Gunter Hampels Quartett gibt im Theater Gütersloh ein Konzert der Extraklasse Dieser Free-Jazz macht Freude

Gütersloh (WB). Enge Jeans, bunte Turnschuhe und eine schlohweiße Experimentalfrisur – alte Männer sehen in Deutschland üblicherweise anders aus als der bald 80-jährige Jazzveteran Gunter Hampel. Der Multiinstrumentalist zeigte am Samstagabend im Gütersloher Theater mit seinem European-New York-Quartett, wie viel Spaß und Freude Free-Jazz machen kann.

Von Collin Klostermeier
Gunter Hampel und seine drei Mitstreiter bieten in Gütersloh ein Musterbeispiel an musikalischer Kommunikation.
Gunter Hampel und seine drei Mitstreiter bieten in Gütersloh ein Musterbeispiel an musikalischer Kommunikation. Foto: Collin Klostermeier

»Wir leisten ja immer noch jeden Abend Pionierarbeit, die viel Spaß macht«, erklärte Gunter Hampel im Interview nach der Pause. «Und das hält mich jung.« So jung, dass er sich auch von einem Unfall nicht von seinem Auftritt in Gütersloh abhalten ließ: Drei Tage vor dem Konzert hatte ihn in seiner Heimatstadt Göttingen ein Radfahrer umgefahren und am Bein verletzt.

Musik schon auf dem Weg zur Bühne

Einen Tag vorher wäre das Konzert wohl abgesagt worden, doch am Samstag trat Gunter Hampel, der am 31. August übrigens seinen 80. Geburtstag feiert, wie selbstverständlich auf die Bühne des Gütersloher Theaters. Und zwar nicht durch den üblichen Eingang, sondern über die lange Treppe durch den gesamten Saal.

Jazzveteran Günter Hampel am Vibraphon. Foto: Collin Klostermeier

Seine Mitmusiker im Schlepptau, spielte Gunter Hampel dabei bereits die ersten Takte des Auftaktstücks auf der Bassklarinette – der Beginn eines erstklassigen Konzerts, bei dem das improvisierte Zusammenspiel in der Gruppe im Mittelpunkt stand. Und das schlussendlich den Beweis erbrachte, dass leidenschaftliches Musizieren den Menschen tatsächlich jung hält.

Dialogbereitschaft und kreatives Zusammenspiel

Für sein Konzert in der Reihe »European Jazz Legends« hatte Gunter Hampel neben seiner Tochter, der Sängerin Cavana Lee Hampel, auch noch seine beiden langjährigen Mitstreiter Johannes Schleiermacher am Tenorsaxofon und Bernd Oezsevim am Schlagzeug engagiert. Als Kollektiv präsentierten die vier Musiker an diesem Abend ein Musterbeispiel an musikalischer Kommunikation, Dialogbereitschaft und kreativem Zusammenspiel.

Bandleader Gunter Hampel bediente sich dabei neben der sinistren Bassklarinette auch noch dem Vibraphon und der Flöte, während er den bereitgestellten Flügel komplett ignorierte. Sein Augenmerk lag spürbar nicht auf der solistischen Improvisation als Selbstzweck – vielmehr ging der auch musikalisch sehr weise agierende Freejazzer voll und ganz in der Gruppe auf, weshalb das Quartett an diesem Abend viel Unisono spielte. Dabei musizierten alle Bandmitglieder gemeinsam, und das taten sie äußerst virtuos und variantenreich.

»Vielen Dank fürs gute Zuhören!«

Die Stimme von Cavana Lee Hampel fügte sich als viertes Instrument geradezu prächtig ins Kollektiv ein. Die Tochter des Bandleaders agierte, was sehr genreuntypisch ist, eher im Hintergrund und sang mal perkussiv, mal scattend, mal dadaistisch, kurz: mit großer Variabilität und enorm vielen Klangfarben.

Auf der Bühne war während des gesamten Konzerts stets eine positive Energie zu spüren, die sich wie selbstverständlich aufs Publikum übertrug. Auch hier war die Kommunikation also erstklassig, was Gunter Hampel am Ende mit trockenem Humor kommentierte: »Vielen Dank fürs gute Zuhören!«

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