Prostitutionsschutzgesetz gilt seit 1. Juli – Kontrollen laufen im Kreisgebiet Kritischer Blick ins Rotlicht-Milieu

Gütersloh (WB). Um Menschenhandel in der Rotlichtszene einzudämmen, ist am 1. Juli in Deutschland das Prostitutionsschutzgesetz in Kraft getreten. Es gibt Behörden wie Gütersloher Polizei und Kreisverwaltung erstmals die rechtliche Handhabe, Bordelle zu überprüfen. Bei einer Kontrolle durfte das WESTFALEN-BLATT jetzt exklusiv dabei sein.

Von Carsten Borgmeier
Merissa Gabor und Peter Loibl aus der Abteilung Ordnung der Kreisverwaltung Gütersloh schauen sich alle Räume des Bordells an der Verler Straße 408 an und machen sich dazu Notizen.
Merissa Gabor und Peter Loibl aus der Abteilung Ordnung der Kreisverwaltung Gütersloh schauen sich alle Räume des Bordells an der Verler Straße 408 an und machen sich dazu Notizen. Foto: Carsten Borgmeier

Im unscheinbaren Dienstwagen fahren Sachgebietsleiter Peter Loibl (49) und Merissa Gabor (27) aus der Abteilung Ordnung der Kreisverwaltung auf den von der Verler Straße nicht einsehbaren Parkplatz von »Haus 408«. Sie sind angemeldet, ebenso wie zwei Kriminalbeamte der Gütersloher Polizei. Da sie oftmals auch verdeckt in der Szene ermitteln, werden ihre Namen hier nicht genannt, ihre Gesichter nicht gezeigt.

Es handelt sich bei dem Besuch um die kreisweit erste Kontrolle im Rahmen des neuen Gesetzes. Vom »Haus 408« liegen nach Angaben von Peter Loibl alle erforderlichen Unterlagen vollständig vor, weitere zwölf Prostitutionsbetriebe, darunter auch Wohnungen, müssten noch Dokumente nachreichen. Auch die würden dann überprüft. »Die Frist läuft bis Ende des Jahres«, erklärt der Sachgebietsleiter.

Menschenhandel und Kriminalität sollen bekämpft werden

Schon beim Antrag zur Erlaubnis, ein Bordell führen zu dürfen, werden die Betreiber jetzt ordentlich durchleuchtet: Wie Loibl ausführt, fragt seine Abteilung nicht nur entsprechende Schuldner-Register ab, sondern hält auch Rücksprache mit dem Landeskriminalamt (LKA), kontrolliert zudem erforderliche Baugenehmigungen oder Gewerbekonzessionen.

Am und im »Haus 408« ist jedoch alles soweit in Ordnung: Peter Loibl und Kollegin sowie die beiden Polizisten haben sich von dem Betreiber-Ehepaar alle Räumlichkeiten zeigen lassen. Gesetzlich vorgeschrieben ist seit Juli nun in den Zimmern der käuflichen Damen ein Alarmknopf, den sie bei gewalttätigen Freiern drücken können. Während Loibl einen dieser Knöpfe zum Test drückt, achtet Kollegin Gabor unten im Thekenbereich darauf, dass das Alarmsignal auch blinkt.

Im »Haus 408« gibt es nichts zu beanstanden

Pflicht ist zum Beispiel in jedem der Zimmer auch ein Hinweis auf die Kondompflicht. Sachgebietsleiter Loibl ist im »Haus 408« damit noch nicht ganz zufrieden. Die Pächterin (52) verspricht, die Hinweise in den Räumen besser sichtbar anzubringen. Während Loibl und Gabor die Zimmer, Toiletten und Ruheräume inspizieren, überprüfen die beiden Polizisten im Erdgeschoss die Personalien der anwesenden Prostituierten: Elena (23) aus Bulgarien, Chantal (25) und Anuta (21) aus Rumänien können sich einwandfrei ausweisen, sprechen sogar etwas Deutsch.

»Alles in Ordnung, wir müssen niemanden mit zur Wache nehmen«, sagt der 55-jährige Kripo-Mann, der seit geraumer Zeit in der Gütersloher Rotlichtszene ermittelt. Auch wenn jüngst im »Haus 408« nichts zu beanstanden sei, so gebe es für die Polizei in der Branche aber »viel Arbeit«, sagt der Kriminalhauptkommissar am Rande.

Junge Frau verdiente 30.000 Euro im Monat

Wie es in der Branche zugehe, beschreibt der Beamte an einem aktuellen Fall: Da habe eine junge Rumänin in einem Bordell im Kreisgebiet pro Monat etwa 30.000 Euro verdient. Pro Freier habe sie 100 Euro genommen, berichtet der Polizist. »Das waren also durchschnittlich zehn Männer pro Tag«, berichtet der 55-Jährige.

Wie weitere Ermittlungen ergeben hätten, habe das Mädchen aber seine gesamten Einnahmen an den Zuhälter, ein rumänischer »Dorf-Fürst«, abgeben müssen. Der habe sich davon in seiner Heimat einen prächtigen Palast bauen können. »Als die junge Frau hier schwanger wurde, gab er ihr zehn Euro, um das Kind abtreiben zu lassen.«

Durch die offenen Grenzen der Europäischen Union (EU) ist nach Angaben von Peter Loibl schwer abzuschätzen, wie viele Menschen, hauptsächlich Frauen, sich im Kreisgebiet prostituierten. Man gehe von etwa 100 Personen aus.

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