Gütersloh: Naturschutzverbände wollen kein Gewerbe an Marienfelder Straße Einspruch gegen Industriegebiet

Gütersloh (WB). Die Naturschutzverbände lehnen die nördlich der Marienfelder Straße (B 513) geplante Gewerbefläche ab. Über das Landesbüro der Naturschutzverbände haben sie dagegen bei der Bezirksregierung Einspruch eingelegt.

Von Stephan Rechlin
Die Naturschutzverbände haben die Sportflächen gegenüber der Princess-Royal-Kaserne in den Blick genommen. Sie lehnen das dort geplante Gewerbegebiet ab, weil es sich um einen »naturschutzfachlich hochwertigen Teilbereich« handele.
Die Naturschutzverbände haben die Sportflächen gegenüber der Princess-Royal-Kaserne in den Blick genommen. Sie lehnen das dort geplante Gewerbegebiet ab, weil es sich um einen »naturschutzfachlich hochwertigen Teilbereich« handele. Foto: Carsten Borgmeier

Es geht um gut 24 Hektar Fläche, die direkt gegenüber des Haupteingangs der Princess-Royal-Kaserne liegen. Auf 59 Prozent dieses Areals liegen einst von der britischen Armee genutzte Sportplätze, eine Sporthalle und Jugendräume. 27 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt. Die übrigen 14 Prozent verteilen sich auf eine Resthofanlage, zwei Waldflächen und mehrere Gehölzstreifen.

Das Landesbüro der Naturschutzverbände NRW ist eine gemeinsame Einrichtung des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), der Landesgemeinschaft Natur und Umwelt (LNU) und des Naturschutzbundes Deutschland NRW (NABU). Es nimmt Stellung zu Planvorhaben, wenn Behörden wie die Bezirksregierung Detmold es dazu auffordert – so wie in diesem Fall.

Naturschutzverbände bestreiten den Bedarf

Die Naturschutzverbände bestreiten den Gewerbeflächenbedarf der beiden Kommunen Gütersloh und Harsewinkel – auf deren Gebiete verteilt sich die umstrittene Fläche im Verhältnis 11 zu 13 Hektar. Gegenüber der Bezirksregierung hätten beide Städte zusammengenommen 72 Hektar angemeldet – ein Bedarf, der durch das auf dem Flugplatz geplante, mehr als 100 Hektar große Gewerbegebiet mehr als erfüllt werde. Die zusätzlichen 24 Hektar an der Marienfelder Straße seien also gar nicht nötig.

Darüber hinaus handele es sich bei dieser Fläche um »naturschutzfachlich hochwertige Teilbereiche«, die unter anderem alten Baumbestand aufwiesen. Es handele sich zudem um eine parkartige Landschaft mit einem hochwertigen Landschaftsbild. Schließlich sei das Areal entlang des Welplagebaches ein festgesetztes Überschwemmungsgebiet, in dem gar nicht gebaut werden dürfe. Das Landesbüro äußert in seiner Stellungnahme den Verdacht, dass den Kommunen dieses Areal nur zugestanden werde, um die riskante Erschließung des gesamten interkommunalen Gewerbegebietes besser finanzieren zu können.

Kein Naturschutzgebiet

In ihrer Erwiderung vermag die von Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl geführte, regionale Planungsbehörde keinen naturschutzfachlich hochwertigen Teilbereich zu erkennen. Mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Gütersloh und der Landwirtschaftskammer stimmt die Bezirksregierung überein, dass es sich bei den 24 Hektar »überwiegend um einen baulich vorgeprägten Bereich handelt.« Die Fläche sei weder als Landschaftsschutz- noch als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Der tatsächliche Gewerbeflächenbedarf der beiden Kommunen ergebe sich nicht aus der Flächenanmeldung für den Flugplatz sondern aus einer auf 20 Jahre angelegten Planung. Werden vorhandene Reserveflächen in Harsewinkel und Gütersloh davon abgezogen, liege dieser Bedarf bei 125 Hektar – er decke damit die an der Marienfelder Straße gewünschten 24 Hektar mit ab. Wenn die Gewerbeflächen hier angeboten werden könnten, müsse kein Boden mehr innerhalb der Kommunen versiegelt und bebaut werden.

Welplagebach wird verlegt

Mit der geplanten, teilweisen Verlegung des Welplagebaches verschiebe sich auch das Überschwemmungsgebiet. In einer Sekundäraue würden neue Retentionsflächen geschaffen, die das gesamte Areal gewässerökologisch und naturschutzfachlich aufwerte. Auf Anregung des Landesbüros wird die TWE-Anbindung mit eingeplant. Der Regionalrat berät den Plan am 11. Dezember.

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