mal subtil: Jochen Rüther, Thomas Philipzen und Grimassen-Spezialist Harald Funke (von links) zeigen sich in der Stadthalle Gütersloh von ihrer besten Seite.
Mal derb, mal subtil: Jochen Rüther, Thomas Philipzen und Grimassen-Spezialist Harald Funke (von links) zeigen sich in der Stadthalle Gütersloh von ihrer besten Seite. Foto: Hendrik Christ

In ihrem Bühnenprogramm »Storno« machen sie die Abrechnung mit Koalitionsbildung, Leitkultur und Autoindustrie und ließen die restlos ausverkaufte Stadthalle dabei toben. Zuerst bekamen die Parteien ihr Fett weg. Bei allen Diskussionen um GroKo, KoKo und Spacko wurde Jamaika schnell vergessen, bedauerte Thomas Philipzen: »Dabei habe ich mir das gerade schön gekifft.«

Merkel soll Kaiserin von Europa werden

Man sei nicht mehr in der Lage, Kompromisse zu machen. Für Jochen Rüther liegt der Schlüssel zur Lösung in der Monarchie. Er will Angela Merkel zur Kaiserin von Europa krönen: »Der Kontinent ist inkontinent. Angie ist die Windel.«

Stattdessen deutet nun viel auf eine Koalition von Union und SPD hin – obwohl die Sozialdemokraten dies nach der Wahl kategorisch ausschlossen. »Jetzt reißt Angie der SPD den Arsch so weit auf, bis er ergebnisoffen ist«, stellt Jochen Rüther fest.

Storno steht für feinste Humorspitzen – mal subtil, mal derb. Spitzenpolitiker müssen tapfer sein, wenn sie die Kabarett-Wahrheit über sich ertragen wollen. Martin Schulz etwa sei der Heiland aus Würselen, ausgerufen vom Erzengel Gabriel, geboren von der Jungfrau Nahles – in Teilzeit.

Frauke Petry auf Zwangsdiät

Christian Lindner sei die Heidi Klum der deutschen Politik und bei den Grünen musste Kathrin »Boring-Eckardt« als Spitzenkandidatin gewählt werden, weil sie als einzige Frau für die Doppelspitze kandidierte. Mit Demokratie hat das höchstens indirekt zu tun. »Bin ich der einzige, der da an das dicke Kind in Nordkorea denkt?«, fragt sich Grimassen-Spezialist Harald Funke in Anbetracht der Urwahl.

Doch die drei sind nicht frei von Empathie und können auch mitleidig. Frauke Petry ist zwar nicht mehr in der AfD, sitzt aber noch im Bundestag und muss jeden Montag gut 10.000 Euro dafür annehmen. »Sowas nenne ich Zwangsdiät«, echauffierte sich Thomas Philipzen.

Klimakatastrophe lieber im SUV

Letztlich sei das alles müßig, denn Deutschland sei ohnehin eine Autokratie. Die Herrschaft geht vom Auto aus. »Wenn wir das Klima an die Wand fahren, will ich wenigstens im SUV sitzen«, fordert Philipzen. »In meinem SUV habe ich Energiesparlampen.« Willkommen in »Audi-Arabien«. Das Auto ist nun mal ein Teil der deutschen Leitkultur, anders als Wehrmachtskult oder Fremdenhass. Vielmehr sehnt man sich nach Angrillen im Frühjahr, weißen Socken in Sandalen oder Funktionskleidung im Partnerlook.

Stattdessen wurde dem kulturell-überforderten mittelalten Mann viel zugemutet. Die Ehe für alle etwa, die Harald Funke gar nicht so übel findet: »Warum sollte es dem Homosexuellen besser gehen als mir?« Sein Kollege und CSU-Freund Thomas Philipzen ist sich da nicht so sicher: »Kinder sind doch gottgewollt, zwischen Mann und Sekretärin.«

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