Ex-Supertramp-Frontmann Roger Hodgson (65) liefert umjubelten Auftritt im Theater ab Falsett im Gütersloher »Rockpalast«

Gütersloh (WB). Der Mann hat noch kein Wort gesprochen oder gar gesungen, keine Note gespielt, da erheben sich die ersten Fans begeistert von den Plätzen und spenden Applaus.
Sie erheben sich immer wieder an diesem  Abend, um einen Musiker zu feiern, der sich mit seinen zeitlosen Songs und der falsettartigen Tenorstimme ins kollektive musikalische Gedächtnis  gesungen hat. Und das Theater wird dank Roger Hodgson und seiner vorzüglichen Band zum kleinen Rockpalast.

Von Dirk Bodderas
Roger Hodgson ist der Schöpfer vieler unvergesslicher Hits des »Progressive Rock«, den er mit Supertramp populär machte.
Roger Hodgson ist der Schöpfer vieler unvergesslicher Hits des »Progressive Rock«, den er mit Supertramp populär machte. Foto: Dirk Bodderas

Hodgson (65) hatte dereinst Supertramp mit Kompositionen wie »Dreamer«, »Take a long way home«, »Breakfast in America« (»Habe ich in einer Stunde geschrieben«) und vielen anderen zum Erfolg geführt; seit der Trennung von der Band – und die liegt nun auch schon mehr als drei Jahrzehnte zurück – macht er sein eigenes Ding, äußerst erfolgreich.

Solowerk ist kaum bekannt

Und so gerät die Set-List  des Abends zu einem bunten Querschnitt aus mehreren Schaffensjahrzehnten.  Natürlich mit den Abräumern wie »School«, »It‘s raining again«, aber auch mit Songs seiner späten Studioalben. Ob jemand das Album »Open The Door« kenne, fragt er das Publikum, und erntet als Antwort nur ein einsames Stimmlein: »No«.

»Excellent«,  meint der Musiker tiefenenentspannt und verweist augenzwinkernd auf  den Verkaufsstand im Theaterfoyer. So ist das nun mal: Hodgson ist für viele Menschen das Synonym für Supertramp, und das sind die großen Songs bis Anfang der 1980er Jahre. Die ernten den enthusiastischsten Beifall. Wer braucht da noch eine Reunion mit Musikern von einst?

Exzellente Band

Der in Ehren langhaarig ergraute Musiker vereint Anzug- und Jeans-Träger – die meisten sind »50+« –  in der Freude über einen gelungenen Abend. Hodgson wirkt auf der üppig  plastikbegrünten und zeitweise ekstatisch beleuchteten Bühne wie der  väterliche Freund seiner viele, viele Jahre jüngeren Mitstreiter, darunter der geniale Multiinstrumentalist Aaron MacDonald (unter anderem am Saxofon),  den Hodgson vor elf Jahren bei einem Auftritt in Montreal aus einem Symphonieorchester »entführte«.

Hodgson ist kein manischer Weltverbesserer, aber er kommt nicht umhin, den einen oder  anderen Gedanken ins Publikum zu streuen. Den Tag nutzen, Liebe sei das Wichtigste im Leben. So was nimmt man ihm ab. Als Intro zu dem Song »Death in a Zoo« stellt er die Frage, was einem als wild lebendes Tier wohl lieber  sei: der Tod oder in einem Zoo leben zu müssen?

Tanzen ist schwierig

Zum Mitsingen, Klatschen und Tanzen fordert der Brite das ausverkaufte Theater eingangs auf, und dem wird Folge geleistet. Bis auf die Tanzerei, die sich bei vielen Songs ja eigentlich  anbietet. Da ist das Theater als Rockpalast doch weniger geeignet. Und wenn’s mal richtig zur Sache geht, wie bei »Fools Overture«, stößt die Akustik an ihre Grenzen.

Sei‘s drum: Es ist im positivsten Sinne ein denkwürdiger Abend im Rahmen der gesponserten Vier-Jahreszeiten-Reihe, und das letzte Konzert für Roger Hodgson in diesem Jahr innerhalb Europas. Er und seine Musiker dürfen erst nach drei Zugaben (unter anderem »It’s raining again«) den Saal verlassen. Oder besser: Dann wird das Saallicht eingeschaltet. Ansonsten hätte der Abend sicherlich noch etwas länger gedauert.

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