Erste Gütersloher Armutskonferenz mit 120 Teilnehmern gut besucht Netzwerk benötigt langen Atem

Gütersloh (WB/hcr). Mehr als 120 Bürger sind am Samstag in der Weberei zur ersten Gütersloher Armutskonferenz zusammengekommen. Zahlreiche Vereine und Initiativen beteiligten sich. Von der AWO bis zum Kinderschutzbund waren diverse Sozialeinrichtungen vor Ort.

Engagieren sich in der Gruppe zum Thema Kinderarmut: Barbara Wagner-Krause (von links), Leon Berning, Anne Nacke, Bettina Flohr, Jeannette Machotzki, Inge Rehbein, Pia Eckmann und Cornelia Wagner.
Engagieren sich in der Gruppe zum Thema Kinderarmut: Barbara Wagner-Krause (von links), Leon Berning, Anne Nacke, Bettina Flohr, Jeannette Machotzki, Inge Rehbein, Pia Eckmann und Cornelia Wagner. Foto: Hendrik Christ

Prof. Dr. Georg Cremer hielt ein Impulsreferat, um die Sitzung inhaltlich zu eröffnen. Cremer war von 2000 bis 2017 Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes und erörterte aktuelle Entwicklungen des Arbeitsmarkts oder zu den Themenkomplexen Rente, Grundsicherung sowie frühkindliche Bildung. »Dieses Netzwerk benötigt einen langen Atem«, prophezeite Cremer: »Aber es verspricht konkrete Schritte für die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen.«

»Das betrifft leider sehr viele Kinder«

Bedarf gibt es genügend, Kritik und Ärger wurde zu diversen Themen laut. Ein Gast haderte, Gewerkschaften hätten keine Mitsprache beim Niedriglohnsektor: »Leiharbeit und Werkverträge werden nicht erfasst. Die Tarifbindungen haben nachgelassen.« Es entwickelte sich eine kontroverse Diskussion mit vielen Fragen und Anregungen. Eine Frau brachte etwa das bedingungslose Grundeinkommen für Kinder ins Spiel.

Im Anschluss an die erste Plenum-Debatte kamen die Teilnehmer in den vier Gruppen Kinderarmut, Wohnungsnot, Altersarmut und prekäre Beschäftigung zusammen, um dort Lösungsvorschläge zu diskutieren. Cornelia Wagner engagiert sich beim Kinderschutzbund: »Das betrifft leider sehr viele Kinder.« Der Arbeitskreis verlangt, konkrete Sachleistungen auf den Weg zu bringen. Schulmaterialen und andere elementare Güter sollen etwa ohne Anträge und Eigenkosten zur Verfügung gestellt werden.

Thema Wohnungsnot: »In Gütersloh herrscht eine missliche Situation«

Die Gesellschaft wird älter, umso mehr rückt auch der Bereich Altersarmut in den Fokus. »Ich will das Thema als Multiplikator mitnehmen und den Betroffenen eine Stimme geben«, sagte Juan Carlos Palmier (Grüne), der in der Stadt Harsewinkel im Sozialausschuss sitzt. Oft mangele es an grundsätzlichen Dingen. Barrierefreie Fußwege sowie verbesserte, günstigere Nahmobilität müssten gewährleistet werden.

Großes Aufsehen erregte das Thema Wohnungsnot. »In Gütersloh herrscht eine missliche Situation«, befand der Arbeitskreis. Was hier fehle, seien Beratungsangebote für die Menschen in verschiedensten Lebenslagen. Außerdem müssten Entscheidungsträger eine gesunde Entwicklung für neue Wohnquartiere im Blick haben. Dazu gehöre als erstes eine dezentrale Bauplanung, um die Entwicklung von sozialen Brennpunkten zu vermeiden. Vorschläge dieser Art sollen demnächst an Stadt und Politik weitergeleitet werden.

Der Tag war ein Aufschlag für künftiges Engagement. Einer der Organisatoren, Christian Stephany, war nach der Armutskonferenz sehr zufrieden: »Das ist ein Startschuss, um alles Weitere zu machen. Es ist ein sinnvolles Engagement.« Ende August will sich die Arbeitsgruppe wieder in der Weberei treffen, um weitere Schritte zu erläutern. »Hier gibt es noch jede Menge Baustellen. Es ist nicht unmöglich, einiges zu schaffen«, beschwor Christian Stephany.

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