Sigmund Bothmann reagiert auf den Ganztag und sucht junge Talente Chorleiter bringt das Singen in die Schulen

Gütersloh (WB). Italien, Israel, Holland, Niederlande, Polen: Der seit zehn Jahren bestehende Knabenchor Gütersloh – Gründungsvorsitzender war Dr. Siegfried Luther – hat bei seinen Konzertreisen schon viel von der Welt gesehen.

Von Uwe Caspar
Knabenchor-Leiter Sigmund Bothmann (vorne) mit Dr. Hans-Werner Addicks (hinten, von links), Jörg Hoffend und Welf Sundermann vom Vorstand des Chor-Trägervereins.
Knabenchor-Leiter Sigmund Bothmann (vorne) mit Dr. Hans-Werner Addicks (hinten, von links), Jörg Hoffend und Welf Sundermann vom Vorstand des Chor-Trägervereins. Foto: Uwe Caspar

»Der Chor ist mittlerweile über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt, worauf Gütersloh stolz sein kann«, sagt Jörg Hoffend, der Vorstandssitzende des Trägervereins. Zu den Highlights der zahlreichen nationalen und internationalen Präsentationen der heimischen Nachwuchssänger zählte auch ein Engagement in Düsseldorf beim Festakt »70 Jahre NRW«, wobei es sogar zu einer kurzen Begegnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel kam.

»Unser Motor mit vielen PS«

CD-Produktionen, Auszeichnungen bei Wettbewerben, eine Beteiligung einiger Mitglieder an der Produktion des Spielfilms »Colonia Dignidad« (2014) sowie Auftritte im Fernsehen krönen die erfolgreiche Arbeit des Künstlerischen Leiters Sigmund Bothmann. Für Hoffend ist der Chor-Chef »unser Motor mit vielen PS«.

Und Bothmann will weiter Vollgas geben. »Die Ganztagsschule stellt nicht nur für Sportvereine ein Problem dar. Wie soll ein Kind noch üben oder trainieren, wenn es erst spät aus der Schule kommt?«, gibt der 52-Jährige zu bedenken. Der Gütersloher Chorleiter hat darauf bereits reagiert, indem er seine Aktivitäten teilweise in den Musikunterricht der Schulen verlagert.

Grundschulen im Fokus

Nachdem sich das Projekt im Rahmen des NRW-Programms JeKits (Instrumente, Tanzen, Singen) mit den Zweitklässlern der Overbergschule als Erfolg entpuppt hat, will Bothmann demnächst auch an der Blücher- und Paul-Gerhardt-Schule auf Talentsuche gehen. »Es sind auch begabte Kinder dabei, die vorher noch nie gesungen haben, weil sie das von zu Hause aus gar nicht kennen«, erzählt er.

Zunächst wird mit allen Kindern geübt – egal, ob sie singen können oder nicht. »Beim ersten Auftritt mit drei Liedern überwogen noch die falschen, jetzt aber dominieren die richtigen Töne«, berichtet Bothmann schmunzelnd.

100 Sänger wären optimal

Rund 60 Kinder zählt sein Chor. Das sind aber noch zu wenig, zumal der Stimmbruch ständig personelle Umbesetzungen erfordert. Bothmann: »Um richtig stark zu sein, bräuchten wir eigentlich 100 Sänger.« Dennoch steht auch das aktuelle Aufgebot hoch im Kurs bei den Theatern in Bielefeld und Osnabrück, die den Chor für etliche Auftritte im Spieljahr 2016/17 für »Die Zauberflöte« verpflichtet haben.

In Gütersloh präsentieren sich die Bothmann-Schützlinge am Wahlsonntag, 24. September, um ihr zehnjähriges Bestehen zu feiern. Nach dem Konzert gibt’s vor dem Theater ein offenes Singen. Einen Vergleich mit dem in Mode gekommenen Rudelträllern findet Bothmann unangemessen: »Denn Rudelsingen ist nur ein Abklatsch.«

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