Mitschüler überraschen schwer kranken Paul (10) mit Eisenbahn-Fahrt nach Gütersloh »Kleiner Tiger« freut sich sehr

Gütersloh (WB). Für einige Stunden hat er am Freitag sein Schicksal vergessen können: Der zehnjährige Paul, der an einem Immundefekt leidet, ist von seinen Mitschülern mit einer Eisenbahn-Fahrt nach Gütersloh überrascht worden.

Von Carsten Borgmeier
Paul darf für kurze Zeit auf dem Platz des Lokomotivführers Stephan Schröder sitzen. Der 38-Jährige erklärt dem Viertklässler, wie so ein Dieseltriebwagen von 1958 gefahren wird.
Paul darf für kurze Zeit auf dem Platz des Lokomotivführers Stephan Schröder sitzen. Der 38-Jährige erklärt dem Viertklässler, wie so ein Dieseltriebwagen von 1958 gefahren wird. Foto: Carsten Borgmeier

Doch es handelte sich dabei nicht um einen gewöhnlichen Zug, sondern um einen historischen, fast 60 Jahre alten Diesel-Triebwagen der Osning-Bahn.

Bei Paul, der mit seinen Eltern Rabea (43) und Andreas Schlepphege (53) sowie sechs Halbgeschwistern in Bad Laer im Landkreis Osnabrück wohnt, handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen Jungen. Der Zehnjährige wird nach Auskunft seiner Klassenlehrerin Anke Stentzel in Schule und Familie »Kleiner Tiger« genannt. Denn stark wie diese Art Raubkatzen tritt er seiner Krankheit entgegen.

Im Alter von fünf Jahren wurde der Immundefekt festgestellt

Als der Immundefekt bei dem Kind im Alter von fünf Jahren festgestellt worden sei, hätten Mediziner bei dem Jungen von einer Lebenserwartung zwischen fünf und zehn Jahren gesprochen, berichtete am Freitag seine Mutter Rabea. Im Wissen um die Krankheit ihres Mitschülers versucht die Klasse seither, alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit es Paul besser geht.

So sammelten sie mit ihren Eltern fast 20.000 Euro, um Immundefekte künftig besser untersuchen lassen zu können. Auch schrieben sie ein Buch mit und für Paul, das die Klasse im vergangenen Oktober sogar dem Papst in Rom überreichen durfte. Paul muss sich nach Angaben seiner Mutter mindestens drei Mal pro Jahr intensiv in immunologischen und onkologischen Fachkliniken untersuchen lassen.

»Alle für einen und einer für alle«

»Da sein Immunsystem schwach ist, kann ein Schnupfen für ihn lebensbedrohlich sein«, berichtet die Mutter. Eine Knochenmark-Transplantation musste er bereits 2011 über sich ergehen lassen. Seit dem vergangenen Winter gehe es Paul etwas besser, »die Antikörper scheinen sich erholt zu haben«, sagt Rabea Schlepphege.

»Alle für einen und einer für alle«: Diesem Motto der Klasse 4 a, ihrem Paul so gut wie möglich zu helfen, haben sich Verantwortliche des Vereins Osning-Bahn gern angeschlossen. »Es war doch für uns selbstverständlich, dass wir Paul unterstützen«, sagt Vorstandsmitglied Hans-Jörg Korn (54).

Mit seinem Kollegen Andreas Keil (48) hatte der Eisenbahn-Experte die Fahrt von Bad Laer nach Gütersloh in die Wege geleitet, im Führerstand saß der Verkehrsingenieur Stephan Schröder. Der 43-Jährige beantwortete beim Halt am TWE-Bahnhof an der Kaiserstraße gern und ausführlich die Fragen der eisenbahnaffinen Kinder. Paul durfte sogar auf dem Lokführer-Sitz Platz nehmen, bevor es wieder nach Hause ging.

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