»Wildparker« auf der Autobahn – Studie zeigt Lösungen auf – Erweiterung bei Verl Kaum Platz für Lastwagen

Duisburg/Gütersloh (dpa). Schock beim Einbiegen auf den Rasthof: Halb in der Einfahrt steht ein Lastwagen, der keinen Parkplatz gefunden hat. Solche Klagen häufen sich – auch Beschwerden über wild geparkte Lkw in Wohngebieten. Eine Studie der Uni Duisburg-Essen zeigt mögliche Lösungen auf.

Hier geht es eng zu: Lastwagen stehen an der Rastätte Siegerland Ost an der A45 bei Freudenberg. So voll ist es fast überall.
Hier geht es eng zu: Lastwagen stehen an der Rastätte Siegerland Ost an der A45 bei Freudenberg. So voll ist es fast überall. Foto: dpa

Lebensgefahr auf der Autobahn durch geparkte Lastwagen, Belästigung durch Lärm und Müll von »Wildparkern«, Lkw-Fahrer, die aus Angst vor Überfällen nicht mehr ruhig schlafen können – der Mangel an Lkw-Parkplätzen auf Autobahnen und an Autohöfen wird immer drückender.

Neue Parkplätze brächten zwar Erleichterung, könnten mit dem starken Wachstum des Lkw-Verkehrs – bundesweit plus 39 Prozent bis 2030 – aber nicht Schritt halten, sagt der Sprecher des Speditions-Branchenverbandes VVWL, Marcus Hover.

An der A2 bei Verl entstehen 55 neue Lkw-Parkplätze

Allein auf den Autobahnraststätten in NRW fehlen etwa 4000 Stellplätze für Lastwagen. 453 Stellflächen sind in Bau – darunter in OWL an der Autobahn 2 auch auf den beiden Raststätten Heideplatz und Sürenheide bei Verl.

Der Rastplatz Heideplatz (bisher 9 Lkw-Plätze) erhält 27 neue Abstellplätze für Lastwagen und kommt künftig auf 36. Die gleiche Anzahl erhält der gegenüberliegende Rastplatz Sürenheide (bisher 8).

Besonders groß sei der Bedarf an beleuchteten Parkplätzen mit Zaun, weil aus ungeschützt abgestellten Lkw immer häufiger nachts die Ladung gestohlen werde. In NRW gibt es an den Autobahnen insgesamt 6345 Lkw-Plätze und 8718 Parkplätze für Pkw.

Parkplatz-Apss führen teils zu ungeeigneten Standorten

In einer aktuellen, noch unveröffentlichten Studie der Universität Duisburg-Essen zusammen mit der IHK Niederrhein wird nach Lösungen für Kommunen, Verkehrswirtschaft und Unternehmen gesucht. Natürlich seien deutlich mehr Parkplätze nötig. Zugleich müsse der Verkehr mit lokaler Beschilderung und digitalen Parkleitsystemen aber auch besser zu den bestehenden Parkplätzen geführt werden, heißt es.

Bisher würden Parkplatz-Apps fürs Handy vielfach von den Fahrern selbst aktualisiert und führten teils zu ungeeigneten Standorten. Zudem könnten die knappen Parkflächen mit digitaler Steuerung besser ausgenutzt werden – etwa, indem Doppelparkplätze nach Abfahrtszeit in der richtigen Reihenfolge angefahren würden und so Rangierfläche gespart werde.

»Kompaktparken« wird auf einzelnen Rastanlagen getestet

Das sogenannte Kompaktparken werde bereits auf einzelnen Rastanlagen und Autohöfen getestet, sagt Andreas Hoene vom Zentrum für Logistik und Verkehr der Hochschule, der an der Studie mitgearbeitet hat. Ein digitales Anmelde- und Reservierungssystem mit Nennung der Abfahrtszeit könne dabei viel Platz sparen.

Mit Parkplatz-Management für Lkw lasse sich womöglich auch Geld verdienen. Der Bedarf nach bewachten Parkplätzen sei groß, auch wenn nicht jeder Lkw-Fahrer bereit oder in der Lage sei, für seinen Parkplatz zu zahlen, sagt Hoene. Ein Stellplatz auf einem privatbetriebenen Lkw-Autohof kostet über Nacht etwa zehn Euro, die meist anteilig als Verpflegungsgutschein angerechnet werden.

Wünschenswert sei auch die Öffnung ungenutzter Betriebsparkplätze für Fremdunternehmen – ein Parkplatz-Sharing, ebenfalls digital gesteuert. Hier gebe es bereits erste Modelle etwa von Bosch in Stuttgart.

Enge Zeitfenster in heutigen Logistikketten

Außerdem könnten Ausweichparkplätze mit Self-Check-in-Terminals, Verpflegung und Toiletten für zu früh oder zu spät gekommene Lastwagen eingerichtet werden. Denn heutige Logistikketten sind eng aufeinander abgestimmt. Kommt es an einem Logistik-Hub zu Verspätung bei Bahn oder Schiff, müssen auch Lkw auf ihre Ladung warten.

Die Lkw bekommen für die Einfahrt in große Werke aber zunehmend enge Zeitvorgaben. Oft bilden sich deshalb insbesondere in den frühen Morgenstunden vor den Werkstoren lange Schlangen im Gewerbegebiet. Thyssenkrupp in Duisburg baue etwa derzeit einen solchen Ausweich- oder »Pregate«-Parkplatz, der Hamburger Hafen arbeite bereits damit.

Für die Studie hatten die Forscher stichprobenartig die Auslastung auf einem großen Autohof in Duisburg mit 100 Lkw-Parkplätzen untersucht. Er sei nachts und am Wochenende regelmäßig voll. Hinzu kämen im Schnitt 15 bis 25 zusätzliche Lkw, deren Fahrer die letzten Meter nutzten, um nicht auf der Straße stehen zu müssen. Trotzdem hätten im Schnitt auch noch zehn bis 20 Lastwagen außerhalb des Hofes auf den angrenzenden Straßen geparkt.

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