Isselhorster Antik- und Trödelmarkt auch in diesem Jahr wieder sehr gut besucht Hier bleiben Händler lieber inkognito

Gütersloh-Isselhorst (WB). Medienvertreter, die Einblicke in den Isselhorster Antik- und Trödelmarkt geben möchten, haben es bei ihrer Recherche bisweilen nicht einfach.  »Bloß kein Foto von mir! Und meinen Namen will ich auch nicht in der Zeitung lesen«, heißt es oft. Dabei ist es eine öffentliche Veranstaltung.

Von Uwe Caspar
Großer Andrang: Mehrere tausende Besucher lockt auch der diesjährige Isselhorster Antik- und Trödelmarkt an.
Großer Andrang: Mehrere tausende Besucher lockt auch der diesjährige Isselhorster Antik- und Trödelmarkt an. Foto: Uwe Caspar

Besonders barsch reagiert eine Händlerin, als der Fotograf auf den Auslöser drücken will. »Fragen Sie mich und die Kunden erst mal, bevor Sie knipsen«, herrscht die Dame den Reporter dieser Zeitung an. Freundlicher gibt sich dagegen ein Kollege aus Dortmund. »Bitte kein Foto, ich bin nur inkognito hier«, schmunzelt der Mann.

Kaiser-Bowle aus Zinn für 400 Euro

Nichts dagegen hat er, dass eine seiner Raritäten in den Fokus genommen wird: Eine Kaiser-Bowle aus Zinn, die zwischen 1898 und 1900 produziert wurde. Er bietet das Unikat aus der Jugendstilzeit für 400 Euro an.

Viel Hoffnung auf einen Verkauf hat er aber nicht: »Für so etwas interessieren sich eigentlich nur echte Sammler. Vielleicht habe ich heute Glück.« Sein gutes Stück sei noch für den praktischen Einsatz verwendbar. Allerdings rät der Verkäufer dem künftigen Besitzer, den inneren Teil des Bowle-Gefäßes zu verglasen – wegen der Zinnlegierung.

Auskunftsfreudig und freundlich verhält sich auch ein Händler aus der Nachbarstadt Halle, der historische Postkarten aus der Zeit zwischen 1896 und 1950 anbietet. Darunter sind auch Motive vom alten Gütersloh. Doch er gibt ebenfalls seinen Namen nicht preis (»Das Finanzamt liest mit...«) und möchte natürlich nicht fotografiert werden. Die Sammlerleidenschaft des früheren Gärtners begann vor 50 Jahren, inzwischen stapeln sich bei ihm zuhause etwa tausend frankierte und zum Teil beschriebene Grüße.

Pistole von 1860 findet Abnehmer

Vor allem Aussteller, die mit historischen Waffen und Kriegsausrüstung handeln, sind sehr vorsichtig im Umgang mit den Medien – das gilt ebenso für Käufer: Ein Bielefelder Sammler will nicht fotografiert werden und namenlos bleiben. Am Fronleichnamstag erwirbt der Mann eine seltene französische, doppelläufige Pistole Baujahr 1860 für 140 Euro. Der Händler, der auch Feldflaschen und Stahlhelme aus den Weltkriegen vertreibt, kommt dem Bielefelder entgegen und geht mit dem Preis 20 Euro runter. Ein Schnäppchen, denn die Pistole weist eine Besonderheit auf: einen Bajonettaufsatz.

Wenigstens die beiden Herren an der Eintrittskasse des Antikmarktes haben gegen ein Foto nichts einzuwenden, sie tragen sogar Namensschilder: Harald Holzheuser und Ingo Bernicke heißen sie. Sie können sich auch diesmal kaum eine Pause gönnen: Wieder zwischen 5000 und 6000 Besucher sind zu dem Event der Antiquitäten geströmt.

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