Auch OWL betroffen – Zuwächse aber in Bielefeld, Paderborn und Minden-Lübbecke Wohnungsbau rückläufig

Bielefeld (dpa/WB/bex). Trotz vielerorts angespannter Situation sind in NRW weniger Wohnungen entstanden. Im ersten Halbjahr wurden 26.156 Wohnungen genehmigt. Das waren etwa 5300 (16,7 Prozent) weniger als im Vorjahreszeitraum.

Trotz steigenden Bedarfs gerade in Großstädten sind NRW-weit im ersten Halbjahr weniger Wohnungen entstanden.
Trotz steigenden Bedarfs gerade in Großstädten sind NRW-weit im ersten Halbjahr weniger Wohnungen entstanden. Foto: imago

Immobilieneigentümer und Mieterschützer sorgen sich um bezahlbare Mieten. Doch unter anderem in Köln und auch in Münster brachen die Zahlen ein, wie aktuelle Zahlen des statistischen Landesamtes belegen. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Baugenehmigungen in NRW noch deutlich gestiegen – um fast 42 Prozent.

»Für uns ist das ein schlechtes Signal«, sagte Silke Gottschalk, Geschäftsführerin des Deutschen Mieterbundes NRW. Es sei wichtig, dass bezahlbarer Wohnraum in den Ballungsräumen des Landes entstehe. »Da ist der Bedarf enorm.« Das Problem: Irgendwann sei auch in Städten wie Köln, Düsseldorf oder Essen das Maß erreicht und keine Fläche für den Bau mehr zu finden. Auch die Zahl der genehmigten Wohnungen in bestehenden Gebäuden, zum Beispiel in ausgebauten Dachgeschossen, sank NRW-weit – sogar um 34,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

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Wer sein Dachgeschoss ausbaut, der muss einen Stellplatz zur Verfügung stellen. Das kostet und das schreckt ab.

Erik Uwe Amaya, Verbandsdirektor Haus & Grund Rheinland

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»Wer sein Dachgeschoss ausbaut, der muss einen Stellplatz zur Verfügung stellen. Das kostet und das schreckt ab«, erklärt Erik Uwe Amaya, Verbandsdirektor beim Eigentümerverband Haus & Grund Rheinland. Er sieht einen wichtigen Grund für den Rückgang in der unter der alten Landesregierung geplanten Verschärfung der Bauordnung, die vor allem Eigentümer zur Kasse gebeten hätte.

Die Situation vor Ort ist jedoch sehr unterschiedlich: Während sich in einigen Kommunen die Zahl genehmigter Wohnungen mehr als verdoppelt hat, ist sie andernorts um fast die Hälfte zurückgegangen. So wurden in Krefeld im ersten Halbjahr 309 Wohnungen genehmigt (plus 247,2 Prozent), in Bonn 53,6 Prozent weniger (470 neue Wohnungen).

In Höxter sind Mieten gleichbleibend

In OWL wurden im ersten Halbjahr 3597 Baugenehmigungen erteilt (minus 5,8 Prozent). In Bielefeld waren es 742 (plus 2,1 Prozent), im Kreis Paderborn 832 (plus 26,1 Prozent), im Kreis Minden-Lübbecke 497 (plus 10,2 Prozent).

In den anderen OWL-Kreisen gab es zum Teil kräftige Rückgänge: Kreis Gütersloh 801 (minus 27,2 Prozent), Kreis Lippe 287 (minus 4,0 Prozent), Kreis Herford 235 (minus 35,6 Prozent), Kreis Höxter 203 (minus 6,0 Prozent). Höxter hat eine Sonderstellung: Es ist NRW-weit der einzige Kreis, in dem die Mieten nicht gestiegen sind und wo die Nettokaltmiete im Durchschnitt unter 5 Euro pro Quadratmeter liegt. Das besagt eine Statistik des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung.

Die FDP-Fraktion sieht Handlungsbedarf. Im Koalitionsvertrag seien bereits konkrete Maßnahmen vereinbart worden. So sollen verbindliche Bearbeitungsfristen für Bauanträge in den Kommunen eingeführt werden, kündigte am Freitag der baupolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Stephen Paul (Herford), an.

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