Spanische Polizei hat keine Probleme, den zu Fuß flüchtenden Felix Vossen zu fangen Falsche Pässe, elf Handys

Gütersloh (WB). Den Schilderungen der spanischen Polizei zufolge scheint es bald so, als habe der seit März 2015 weltweit gesuchte, aus Gütersloh stammende Felix Vossen seine Verhaftung selbst herbeigeführt. Wegen auffälligen Verhaltens von einer Streife in Valencia angesprochen, zeigte er nur kurz einen gefälschten französischen Pass vor und rannte davon.

Von Stephan Rechlin
Drei falsche Pässe, elf Handys, sechs Laptops: Darauf stößt die spanische Polizei als sie das von Felix Vossen in Valencia gemietete Haus durchsucht. Ob dort auch Kokain gefunden wurde, möchten weder Polizei noch Züricher Staatsanwälte bestätigen.
Drei falsche Pässe, elf Handys, sechs Laptops: Darauf stößt die spanische Polizei als sie das von Felix Vossen in Valencia gemietete Haus durchsucht. Ob dort auch Kokain gefunden wurde, möchten weder Polizei noch Züricher Staatsanwälte bestätigen. Foto: Polizei

Offenbar fiel es den spanischen Polizisten nicht schwer, Vossen daraufhin zu fassen und sein in Valencia gemietetes Haus zu durchsuchen. Polizeiangaben zufolge fanden die Beamten dort drei gefälschte Pässe – den französischen, einen griechischen und einen holländischen.

Darüber hinaus habe Vossen einen griechischen Führerschein und eine italienische Identitätskarte bei sich getragen. Die Polizisten beschlagnahmten ferner elf Handys, sechs Laptops und große Mengen Bargeld in den Währungen Euro, Schweizer Franken und britisches Pfund.

Auf Anfrage wird der angebliche Fund von 244 Gramm Kokain nicht bestätigt – die spanische Polizei verweist dazu auf die Oberstaatsanwaltschaft in Zürich, der Vossen am 26. April übergeben wurde.

Staatsanwälte stehen vor komplexer Materie

Von dort sind derzeit keine weiteren Auskünfte zu bekommen – weder zu den näheren Umständen der Verhaftung noch zum möglichen Termin einer Anklage. Die Schweizer Staatsanwälte stehen vor einer komplexen Materie, in der Vossen bisher nur des Betrugs verdächtigt, nicht aber überführt ist.

Schon bei der Schadenssumme gibt es verschiedene Angaben. In bisherigen Berichten ist mal von 60 Millionen Euro, dann von 66 Millionen Franken die Rede – die spanische Polizei bezifferte den angeblichen Schaden auf 15 Millionen Franken. Die Oberstaatsanwaltschaft kommentiert die Zahlen nicht.

Weltweite Transaktionen

Im Zentrum ihrer Ermittlungen dürften zwei Firmen stehen – VCP Asset Management AG und die VCP Analytics GmbH. Der Partner einer angesehenen Züricher Anwaltskanzlei nahm ein Aufsichtsratsmandat in einer der beiden Firmen wahr, bei der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma waren sie Recherchen der »Welt« zufolge aber offenbar nicht gemeldet. Der Kanzlei-Partner legte sein Mandat 2014 nieder, gut ein halbes Jahr bevor Vossen untertauchte.

Stammsitz der Unternehmen war Zürich. Doch Vossens finanzielle Transaktionen wurden weltweit abgewickelt – in London, New York und auf der von britischen Steuergesetzen verschonten Insel Guernsey.

Um ihre Anklage vorzubereiten und Licht in das Vossen-Netzwerk zu bringen, werden die Staatsanwälte auch die Akten und Korrespondenzen dieser Standorte finden und sichten müssen – falls überhaupt noch vorhanden. Wer am besten darüber Auskunft geben kann, ist Felix Vossen selbst.

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