Gelungenes Weihnachtsmärchen im Theater Gütersloh Dornröschen erfrischend anders

Gütersloh (WB). Da soll mal einer sagen, die Jugend sei nicht mehr für Kultur zu begeistern: Am Sonntagnachmittag strömten sie zu Hunderten ins Theater, um die Ersten zu sein, die das Weihnachtsmärchen »Dornröschen« sahen.

Von Jan Hermann Ruthmann
Feiern fröhlich Weihnachten: der König, der Hofmarschall (Robert Will), Dornröschen und Prinz Achmed.
Feiern fröhlich Weihnachten: der König, der Hofmarschall (Robert Will), Dornröschen und Prinz Achmed. Foto: Jan Hermann Ruthmann

Das Märchen von der schlafenden Schönen kennt eigentlich jeder. Adaptionen des Märchens gibt es mehr als genug.

Das Landestheater Detmold entwickelte mit Christian Schäfer, Künstlerischer Leiter des Gütersloher Theaters, und der Bielefelder Rockband »Randale« eine musikalische Inszenierung, die ihresgleichen sucht. Die Zuschauer werden direkt mit dem schrillen König konfrontiert, der dem armen Hofmarschall Salven von Namensvorschlägen für sein Kind um die Ohren wirft. Er rechnet fest mit einem Sohn.

13 weise Jungfrauen, aber nur zwölf goldene Teller

Doch es läuft nicht so wie geplant. Alle seine Vorstellungen sind hinfällig, als die Hebamme mit einem Mädchen auf dem Arm zu ihm kommt. Einen Namen hat es auch schon: »Dornröschen«, so hat es seine Frau genannt. Schon bald steht die Taufe an. Eingeladen sind eigentlich nur die 13 weisen Jungfrauen, um ihre Segenswünsche für das Kind zu sprechen.

Bedauerlicherweise finden sich im Palast des Königs nur zwölf goldene Teller, deshalb lädt man kurzerhand eine der Jungfrauen aus. Das Unglück nimmt seinen Lauf, als die Ausgeladene davon erfährt, zur Taufe kommt und das Kind verflucht.

Laut ihrer düsteren Prophezeiung wird Dornröschen sich an ihrem 15. Geburtstag mit einer Spindel stechen und sterben. Eine der Jungfrauen versucht noch zu retten, was zu retten ist und verwandelt den Tod in einen 100-jährigen Schlaf.

Dornröschens Eltern fahren ohne sie zu »Rock am Ring«

Als Präventivmaßnahme gegen das Unglück lässt der König kurzerhand alle Spindeln im Land verbrennen – man braucht sie ja eh nicht, denn Strickwaren kommen ja in der Neuzeit aus Bangladesch. Problem gelöst.

Nun macht das Stück einen Zeitsprung und setzt an Dornröschens 15. Geburtstag wieder ein. Ihre Eltern sind ohne sie zu »Rock am Ring« gefahren und der Hofmarschall hat die Verantwortung für sie. Gekonnt wimmelt sie ihn ab und gelangt in die geheimnisvolle Spinnstube, wo die letzte Spinnerin seit einer Ewigkeit spinnt.

Dort sticht sie sich wie prophezeit mit der Spindel in den Finger und fällt in einen hundertjährigen Schlaf – und das ganze Schloss mit ihr. Während dieser Zeit bewacht die Firma Dornen & Hecke Security GmbH das Schloss, als kurz vor Ablauf der 100 Jahre Prinz Achmed vom Euphrat kommt, um die Prinzessin zu wecken.

Im Internet hat er ein Bild von ihr gesehen, von ihrer traurigen Geschichte gehört und sich dann auf den weiten Weg gemacht, um die schöne Prinzessin zu retten. Dornröschen ist sehr angetan vom jungen Prinzen. Sie stellt ihn ihren Eltern vor und sie beschließen noch am selben Tag, Weihnachten zu feiern – man hatte das schließlich 100 Jahre nicht mehr getan.

Imposantes Bühnenbild und schrille Kostüme

Wenja Imlau brillierte als lautes, verzogenes Prinzessinnen-Pubertier. Prinz Achmed vom Euphrat wurde verkörpert durch Thomas Ehrlichmann. Robert Will spielte den Hofmarschall und Stephanie Pardula die schrille Königin. Nils Willers verkörperte brillant den König.

Christian Schäfer und Jochen Vahle ist es gelungen, das alte Grimm-Märchen in unsere heutige Zeit zu versetzen. Mit einem imposanten Bühnenbild und schrillen Kostümen, die zumindest im Falle der Königin an das Musical »Starlight Express« erinnern, war das Weihnachtsmärchen erfrischend anders. Die Musik von »Randale« brachte die jungen Zuschauer zum Ausrasten. Nach anderthalb Stunden verließen die Macher unter tosendem Applaus die Bühne.

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