Doppelmord: Bald entscheiden die Bundesrichter über die Revision Neuer Prozess wäre ein Novum

Gütersloh (WB). Ein Geschwisterpaar, das grausam stirbt. Ein Tatverdächtiger, der alles leugnet. Ein Staatsanwalt, der um die Wahrheit ringt. Zweieinhalb Jahre nach dem Weihnachts-Doppelmord in Gütersloh ist der Fall immer noch nicht abgeschlossen.  Zwei Prozesse, zwei Verurteilungen, zwei Revisionsanträge. Über den letzten entscheidet in den nächsten Tagen der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe.

Von Wolfgang Wotke
Strafverteidiger Sascha Haring ist optimistisch, dass die erneute Revision im Gütersloher Doppelmordfall Erfolg haben wird. Sein Mandant Jens Sch., der zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt worden ist, sei sehr engagiert und prüfe jeden Schriftverkehr.
Strafverteidiger Sascha Haring ist optimistisch, dass die erneute Revision im Gütersloher Doppelmordfall Erfolg haben wird. Sein Mandant Jens Sch., der zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt worden ist, sei sehr engagiert und prüfe jeden Schriftverkehr. Foto: Wolfgang Wotke

Strafverteidiger Sascha Haring ist zuversichtlich. Zwar habe die Bundesanwaltschaft hinsichtlich des neuen Revisionsantrages kürzlich keine Verfahrensfehler erkennen können, doch das sei nach der ersten Eingabe auch so gewesen. Auf 30 Seiten habe er und sein Kollege, Dr. Carsten Ernst, begründet, warum auch das zweite Urteil gegen den 30-jährigen Jens Sch. aus Verl (13 Jahre Gefängnis) anzufechten ist.

»90 Prozent unserer Argumentation befasst sich mit den belastenden Aussagen des Mithäftlings unseres Mandanten. Im ersten Prozess glaubte das Gericht ihm nicht, weil er als Betrüger in einem anderen Verfahren überführt worden war, im zweiten schon. Wie kann das angehen?«, fragt der Anwalt.

Novum in Rechtssprechung

Sollte der BGH das Urteil erneut wegen mangelnder Beweisführung aufheben, wäre das ein Novum. »Das hat es bislang noch nicht gegeben.« Dann würde ein neues Verfahren vor einem anderen Gericht stattfinden, jedoch nicht in Bielefeld. »Wir haben im Vorfeld das Landgericht Dortmund beantragt«, verrät Sascha Haring.

Dem widerspricht der  Bielefelder Staatsanwalt Christoph Mackel: »In der Regel entscheiden die Richter des BGH ganz allein, an welche Kammer ein neues Verfahren verwiesen wird, vorschlagen kann man da gar nichts. Sollte das dann so sein, gibt es auch einen neuen Vertreter der Anklage.«

Mackel lässt nicht locker

Josef S. (52) steht immer noch im Visier der Justiz. Foto: Woldgang Wotke

Christoph Mackel lässt jedenfalls nicht locker. Er will die ganze Wahrheit. Er will aufdecken, was wirklich an Heiligabend 2013 in der Villa an der Badstraße geschehen ist. Und vor allem warum? Er ist nach wie vor davon überzeugt, dass der gelernte Klempner Jens Sch. der Mann ist, der damals die pensionierte Ärztin Dr. Helgard G. (74) und ihren Bruder Hartmut S. (77) brutal erstochen hat. Er glaubt, dass der Verurteilte allein gehandelt hat, jedoch angestiftet worden ist.

Deshalb will er das Ermittlungsverfahren gegen Josef S., dem Freund von Jens Sch. und Lebensgefährten von Tochter Sibylle der getöteten Medizinerin, derzeit nicht einstellen. Die Fahnder vermuten, dass der 52-jährige, ehemalige Masseur eine bedeutende, wenn nicht sogar maßgebliche Rolle in diesem Verbrechen spielt. So steht es auch in der letzten Urteilsbegründung.

Mysteriöses Verhalten der Personen

Mysteriös ist dieser Doppelmord wohl kaum. Aber die Umstände, nämlich das Verhalten des mutmaßlichen Täters und die  ins Visier der Kripo geratenen Personen vor als auch nach der Tat, sind schon seltsam: Jens Sch. kappt sein bisheriges Leben, verkauft sein Auto und sein Fahrrad, legt einen Erdbunker mit Geld an und erzählt im Gericht wirre Geschichten.

Erst im zweiten Prozess tritt die Tochter von Dr. Helgard G. plötzlich als Nebenklägerin auf, ihr Partner Josef S. besucht nicht einen einzigen Verhandlungstag. Darüber hinaus, so berichten es Zeugen, werde eine sehr ausgeprägte Grabpflege betrieben. Als der bekannte Profiler Axel Petermann Anfang Juni in Verl seine Lesung beendet hatte, soll Sibylle G. ihn danach abgefangen haben, um mit ihm zu reden. Über den Gesprächsinhalt ist nichts bekannt.

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