Isselhorster kämpfen mit ungewöhnlicher Aktion gegen Hochspannungsmasten Protest in luftiger Höhe

Gütersloh (WB). Die Bürgerinitiative Isselhorst (BISS) simuliert schon mal den Ernstfall. Der Netzbetreiber Amprion plant nämlich, Hochspannungsmasten entlang der Münsterlandstraße zu bauen. Um sich die Auswirkungen besser vor Augen zu führen, mobilisierten die Bürger am Samstag einen Hubsteiger, mit dem es in luftige Höhen ging. Über 70 Meter würden die Masten in den Himmel ragen – zum Ärger der Bevölkerung.

Von Hendrik Christ
Dieter Hinz fährt Mattes Haverlana, Wibke Brems (Grüne), Elvan Korkmaz (SPD) und den Isselhorster Georg Hanneforth (von links) mit einem Hubsteiger hoch hinaus. Die betroffenen Bürger fordern eine Erdverkabelung statt der Masten.
Dieter Hinz fährt Mattes Haverlana, Wibke Brems (Grüne), Elvan Korkmaz (SPD) und den Isselhorster Georg Hanneforth (von links) mit einem Hubsteiger hoch hinaus. Die betroffenen Bürger fordern eine Erdverkabelung statt der Masten. Foto: Hendrik Christ

Die Isselhorster fürchten um ihr Stadtbild und hegen zudem gesundheitliche Sorgen. Der Landesentwicklungsplan (LEP) sieht vor, die Stahlkonstruktionen mit einem Mindestabstand von 200 Metern Entfernung von Einzelhäusern und 400 Metern von Siedlungen zu bauen. »Daran hält sich der Betreiber aber nicht«, klagt die BISS-Vorsitzende Maria Vornholt: »Diese Masten verschandeln die Landschaft. Und alle Menschen im Umkreis haben große Angst vor Erkrankungen.« Die Masten würden im Kirchspiel etwa 80 Meter in die Höhe ragen – gut 25 Meter über den Isselhorster Kirchturm hinaus.

BISS pocht auf eine unterirdische Lösung

Am Samstag lud die Initiative Bürger und Politiker ein und sperrte die Münsterlandstraße an der Ecke Haller Straße für einen Hubsteiger ab. Dieter Hinz fuhr am Nachmittag eine Gruppe nach der anderen empor. Tickets nach oben wurden zuvor per Los gezogen. Die erste Fahrt unternahmen Mattes Haverlana, Georg Hanneforth sowie die Politikerinnen Wibke Brems (Grüne) und Elvan Korkmaz (SPD). Statt der Hochspannungsmasten pocht BISS auf eine unterirdische Lösung: Eine Erdverkabelung soll das Problem beheben.

Für dieses Vorhaben können die Isselhorster mit Zuspruch rechnen. Raphael Tigges (CDU), Mitglied im Landtag, nannte die Lösung mit den Masten »nicht nachvollziehbar.« Er will sich auf allen Ebenen einsetzen und Möglichkeiten ausloten. Wibke Brems befand, es gebe gute Gründe für eine Erdverkabelung, die aber auch einen Eingriff in die Natur darstelle.

Erörterungsverfahren im Herbst

Die zuständige Bezirksregierung in Detmold plant im Herbst ein Erörterungsverfahren mit Stellungnahmen von allen Seiten. In der Vergangenheit blieb ein Treffen der Bürgerinitiative mit der Firma Amprion ohne Ergebnis. Seit 2013 kämpft BISS für das Anliegen. Im Energieleitungsausbaugesetz von 2016 werden Erdkabel mittlerweile gestattet. Auch der neue Landesentwicklungsplan aus dem vergangenen Jahr sieht diese Lösung vor. »Aber das gilt leider nicht rückwirkend. Und das finden wir unfair«, erklärt Maria Vornholt.

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