Insektenvielfalt: Gütersloher Naturschützer geben Tipps für bunte Gärten Schmetterlinge kann man anlocken

Gütersloh (WB). Es gab eine Zeit, in der es im Frühjahr und Sommer an Bienen, Hummeln und Schmetterlingen nur so wimmelte. Ganz anders ist es heutzutage. Vor allem Schmetterlinge sind im heimischen Garten eher selten geworden. Aber das muss nicht sein – schon kleine Veränderungen in der Gartengestaltung tragen dazu bei, Schmetterlinge auch im eigenen Garten wieder erleben zu können.

Ein Zitronenfalter im Garten ist ein seltenes Bild geworden. Dabei kann jeder Hobbygärtner dazu beitragen, dass die Insektenvielfalt wieder ein wenig größer wird.
Ein Zitronenfalter im Garten ist ein seltenes Bild geworden. Dabei kann jeder Hobbygärtner dazu beitragen, dass die Insektenvielfalt wieder ein wenig größer wird. Foto: Stadt Gütersloh

Wie das geht, zeigten die Naturschützer Rainer Bethlehem, Ralf Külker sowie die städtischen Umweltberaterinnen Beate Gahlmann und Gisela Kuhlmann kürzlich im Rahmen des Gütersloher Schmetterlingssommers anhand zahlreicher Beispiele in einem Bauerngarten und im Botanischen Garten der Stadt.

80 Prozent Rückgang in 15 Jahren

Neonicotinoide – so heißt aktuell der größte Feind der Insekten, weiß Ralf Külker, Vorstandsmitglied im Naturschutzbund (NABU) des Kreisverbands Gütersloh. Zusammen mit anderen Insektiziden wurde das hochwirksame Gift in den vergangenen Jahren immer häufiger in der Landwirtschaft zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt – mit Folgen für die Artenvielfalt.

Allein in den vergangenen 15 Jahren verzeichneten die Naturschützer einen Rückgang von 80 Prozent der Masse an Insekten. Und mit 33 ausgestorbenen und 56 gefährdeten Schmetterlingsarten der einst 129 in Nordrhein-Westfalen vorkommenden Tagfalterarten sind auch die bunten Falter immer seltener auf den Wiesen und Feldern zu finden.

Zählaktion in Gütersloh

Im Rahmen der Gütersloher Zählaktion »Tagfalter bitte melden« freut sich die Umweltberatung Gütersloh über alle privaten Schmetter-lingsbeobachtungen, die auf dem Onlineportal »Naturgucker.de« eingetragen werden. Anlässlich des vermehrten Insektensterbens kann so ein Überblick über die Artbestände der Schmetterlinge in Gütersloh gewonnen werden. Weitere Infos über den Schmetterlingssommer, die Bestimmungshilfe zum Herunterladen und das Portal Naturgucker.de findet man unter www.schmetterlinge.gueters-loh.de. Bei weiteren Fragen können Beate Gahlmann und Gisela Kuhlmann unter Tel. 0 52 41 / 82 20 88 oder per E-Mail an beate.gahlmann@guetersloh.de oder gisela.kuhlmann@guetersloh.de weiterhelfen.

»In der Landwirtschaft ist es oft schwierig, Insektizide zu meiden, weil damit erhebliche Gewinneinbußen einhergehen können, aber im eigenen Garten kann man sehr gut darauf verzichten«, betont Beate Gahlmann. »Schon mit kleinen Veränderungen im eigenen Garten können wir gemeinsam Großes erreichen.«

Auch der Balkon kann Schmetterlinge erfreuen

Wie diese Veränderungen aussehen können, zeigt Rainer Bethlehem in seinem eigenen Bauerngarten: »Hier wächst alles, was hier hingehört, aber von vielen anderen Heimgärtnern immer weggemäht oder ausgerissen wird.« Von der Winterwicke über die Wiesen-Flockenblume bis hin zum Alant – der Insektenfreund hat in seinem naturbelassenen Garten ein breites Nahrungs- und Rückzugsangebot für die Schmetterlinge und deren Raupen geschaffen.

Aber auch wer keinen weitläufigen Naturgarten mit wilden Wiesen und großen Staudenflächen sein Eigen nennen kann, kann sich mit der richtigen Bepflanzung auch auf dem heimischen Balkon an allerlei Schmetterlingsarten erfreuen.

Die Auswahl der Pflanzen ist dabei besonders wichtig, betont Bethlehem: »Gefüllte Blüten sehen zwar oft eindrucksvoll aus, aber die Bienen, Hummeln und Schmetterlinge können nicht an den Nektar gelangen.«

Küchenkräuter sind beliebt

Die bessere Wahl seien daher Pflanzen mit ungefüllten Blüten, und auch da gäbe es ein großes Angebot. »Lavendel ist bei den Schmetterlingen immer sehr beliebt, aber auch Küchenkräuter wie Oregano, Thymian oder Minze eignen sich hervorragend, um Schmetterlinge anzulocken«, weiß Ralf Külker mit Blick auf den »Lavendelgarten« vor dem Palmenhauscafé im Botanischen Garten. Ob kleiner Feuerfalter, großes Ochsenauge oder Zitronenfalter – an den lila Blüten wimmelt es nur so an bunten Schmetterlingen, Bienen und Hummeln.

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