Landgericht verhandelt Überfall auf Juwelier in Spiekergasse Täter drohten mit Sprengsätzen

Gütersloh/Bielefeld/Herford (WB). Jetzt wird auch den mutmaßlich Drahtziehern der Prozess gemacht: Seit gestern müssen sich zwei Italiener, die bereits seit längerer Zeit in Deutschland leben, wegen zwei Raubüberfallen auf Juweliere in Gütersloh und Herford gerichtlich verantworten.

Von Steve Wasyliw
Nur acht Minuten brauchten die Täter am 16. April, um den Juwelier in der Spiekergasse auszurauben.
Nur acht Minuten brauchten die Täter am 16. April, um den Juwelier in der Spiekergasse auszurauben.

Gestern startete die juristische Aufarbeitung gegen die Hintermänner des brutalen Schmuckraubs vom 16. April . Gegen 14.35 Uhr sollen vier Männer an jenem Tag den Schmuckhandel »GT-Gold« in der Spiekergasse betreten haben und unter Androhung der Zündung von vermeintlichen Sprengsätzen am Köper sämtliche Wertgegenstände sowie Bargeld von einer Mitarbeiterin herausgefordert haben.

Nach nur acht Minuten sollen die Täter mit Schmuck im Wert von 336.000 Euro sowie Bargeld in Höhe von 33.000 Euro in Richtung Münsterstraße geflohen sein. Gestern gestand der in Bielefeld wohnhafte Giuseppe R., die Räuber mit einem Fluchtwagen eingesammelt zu haben. Anschließend sei man in ein Bielefelder Hotel geflüchtet.

Suche nach lohnenswerten Opfern

Laut Staatsanwaltschaft soll der 41-Jährige Kopf der italienischen Raubbande sein. Ihm soll die Aufgabe zugekommen sein, Juweliere in der Region auszukundschaften und anschließend zu bewerten, ob ein Raub lohnenswert erscheint. Auch soll es R. gewesen sein, der den Fluchtwagen kaufte und Schlafmöglichkeiten für die aus Sizilien angereisten Räuber anmietete.

Der gebürtige Sizilianer, der seit 1998 in Deutschland lebt, räumte am ersten Verhandlungstag über eine Erklärung seines Anwalts Ulrich Kreft ein, bei dem Überfall unterstützend geholfen zu haben. Über die genaue Tatdurchführung will der Bielefelder nicht informiert gewesen sein. Zwar habe er zu einem finanziell lukrativen Raub geraten – »Wenn ihr viel Geld wollt, muss es ein Raub sein« - jedoch blieb er bei der Tatausführung stets im Hintergrund, so die Aussage.

Neben Giuseppe R. ist auch Alessio S., ein 32-jähriger Mann aus Kempen im Allgäu, angeklagt. Die beiden Sizilianer kennen sich seit Jugendzeiten. Verteidiger Vincenzo Copertino ließ das Gericht auf eine spätere Einlassung seines Mandanten hoffen. Die Staatsanwaltschaft wirft S. vor, die weiteren Räuber aus Italien ausgewählt und die Beute aufgeteilt zu haben. Nach Überzeugung von R. erhielt jeder Tatbeteiligte lediglich 250 Euro. Insgesamt seien nur 4.300 Euro Bargeld erbeutet worden.

SEK nimmt Täter in Herford fest

Neben dem Gütersloher Raub ist das Duo auch wegen eines Überfalls in Herford angeklagt. Am 11. Mai soll die Raubbande ebenfalls bei einem Juwelier mit insgesamt 120.000 Euro geflohen sein. Dort kam es schließlich zur Festnahme durch eine Einheit des SEKs.

Die Strafkammer setzt für die strafrechtliche Aufarbeitung acht Verhandlungstage an. Der Prozess wird am 8. Januar fortgesetzt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.